In der Laurenzenvorstadt nimmt die Polizei Autos, die im Parkverbot stehen, auf den Bock und schleppt sie ab, Mädchen mit aufgesteckten Blumenkränzchen, Knaben mit einer Granate (wie der Ostaargauer belehrt wird) an Hemd oder Gilet streben Richtung Graben und Schlossplatz, die Musikgesellschaft Küttigen marschiert auf, Verbindungsstudenten stampfen schon mal den Asphalt (ihnen werden nicht nur die Köpfe, sondern auch die Knie schmerzen), die ersten Zaungäste sichern sich entlang der Umzugsroute die guten Plätze.

Der Maienzug-Vorabend im Zeitraffer

Der Maienzug-Vorabend im Zeitraffer

In der Kronengasse macht Polizeichef Daniel Ringier darauf aufmerksam, dass der Umzug entgegen offizieller Ankündigung nun doch die Kurve durch den Zollrain und am Rathaus vorbei nehme. «Wir Aarauer sind spontan, haben vor dem Rathaus kurzfristig teeren lassen», sagt ausgerechnet er, der Hüter von Recht und Ordnung. Die Maienzugkommission hat um sieben Uhr morgens kurzfristig beschlossen, den Umzug auf der gewohnten Route verlaufen zu lassen.

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Es ist halb neun, im linken Ohr das Glockengeläut der Stadtkirche, im rechten die Trommeln der Kadettentambouren, und dann abwechselnd mit den städtischen Musikkorps und jenen aus den Nachbargemeinden die festlich herausgeputzten Schülerinnen und Schüler, angefangen bei den Kindergärten bis hinauf zu den Jugendlichen von Oberstufe, Kanti und Berufsschule. Letztere ebenso wie die Kleinen in der Traditionsfarbe Weiss, nur die Haltung ist cooler. Wer zeigt sich in diesem Alter schon gern tausendfachem Publikum. Hier ein Hallo, da ein freundliches «Guete Tag», eine Dame mit extravagantem Hut bekommt eine Blume überreicht.

Jugendliche mit einer Behinderung haben in Pontons auf Rädern Platz gefunden. Auch sie dürfen sich am Umzug freuen, der Pontonierverein macht es wie immer am Maienzug möglich. Die Majoretten der Musikgesellschaft Erlinsbach wirbeln ihre Batons, wie deren Stöckchen heissen, die Honoratioren mit Frack und Zylinder nicken freundlich nach links und rechts, in der Metzgergasse kassiert Stadtammann Marcel Guignard ein Küsschen (wer soll es ihm vergönnen?). Und dann zurück in die Laurenzenvorstadt, wo der bekehrte Ostaargauer den Umzug im Kontermarsch gleich noch zweimal geniesst.