Ein Amerikaner – nicht in Paris, aber in Suhr: Seit September letzten Jahres ist Christopher Holman Hauptorganist der Pfarrei Heilig Geist Suhr-Gränichen. Den Weg an die Orgel der Suhrer Heilig-Geist-Kirche fand er über ein Inserat. «Wir suchen einen Organisten», stand da. «Ja, und hier bin ich nun», sagt Holman. Mehr als das: Er initiiert auch, gestützt auf seine Kontakte in der Musikszene, eine Konzertreihe, die sich «Geistliche Abendmusiken» nennt. Am nächsten Sonntag, 16 Uhr, findet das erste von vorderhand vier Konzerten in der katholischen Kirche Suhr statt.

Holman ist ein international gefragter Konzertorganist. Letzte Woche spielte er beispielsweise in Bremen, übermorgen Samstag tritt er zusammen mit seiner Frau, der Sopranistin Cynthia Holman, in Oberwil BL auf. Er ist 26-jährig, in Chicago aufgewachsen, hat dort an der University of Illinois und später an der University of Houston studiert. Seit 2017 wohnt er in Basel und studiert an der Schola Cantorum Basiliensis, einem Teil der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Möglich macht ihm das ein Forschungsstipendium aus dem Frank Huntington Beebe Fund (Boston USA).

«Meine Hauptarbeit in der ‹Schola›, sagt Holman, «ist die Erforschung der Schweizer Renaissance-Orgelmusik. Daher habe ich viel über die Schweizer Musik gelernt – von der Renaissance bis in die heutige Zeit.» Auch zur Suhrer Konzertreihe hat ihn die Schweizer Musik inspiriert. «Ziel der Reihe ist es», so Holman, «auch weniger bekannte Werke von Schweizer Komponisten zu präsentieren.» Diese Idee konnte Holman den Suhrer Pfarreiverantwortlichen schmackhaft machen.

Barocke Kammermusik zum Start

Beim ersten Konzert (Barocke Kammermusik) vom kommenden Sonntag geht es nun darum, Schweizer Musik im gesamteuropäischen Kontext der barocken Musik vorzustellen. Es erklingt daher einerseits Musik von Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und Arcangelo Corelli. Andererseits gelangt auch die Sonate in c-Moll, Op. 8, Nr. 5 von Heinricus Albicastro (ca. 1660–1730) zur Aufführung. Diese kennen wohl die wenigsten, und der Name Albicastro ist Musikfreunden kaum so geläufig wie Bach, Telemann und Corelli. Aber Holman ist der Auffassung, Albicastros Sonate dürfe sich durchaus hören lassen. Mit Telemann und Corelli könne Albicastro durchaus mithalten. An eine Ausnahmeerscheinung wie Bach komme er wohl schon nicht ganz heran.

Einen kleinen Haken hat es, wenn man Johann Heinrich Weissenburg (latinisiert bzw. italianisiert Albicastro) als Schweizer Musiker vorstellt. Der einzige Anhaltspunkt für die Annahme, dass der Geigenvirtuose und Komponist, der als Kavallerieoffizier in den Niederlanden kämpfte, «ein Schweitzer» sei, findet sich in Johann Gottfried Walthers «Musicalischem Lexicon» von 1732. Albicastro hat selber zeitlebens seine Herkunft verschleiert. Auch Otmar Tönz und Rudolf Rasch sind nach ausgedehnten Recherchen 2010 zum Schluss gekommen, das sei ihm bis zum heutigen Tag gelungen. Eine Herkunft aus der Schweiz sei durch ihre Forschung zwar nicht formell widerlegt, erscheine aber derart unwahrscheinlich, dass sie getrost zu den Legenden gelegt werden dürfe (Schweizer Musikzeitung, Nr. 4/April 2010).

Christopher Holman stört das alles nicht. Es sei immer noch möglich, erklärt er mit der gebotenen Vorsicht, «dass Albicastro ein Schweizer gewesen sein könnte». Keine Zweifel an der schweizerischen Herkunft gibt es bei den Aargauern Werner Wehrli (1892–1944) und Peter Mieg (1906–1990), die beim zweiten Konzert, eine Woche nach Ostern, zum Zug kommen. Unter anderem singt dann der Heilig-Geist-Kirchenchor Wehrlis Kantate über das Beresinalied. Holman selber spielt auf der Orgel drei Choralvorspiele von Wehrli. Beim ersten und vierten Konzert spielen Studienkollegen von Christopher Holman von der Schola Cantorum Basiliensis auf historischen Instrumenten. Das zweite («eine musikalische Fanfare») bestreiten Absolvierende der Musikhochschule Basel, das dritte (geistliche Opernlieder) Christopher und Cynthia Holman. Die Orgel der Heilig-Geist-Kirche bezeichnet Holman als sehr speziell, wozu die ausgezeichnete Akustik ihren Teil beitrage. Und wichtig: «Diese Orgel kann sehr gut Musik spielen vom Mittelalter bis in die Moderne. Für diese Konzertreihe ist sie perfekt.» Besonders gespannt ist Holman übrigens auf das Alphornkonzert von Leopold Mozart im Rahmen des vierten Konzerts. «Ich habe noch nie mit einem Alphornisten zusammengespielt.»

Barocke Kammermusik, Bach Collegium Basel (Studierende der Schola Cantorum Basiliensis), Sonntag, 17. 3., 16 Uhr, Heilig-Geist-Kirche Suhr. Gesamtprogramm der Reihe unter www.pfarrei-suhr.ch.