Buchs
Ein Maître Confiseur und seine grosse Liebe für Löwentatzenfüsschen

Vor über 30 Jahren hat der Rupperswiler Maître Confiseur René Schwarz auf einem Flohmarkt seine grosse Leidenschaft für Spielzeugküchen entdeckt. Jetzt stellt er seine Sammlung im Dorfmuseum Buchs erstmals aus.

Katja Schlegel
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René Schwarz mit seiner allerersten Spielzeugküche, die er vor über 30 Jahren in Zürich kaufte.Annika Bütschi

René Schwarz mit seiner allerersten Spielzeugküche, die er vor über 30 Jahren in Zürich kaufte.Annika Bütschi

Annika Bütschi

Es ist noch früher Samstagmorgen, als René Schwarz seine grosse Liebe findet.

Er eilt über den Zürcher Bürkliplatz. Die Luft ist kühl, der Himmel blau. Es wird ein schöner Sommertag.

Schwarz muss zur Arbeit, seit ein paar Monaten arbeitet er bei der Confiserie Honold am Rennweg. Auch am Samstag. Zügig marschiert er den Flohmarktständen entlang – und da steht sie. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt er heute, mehr als 30 Jahre später.

Nein, es war keine Frau. Es war eine Spielzeugküche. Gut schuhkartongross, aus Eisen, mit Löwentatzenfüsschen und Kamin.

Mit drei Türchen und drei Kupferpfännchen, mit einem Teekessel. Schwarz lässt sich den Herd reservieren und bedingt sich eine Bedenkfrist aus.

Das Stück aus dem Jahr 1890 kostet doppelt so viel, wie er im Monat verdient, 3500 Franken. Aber er muss es haben.

Das Handwerk; die feine Bearbeitung, die detailreiche Gestaltung des Materials, das fasziniert Schwarz. Bis heute. «Diese Küche erinnert mich an meinen Arbeitsplatz, meinen Beruf, meine Arbeitsweise.

Sie wurde mit dem gleichen Herzblut geschaffen, wie ich an meinen Produkten arbeite.» Die Küche eine Woche nach der Entdeckung in einer Kartonschachtel nach Hause zu tragen und aufzustellen, sei für ihn wie Weihnachten gewesen.

Es sind aber nicht Handwerk und Sorgfalt allein, die es dem Maître Confiseur angetan haben.

Es ist auch die Ehrfurcht vor dem Objekt als ein Stück Zeitgeschichte: «Mit diesen Küchen spielten Kinder aus herrschaftlichen Häusern.» Eine Zeit auch, in der es in den Küchen keinen Kühlschrank und fliessend Wasser gab.

Heute besitzt Schwarz eine eigene Confiserie in Rupperswil und 25 solcher Kochherde. «Einer pro Jahr, je nach Stand der Finanzen», sagt er und lacht.

Die Stücke kosten ein Heidengeld, ob Kleinwagen oder Küche spiele da keine grosse Rolle. Zu den Küchen dazu sind im Laufe der Jahre Puppenstuben, Krämerläden, Puppen, Kuscheltiere, Schaukelpferde, Baukästen und Kindergrammofone dazugekommen.

Ist es nicht ein bisschen merkwürdig, als erwachsener Mann Spielzeug zu sammeln? Schwarz pariert die Frage mit süffisantem Lächeln: «Spielsachen wecken das Kind im Manne.» Und es sei doch schön in der heutigen Zeit, zwischendurch mit Kinderaugen auf die Welt zu blicken.

Nun stellt Schwarz seine Sammlung zum ersten Mal aus. Unter dem Dach des Dorfmuseums Buchs hat er die Spielsachen arrangiert, manche in Vitrinen, manche offen.

Da steht zum Beispiel eine Puppenwaschküche mit Mangel, Waschbrett und Bügeleisenofen. Oder eine ganze Küche mit Geschirrregalen und Gewürzschränkchen an der Wand, die Schubladen liebevoll mit dem Inhalt beschriftet: Nelken, Pfeffer, Kümmel, Fenchel, Anis.

Schwarz zeigt eine Suppenschüssel mit Zwiebelmuster. Eine seiner neusten Errungenschaften: In der Grösse eines halbierten Apfels, sagenhafte 250 Franken hat er dafür hingeblättert.

«Als Sammler kann man gar nicht anders», sagt er fast entschuldigend, das könne man nicht erklären. Es sei halt eine andere, etwas verrückte Welt. «Aber eine Gute.»

Die Sonderausstellung «Faszination altes Spielzeug» dauert vom 26. August bis Mai 2014. Die Vernissage findet am Sonntag, 25. August, 14 bis 16 Uhr, statt.

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