Demonstration

Ein Liebesbrief, viel Wut, aber keine Gewalt – so verlief die Klima-Demo in Aarau

Mehrere hundert Personen demonstrierten in Aarau für mehr Umweltschutz und Solidarität. Die Massnahmen dürften nicht zu Lasten der Schwächsten gehen, forderten die Jugendlichen.

«Warum seid ihr nicht hier?», möchte Felina wissen, die spontan das Mikrofon ergriffen hat. «Das möchte ich alle fragen, die jetzt Zuhause auf dem Sofa hocken. Es gibt keine Ausrede, nicht an eine Klima-Demo zu gehen.» Man müsse doch zeigen, dass einem die Zukunft etwas bedeute sei, findet die 14-Jährige. «Es ist verdammt wichtig!», ruft sie. Dabei sind es nicht wenige, die in Aarau für mehr Umweltschutz demonstrieren. Die Veranstalter sprachen von 1000 Jugendlichen, Kindern und Erwachsenen, die dem Aufruf gefolgt sind.

Auch Politkerinnen und Politiker, etwa Juso-Präsidentin Tamara Funiciello, SP-Nationalrat Cédric Wermuth oder die Grüne Badener Stadträtin Ruth Müri, mitsamt Familie, laufen mit. Das Wort ergreifen sie nicht, es sind Schülerinnen und Schüler, die das Sagen haben. Mit Poetry Slams, Liedern und Sprechchören heizten sie der Menge ein.

Klimademo Aarau

  

«Ich wollte eigentlich eine Hassrede zum Thema Eigenverantwortung schreiben», sagt Cybel Dickson, «habe mich dann aber entschieden, einen Liebesbrief an die Klimabewegung zu schreiben.» Ganz ohne Wut ging das dann doch nicht: Man halte den Menschen immer vor, sie müssten verantwortungsvoll handeln, dann könne der Klimawandel gestoppt werden. «Natürlich ist es gut, wenn ihr alles tut, was in eurer Möglichkeit steht», erklärt sie. «Aber solange die Reise nach London mit dem Flugzeug 60 und mit dem Zug 300 Franken kostet, reicht das nicht.»

Dickson kritisierte Grossunternehmen, nur schon die 100 schlimmsten von ihnen würden drei Viertel des weltweiten CO2-Ausstosses verursachen. Darunter zu leiden hätten gerade diejenigen, die zur Erwärmung am wenigsten beitrügen: «Ärmere Länder sind besonders betroffen, haben mit Wasserknappheit und Umweltkatastrophen zu kämpfen.» Darum müsse man darauf achten, dass Umweltschutz nicht zulasten der Schwächsten gehe.

Kritisch Worte, keine Gewalt

Auch der zweite Redner, Jonas Meier, sprach Klartext: «Es geht doch nicht, dass wir unseren Kindern und Grosskindern einen verschmutzten Planeten hinterlassen.» Der letzte Hitzesommer sei nur ein lauer Vorgeschmack gewesen, auf das, was noch kommen könnte: «Wir steuern auf einen Punkt zu, an dem so viel Eis geschmolzen ist, dass sich die Erderwärmung nicht mehr stoppen lässt.» Wir befänden uns nicht in einem Klimawandel, sondern in einer Klimakrise, die in einer Klimakatastrophe enden könnte. Ein erster, wichtiger Schritt sei nun, den Klimanotstand auszurufen, damit alle politischen Entscheide auf ihre Auswirkungen für die Umwelt überprüft werden müssten. «Klimanotstand, jetzt sofort!», plädiert die Menge.

Auch wenn die Worte markig waren, und sich die Jugendlichen lautstark über Lobbyisten und Klima-Leugner ausliessen, blieb die Stimmung äusserst friedlich. Ganz nach dem Motto: «Make love, not C02». Auch sonst wollten die Organisatoren mit gutem Beispiel vorangehen und forderten ihre Mitstreiter auf, keinen Abfall liegen zu lassen. Auch die Schilder dürfe man gerne für die nächste Demo abgeben, wenn man sie nicht mehr brauche.

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