Gränichen
Ein Lavendelfussbad hilft den Senioren, wenn sie nicht einschlafen können

Die Spitex Gränichen setzt auf Phytotherapie. Die Erfahrungen mit den komplementärmedizinischen Anwendungen sind ermutigend, sagt Spitexleiterin Maria Brand.

Erika Lüscher
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Spitex-Stellenleiterin Maria Brand vertraut auf den grossen Erfahrungsschatz, der in der Komplementärmedizin steckt. Pascal Meier

Spitex-Stellenleiterin Maria Brand vertraut auf den grossen Erfahrungsschatz, der in der Komplementärmedizin steckt. Pascal Meier

Pascal Meier

Es gehe zwar schneller, den Klienten die verschriebenen Medikamente bereitzustellen, statt einen Wickel oder ein Fussbad herzurichten. Doch die damit verbundene Zuwendung wirke oft mindestens so gut, wie chemische Präparate, sagt Maria Brand, Leiterin der Spitex Gränichen.

Ein Lavendelfussbad, wenn der Schlaf nicht kommen will, ätherische Rosenextrakte in der Palliativ Pflege, Eucalyptus citriodora-Auflagen bei beginnender Blasenentzündung oder Reizblase, Trockeninhalationen mit Ravintsara bei Erkältungen, das sind Phytotherapie-Anwendungen, die in der Spitex Gränichen als Ergänzung und Unterstützung zur Schulmedizin eingesetzt werden.

Bestandteil der Komplementärmedizin

Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Hinter diesen Behandlungsformen steckt alte Erfahrung. Phytotherapie gilt als Bestandteil der Komplementärmedizin, die seit 2010 in die universitäre Ausbildung integriert ist.

Doch die alternativen Therapieformen sind nicht krankenkassenpflichtig. Der Patient beziehungsweise die Patientin zahlen diese Leistungen der Spitex selber, ausser sie verfügen über eine entsprechende Zusatzversicherung. Die Kosten seien aber sehr gering, die benötigten Materialien und Stoffe günstig, und die Therapie könne in die normale Behandlung integriert werden, sagt Spitex-Leiterin Brand.

Anregungen von Bündner Spitex

Angeregt durch einen Bericht in der Spitex-Fachzeitschrift, hatte sie bereits vor zwei Jahren die Idee aufgenommen, die Phytotherapie in die Spitex-Pflege zu integrieren. Zur gleichen Zeit absolvierte Pflegefachfrau Birgit Hofer eine Ausbildung als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Phytotherapie. Dass Birgit Hofer bereit war, ihr Wissen weiterzugeben, gab der Idee zusätzlichen Auftrieb. Zudem erhielt Maria Brand von der Oberengadiner Spitex, die diesbezüglich eine Vorreiterrolle übernahm, wertvolle Anregungen.

«Phytotherapie bedeutet: Behandeln und Vorbeugen von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen durch Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitungen», erklärt Maria Brand. Die Aromatherapie, in der mit ätherischen und fetten Ölen gearbeitet wird, ist ein Teilgebiet der Phytotherapie. Diese werden inhaliert oder äusserlich als Bäder, Wickel, Einreibungen, Kompressen oder Massagen angewendet.

Auch Aromatherapie möglich

«Jede Pflegefachfrau, die Phyto- und Aromapflege in unserer Spitex anwendet, muss an der internen Schulung teilgenommen haben», sagt Brand. Wenn diese bei ihrer Arbeit Situationen vorfindet, wo Aromatherapie hilfreich sein könnte, weise sie die Klienten darauf hin. Sind diese damit einverstanden, werden die Massnahmen mit Birgit Hofer und Maria Brand besprochen. Da chemische und pflanzliche Medikamente eine Wechselwirkung haben können, wird der behandelnde Arzt informiert.

Gerade bei älteren Klienten kämen die Heilpflanzen gut an, hätten sie doch viele positive Erfahrungen mit eigenen «Hausmitteln» gemacht. Erfahrungsgemäss unterstütze eine solche Einstellung den Heilungsprozess, erklärt Spitex-Frau Brand. Vieles lasse sich bei der Pflege mit Routinearbeiten verbinden. Beispielsweise dufte Lavendelöl im Waschwasser für die Intimpflege nicht nur gut, sondern wirke antimikrobiell und beruhige.