Entfelden

Ein kleiner Verein organisiert ein grosses Fest

OK-Präsident Heinz Lüscher mit dem Hauptpreis für den besten Trommler.

Der Tambourenverein Oberentfelden Muhen organisiert am kommenden Wochenende ein Fest für 600 junge Trommler und Pfeifer. So einen Anlass hat es in der Vereinsgeschichte noch nicht gegeben.

Dieses Wochenende trommeln und pfeifen sie die halbe Schweiz zusammen: Rund 600 junge Tambouren und Pfeifer kommen ab Freitag in die beiden Entfelden, um hier am 36. Zentralschweizerischen Jungtambouren- und Jungpfeiferfest ihr Bestes zu zeigen.

Ausgerichtet wird der Anlass vom Tambourenverein Oberentfelden Muhen, kurz T-O-M. Drei Tage mit Wettspielen in verschiedenen Kategorien, grossem Festprogramm und einem Umzug, mit rund 600 Aktiven zwischen 8 und 19 Jahren, 42 Juroren und über 200 Helfern, dazu gut 500 Übernachtungen – kein Wunder, bezeichnet der Verein mit 15 Stammspielern und noch einmal so vielen Jungtrommlern die Organisation dieses Anlasses als «bisher grössten Schritt» seiner Geschichte.

Eine logistische Herausforderung

OK-Präsident ist Heinz Lüscher, Gemeindeammann von Unterentfelden. Er kennt die jährliche Veranstaltung aus eigener Erfahrung; sein Sohn Roman ist Tambour und Ausbilder im hiesigen Tambourenverein.

Seit über einem Jahr arbeiten er und seine Kolleginnen und Kollegen nun auf den Anlass hin. Die Organisation sei eine logistische Herausforderung gewesen, sagt Lüscher. «Alleine für die Wettspiele mussten wir 20 Räume finden, die weit genug auseinander liegen, damit sich die Spielenden gegenseitig nicht stören.»

Dazu kam die Suche nach Unterkünften zum Übernachten, fürs Rechnungsbüro, fürs Einspielen, fürs Sanitätszimmer. Und so wird nun in beiden Gemeindehäusern gepfiffen und getrommelt, dazu in sämtlichen Schul- und Kirchgemeindehäusern, geschlafen wird in den Turnhallen.

Nicht zu vergessen die über 200 Helferinnen und Helfer aus anderen Vereinen sowie die vielen Sponsoren, die sich für die Tambouren ins Zeug legen. «Es ist toll, zu sehen, welchen Rückhalt der Verein in der Region geniesst», sagt Heinz Lüscher.

Einst wurden sie für ihren Eifer belächelt

Für den Tambourenverein Oberentfelden Muhen ist das «Zentralschweizerische» für seinen Nachwuchs mehr als bloss ein jährlicher Anlass. Es ist Motivation und Jahres-Highlight, es ist der Moment, in dem sich zeigt, ob sich die Mühen des Jahres gelohnt haben. Denn Trommeln ist nicht einfach, der Weg zum Stammtrommler mühselig und lang.

«Trommeln sieht einfacher aus, als es ist», sagt Ralph Hasler, Oberentfelder Tambour der ersten Stunde und OK-Vize. «Es zu lernen, ist mühsam und braucht viel Ausdauer.» In der Regel dauert es sechs bis acht Jahre, bis ein Jungtambour zum Stammspieler wird. Die grösste Herausforderung: die Konzentration. Wer aus dem Takt gerät, kann sich nicht verstecken.

Der nötige Biss und die erforderliche Geduld erklären auch, weshalb es sich bei den Tambouren und Pfeifern um eine relativ übersichtliche Gruppe handelt. Die 600 Mädchen und Buben stammen aus den Kantonen Aargau, Bern, Baselland, Basel-Stadt, Freiburg, Luzern, Uri, Nidwalden, Obwalden, Solothurn, Schwyz und Zug.

Aus dem Westaargau entsenden die drei Tambouren-Hochburgen Lenzburg, Erlinsbach und die Lokalmatadoren aus Entfelden ihren Nachwuchs, dazu die Kadettenmusik Aarau.

Bei aller Mühe – sie lohnt sich. Die Begeisterung der Bevölkerung für die Trommler ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. «Früher dachte man bei Tambouren an Marschmusikbegleitung», sagt Lüscher. «Heute bieten Tambouren bestes Entertainment. Das Image hat sich komplett gewandelt.»

Das bestätigt auch Hasler, der 1982 als Schüler der Tambourengruppe der Musikgesellschaften Oberentfelden und Muhen beitrat und 2007 eines der Gründungsmitglieder von T-O-M war. «Damals wurden wir noch belächelt für unseren Ehrgeiz, mehr als blosse Begleitung zu sein», so Hasler. Heute rennen die Leute den Tambouren von T-O-M die Bude ein, wenn sie eines ihrer raren Konzerte geben.

Ein solches Konzert geben T-O-M im Rahmen des «Zentralschweizerischen» am Freitagabend. Am Samstagabend stehen ausserdem die Top Acts der Trommelszene auf der Bühne (Vorverkauf www.entfelden19.ch). Kostenlos zugänglich sind sämtliche Wettspiellokale.

Wer weiss; vielleicht nimmt es am Fest dem einen oder anderen Meitli oder Buben den Ärmel rein. «Wir wünschen uns natürlich, dass wir so weiteren Nachwuchs für die Ausbildung zum Tambour begeistern können», sagt Lüscher. Das nächste Highlight für Jungtambouren und -pfeifer liegt nicht nur zeitlich nah: Im Herbst 2020 findet in Aarau das «Eidgenössische» statt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1