Deutliche Fortschritte bei den Planungsarbeiten für das Aarauer Stadion-Quartier Torfeld Süd: Der Stadtrat hat am Montag nicht nur die «Teiländerung Nutzungsplanung Torfeld Süd»  verabschiedet, sondern gleichzeitig auch den Gestaltungsplan zur öffentlichen Auflage freigegeben. Vom 3. Juni bis zum 2. Juli können alle, die ein schutzwürdiges eigenes Interesse geltend machen können, Einsprachen machen. Also im Wesentlichen die Nachbarn, aber auch Organisationen mit Verbandsbeschwerderecht.

Der Gestaltungsplan ist bereits im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens öffentlich aufgelegen. Seither hat sich die Zahl der Parkplätze, die realisiert werden sollen, verändert. Der Stadtrat hat sie um etwa 10 Prozent gesenkt. Und eine Modifikation gab es auch beim Anteil von gemeinnützigem Wohnungsbau. Dieser liegt weiterhin bei 20 Prozent (etwa 120 Wohnungen), doch werden als Investoren neu neben Genossenschaften (reiner gemeinnütziger Bau) auch die Ortsbürger- und Einwohnergemeinde Aarau (fast gemeinnütziger Bau) genannt.

29 Mio Franken Querfinanzierung

An einer Orientierungsversammlung stellten Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker, Stadtrat Hanspeter Thür und Stadtbaumeister Jan Hlavica Details aus dem Gestaltungsplan vor. Thür nannte Zahlen zu den Hochhäusern und dem Stadion, wie man sie so noch nicht gehört hat. Das Aarauer Stadion kostet etwa 60 Millionen Franken, gleich viel wie die weitgehend ähnliche Arena in Thun (gebaut auch von der HRS). Die öffentliche Hand und Private stellen 31 Millionen Franken zur Verfügung. 29 Millionen Franken werden als Querfinanzierung aus den Hochhäusern benötigt.

Damit die Investorin HRS diesen Betrag leisten kann, wird ihr statt dem Bau einer Bruttogeschossfläche von 55 000 Quadratmetern (basierend auf der heutigen Zonierung AW5) eine Bruttogeschossfläche von 80 000 Quadratmetern ermöglicht. Der Mehrwert wird in Form der Querfinanzierung abgeschöpft. Der HRS ist es nicht möglich, nur die vier Hochhäuser zu bauen. Sie hat sich vertraglich zur gleichzeitigen Errichtung des Stadions verpflichtet.

Aarau: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd

Aarau: Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd

(November 2018)

Investieren Ortsbürger 35 Mio Franken?

Im Rahmen des Gestaltungsplanverfahrens hat die Stadt der Investorin mehrere Zugeständnisse abgerungen. Im Plan, der im letzten August in die Mitwirkung ging, war etwa der Raumbedarf für die Kinderbetreuung (zwei Abteilungen Kindergarten und drei Abteilungen schulergänzende Tagesstrukturen) festgeschrieben. Zudem müssen 450 Quadratmeter für ein Gemeinschaftszentrum freigehalten werden – schliesslich werden im neuen Quartier 1000 bis 1200 Personen wohnen.

Der genaue Wohnungsmix ist noch nicht festgelegt. Klar ist aber, dass 20 Prozent gemeinnützig sein müssen. Das entspricht in etwa dem kleinsten der vier Türme (58 bis 75 Meter hoch). Der Begriff der Gemeinnützigkeit wird leicht abgeschwächt, indem als mögliche Investoren neu auch die Ortsbürger- und Einwohnergemeinde genannt werden. Insbesondere seitens der Ortsbürgergemeinde scheint es ein Interesse zu geben. So wäre etwa denkbar, dass die Ortsbürger die Hälfte des kleinsten, 70 bis 80 Millionen Franken teuren Hochhauses übernehmen.

Noch 650 bis 700 Parkplätze

Bisher war vorgesehen, das Parkplatzangebot auf 70 Prozent der nach kantonalen und kommunalen Vorschriften zulässigen Anzahl Parkplätze zu reduzieren. Neu wird es noch weiter abgesenkt auf 60 Prozent (gleich wie im benachbarten Aeschbachareal). Das heisst: Es gibt rund 80 Parkplätze weniger. 650 bis 700 statt 730 bis 780 (die genaue Anzahl wird im späteren Baubewilligungsverfahren festgelegt). Alle unterirdisch. Von den Parkplätzen gehören 100 dem Stadion (davon aber nur 15 die ganze Woche).

Der Bau des Stadions wird etwa zwei Jahre dauern. Vorstellbar ist etwa, dass in einer ersten Phase zwei Hochhäuser und die Fussballarena errichtet werden. Wird der ganze Stadtteil ohne Unterbruch realisiert, ist mit vier bis fünf Jahren Bauzeit und Investitionen von 400 bis 450 Millionen zu rechnen.

An der Orientierungsversammlung prallten in der Diskussion die üblichen Stadion-Positionen aufeinander. Stadtrat Thür wies darauf hin, dass jetzt der demokratische Prozess in Gang gesetzt wird – mit einer Volksabstimmung am Schluss. «Zu diesem Projekt kann man Ja oder Nein sagen. Der Stadtrat macht nur einen Vorschlag.» Und Stadtpräsident Hilfiker betonte: «Wir haben entschieden, dass das Torfeld Süd der ideale Standort für das Stadion ist.»

Die unendliche Geschichte des Aarauer Stadions: