Taufstein
Ein historischer Taufstein in der Kur

Das 128 Jahre alte Exemplar wird im Auftrag der römisch-katholischen Pfarrei restauriert.

Heinz Fröhlich
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Im Atelier des Bildhauers und Restaurators Josef Ineichen in Rupperswil steht ein mehr als hundert Jahre alter Zeuge aus der Geschichte der römisch-katholischen Pfarrei Aarau. Es handelt sich um einen aus Jurakalk skulpierten Taufstein, der lange Jahre «ausser Betrieb» war und nun wieder einen Ehrenplatz erhalten soll. Der rund 300 Kilogramm schwere Taufstein fristete bisher ein kaum beachtetes Dasein als kirchliche Aussendekoration.

Ursprünglich stand das achteckige Werk in der ersten katholischen Kirche in der Aargauer Kantonshauptstadt, die sich an der Kasinostrasse befand und 1882 gesegnet wurde. Heute erhebt sich dort der östliche Teil des modernen City-Märts mit dem Herren-Globus. Ab 1940 gehörte die neugotische Taufstein-Skulptur zum Inventar des neuen Gotteshauses der Aarauer Katholiken, der Kirche Peter und Paul im einstigen Feergut an der Poststrasse. Am neuen Ort fand der mittlerweile 128 Jahre alte Taufstein einen Platz in der Laube, überdacht zwar, aber doch der Witterung ausgesetzt. Für das Sakrament der Taufe wurde das Objekt nicht mehr benutzt.

Aus zwei Kalksteinarten

Jetzt wird der historische Taufstein einer sorgfältigen Restaurierung unterzogen und kirchlich «reaktiviert». Geformt ist die kräftig modellierte, aber leider nicht signierte Skulptur aus zwei unterschiedlichen Kalksteinarten, die sich auch farblich abheben. In beiden Teilen sind kleine versteinerte Wirbeltiere und Schnecken erkennbar. Für den Fachmann bringt eine solche Auffrischung «einige Probleme», verrät Josef Ineichen. Der Stein ist nämlich wegen zwei dünner, aber langer Risse zersplittert. Zudem sind Ergänzungen nötig. Zwischen dem etwa armbreiten Becken und dem schmaleren Fundament fehle, so Ineichen, ein rund dreissig Zentimeter hoher Schaft. Verschwunden sei aber auch der Deckel des Taufbeckens, der ebenfalls ersetzt werden soll, allerdings ohne figürlichen Schmuck.

Künftig für Freiluft-Taufen

Kunsthandwerklich gesehen ist das Aarauer Taufbecken kein besonders auffälliges Unikat. In der Boswiler Kirche im Freiamt steht ein praktisch identisches Exemplar. Trotzdem dokumentiert der Stein ein greifbares Kapitel in der Aarauer Kirchengeschichte.

Nach der fachmännischen Restaurierung soll der Taufstein gemäss Viktor Schmid, dem Präsidenten der Kirchenpflege, wieder seiner ursprünglichen Nutzung zugeführt werden. Und zwar für «Freiluft-Taufen» ausserhalb der Kirche, die im Trend lägen.