Lenzburg

Ein Familienvater belästigt eine 17-jährige Frau sexuell – 500 Franken Busse

Vor dem Bezirksgericht Lenzburg musste der Familienvater sich für seine Tat verantworten.

Vor dem Bezirksgericht Lenzburg musste der Familienvater sich für seine Tat verantworten.

Er habe nicht viel nachgedacht und ein paar Bier zuviel intus gehabt, so der Familienvater vor dem Lenzburger Bezirksgericht. Dass das Mädchen minderjährig ist, wusste er nicht.

Er ist Mitte 40, verheirateter Familienvater und arbeitet als Spezialist auf dem Bau. Jetzt wurde der Simon (alle Namen geändert) vor dem Bezirks­gericht Lenzburg zu einer Busse von 500 Franken verurteilt. Dies, weil der Schweizer bei einem kleinen Bahnhof in der Region nicht nur öffentlich urinierte, sondern zusätzlich auch noch eine damals 17-Jährige Frau verbal belästigte. Sein Problem: Die Belästigung wurde aufgezeichnet. Aline war gerade dabei, eine Sprachnachricht für eine Freundin aufzunehmen.

Die junge Frau kam um 18.38 Uhr mit dem Zug am Bahnhof an. Von da aus wollte sie mit ihrem Motorrad weiter, das sich bei den Veloständern befand. Da sah sie Simon, der neben dem Veloständer in die Wiese urinierte. Aline drehte sich weg und ignorierte den Mann. Daraufhin sprach Simon die Klägerin an. «Sorry gell», sagte er und fügte dann, wie in der Anklageschrift zitiert wird, an: «Jetzt gsesch emol en richtig grosse Schwanz.»

Ob er daran gedacht habe, was es bei einer jungen Frau auslösen könne, wenn er sich vor ihr entblösse, wollte Gerichtspräsident Daniel Aeschbach vom Angeklagten wissen. «Ich habe zu diesem Zeitpunkt nicht viel überlegt», sagte Simon. «Ich war im Suff und hatte wahrscheinlich ein Bier zu viel.» Drei bis vier Biere werden es gewesen sein, so der Angeklagte.

Die seltsamen Erklärungen des Verteidigers

Simon hat sich Anfang des Jahres freiwillig in einen Entzug begeben und ist seither trocken gemäss seinen Aussagen. Er habe nicht gesehen, dass Aline noch minderjährig sei. «Ich habe sie nur gehört», sagt er.

Die Staatsanwältin forderte eine Verurteilung wegen sexueller Belästigung. Simons Anwalt plädierte derweil auf einen Freispruch. Bei dem Bahnhof handle es sich um einen öffentlichen Platz und nicht etwa um ein geschlossenes Gebäude, argumentierte er: «Es war zumutbar, dass sich die Klägerin der Belästigung entzieht.» Zudem sei Aline auf die Aufnahme der Sprachnachricht konzentriert gewesen. Auch Simons Aussage sei nicht ansatzweise dazu geeignet, als sexuelle Belästigung zu gelten.

Daniel Aeschbach liess diese Argumentation nicht gelten. Er sprach Simon der sexuellen Belästigung schuldig. Neben der Busse muss er die Hälfte der Verfahrens- und Anwaltskosten tragen. «Die Moral von der Geschichte ist, dass es doch auf die Grösse ankommt. Die Ironie an der Sache ist, dass es sich dabei um Ihr loses Mundwerk handelt», sagte der Gerichtspräsident zum Angeklagten.

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