Die eine Vorgängerin verlotterte, weil das Geld in Gerichtsprozesse statt in Renovationen gesteckt wurde, die andere brannte bis auf die Grundmauern nieder und die letzte war zu klein und musste einer grösseren Platz machen. Die reformierte Kirche, die jetzt im Dorf steht, tut dies seit genau 150 Jahren. Und mehr als Sturm Lothar und eine abgestürzte Kirchturmspitze haben ihre Bilanz noch nicht getrübt. Ein Grund zu feiern, dieses Jubiläum. Und ein Grund, einen Blick auf die Geschichte der Kirche zu werfen.

Was die ersten Jahrhunderte anbelangt, tappt man im Halbdunkel. Wann die allererste Kirche gebaut wurde, ist nicht bekannt. Vermutet wird, dass diese irgendwann nach der ersten urkundlichen Erwähnung von «Endiveld» im Jahr 965 entstand. Bis dahin waren die wenigen Oberentfelder in die Suhrer Kirche gestapft, die Urpfarrei, die nebst Oberentfelden auch Aarau, Unterentfelden, Buchs, Rohr, Rupperswil, Hunzenschwil, Untermuhen und Gränichen umfasste. Das Einzugsgebiet der ersten Kirche beschränkte sich nur auf den nördlichen Dorfteil und damit auf ein paar wenige Häuser.

1537 schlossen sich auch die Häuser des südlichen Dorfteils und – zumindest für ein paar Jahre – die Unterentfelder der Kleinpfarrei an. Damit begannen die Streitereien mit den damaligen Besitzern der Kirche, den Herren von Hallwil. Die Entfelder waren der Ansicht, die Herren von Hallwil hätten für die Unterhaltskosten aufzukommen. Diese wiederum weigerten sich mit der Begründung, man habe ihnen mehrere Zehnterechte (Steuerrechte) weggenommen. Doch es kam erst einmal anders.

Alles Wertvolle frass das Feuer

Am Nachmittag des 10. August 1601 brach ein Brand aus und legte das halbe Dorf, die Kirche, das Pfarrhaus und die Scheune in Schutt und Asche. Dabei wurden nicht nur Vorräte vernichtet, es verbrannten auch die alten Schriften, Tauf- und Chorgerichtsrodel und Bücher. All die wertvollen Schriftstücke hatte man aus Sicherheitsgründen in der Kirche aufbewahrt. Das erste erhaltene Kirchbuch Oberentfeldens beginnt deshalb erst Ende August 1601. Nur wenige Monate nach dem Dorfbrand wurde die neue Kirche eingeweiht; man nimmt deshalb an, dass für den Neubau grosse Teile der niedergebrannten Kirche verwendet wurden.

Dem Neubau sollte es aber nicht viel besser ergehen: Der 1537 entfachte Steuerstreit und die Frage, wer für den Unterhalt der Kirche zuständig sei, hielt über 200 Jahre lang an. Die Parteien gaben haufenweise Geld für Prozesse aus – nicht aber für den Unterhalt der Kirche. Und so verlotterte die Kirche dermassen, dass die Kirchgemeinde 1757 bei den Herrschaften von Bern vorstellig wurde, um den Einsturz der Kirche zu verhindern. Die Berner entschieden, dass die Herren von Hallwil die Baukosten für den Chor und die Kirchgemeinde die restlichen Baukosten zu übernehmen hätten. Ausserdem übernahmen die Berner fast ein Drittel der Baukosten.

Es wurde eng in den Bänken

Mitte des 19. Jahrhunderts war das Dorf deutlich gewachsen und in der Kirche wurde es eng. 1857 beschloss der Gemeinderat, mit den bisher für das Armenwesen verwendeten Kirchensteuern den Fonds für eine Kirche zu füttern. Dieser Fonds belief sich zum Schluss auf knapp 30 000 Franken. Was nach wenig Geld klingt, war ein ganz gehöriger Batzen. Jeder zweite Oberentfelder verdiente keine 500 Franken im Jahr.

Architekt des neuromanischen Bauwerks war der Zürcher Ferdinand Stadler, der auch die Lengnauer Synagoge entworfen hat. An den Chor angebaut ist der 41 Meter hohe Kirchturm. Darin befinden sich heute fünf Glocken, die 1932 gegossen wurden. Die grösste hat einen Durchmesser von gut eineinhalb Metern und wiegt 2,4 Tonnen. 1934 wurde das Kirchgemeindehaus gebaut und 1960 um einige Räume erweitert. Im gleichen Jahr wurde das alte Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert abgebrochen und durch das heutige Haus ersetzt. Die Orgel wurde 1965 bei der Renovation der Kirche installiert und 1968 wurde das zweite Pfarrhaus gebaut. Die Oberentfelder Kirche gilt als ein Hauptwerk reformierter Kirchenarchitektur und steht seit 1966 unter Denkmalschutz.

Fast 400 Jahre nach dem verheerenden Feuer richtete wieder eine Naturgewalt grossen Schaden an: Sturm «Lothar». Die anstehenden Sanierungen und Renovationen wurden wegen der Reparaturarbeiten vorgezogen. Und 2013 machte die Kirche national Schlagzeilen, als die Kirchturmspitze mitsamt vergoldetem Güggel abbrach. Schlagzeilen, auf die die Kirchgemeinde damals gut und gerne verzichtet hätte – die man heute aber mit Humor nehmen kann. Nicht umsonst hat die Kirchgemeinde die neue Kirchturmspitze mit einem grossen Güggeli-Essen gefeiert.

Quelle: Die Ortsgeschichte von Oberentfelden, Alfred Lüthi, 1997