Densbüren
Ein Dorf verliert gleich zwei Traditionsbeizen

Das «Bärestübli» schliesst Ende Monat. Die «Riders Bar» bleibt nur noch ein Jahr offen. Die Wirte beider Betriebe gehen in Pension – Nachfolger sind keine in Sicht.

Henrik Furrer
Drucken
Teilen
Die «Bärestübli»-Wirtefamilie Friedli: (v.l.) Michelle, Thomas, Annemarie und Franz. Das Bild entstand vor vier Jahren im Rahmen einer az-Reportage über die Beizendichte in Densbüren – die höchste im Kanton. az-Archiv/Emanuel Freudiger

Die «Bärestübli»-Wirtefamilie Friedli: (v.l.) Michelle, Thomas, Annemarie und Franz. Das Bild entstand vor vier Jahren im Rahmen einer az-Reportage über die Beizendichte in Densbüren – die höchste im Kanton. az-Archiv/Emanuel Freudiger

Emanuel Freudiger

Mit einem Restaurant pro 140 Einwohner weist Densbüren die wohl höchste Beizendichte im Kanton auf. Zum Vergleich: Der landesweite Schnitt liegt bei rund 2,5 Restaurants pro 1000 Einwohner. Dieser Rekordwert gehört jedoch bald der Vergangenheit an, denn nun greift das Beizensterben auch in «Deischpere» um sich: Das «Bärestübli» schliesst übermorgen Freitag, und die «Riders Bar» macht in einem Jahr dicht.

Das Wirte-Ehepaar Friedli vom «Bärestübli» geht nach 13 Jahren Beizerleben in den wohlverdienten Ruhestand. «Mein Mann ist mittlerweile 70 Jahre alt und auch ich habe das Pensionsalter erreicht», erzählt Annemarie Friedli. Der Zeitpunkt, um aufzuhören, sei nun gekommen. «Es trifft sich wunderbar. Unsere Mitarbeiterin ist schwanger und wollte sowieso aufhören, also mussten wir niemanden entlassen.»

Im selben Gebäude wie das «Bärestübli» befindet sich die «Riders Bar». Pächter Robert Zuber wollte eigentlich gleichzeitig mit den Friedlis aufhören, aber der 62-Jährige bleibt nun doch noch ein Jahr. «Die Gäste haben gestürmt, weil sie nicht wollten, dass ich zumache», so Zuber. «Jetzt mache ich noch ein Jahr weiter, danach ist aber definitiv Schluss. Zehn Jahre sind genug, denn das Beizerleben zehrt schon an den Nerven.»

Ob das «Bärestübli» und die «Riders Bar» künftig weiterbetrieben werden, steht noch in den Sternen. Momentan sind keinen Nachfolger in Sicht. «Der Hausbesitzer weiss bereits seit einem halben Jahr, dass wir aufhören», sagt Annemarie Friedli. «Bisher sind aber noch keine Interessenten vorbeigekommen.» Diese Schwierigkeiten beim Finden von Nachfolgern passt zur aktuellen Entwicklung der Aargauer Beizenlandschaft. «Speziell in ländlichen Gebieten gehen immer mehr Beizen zu», sagt der Präsident von Gastro Aargau, Bruno Lustenberger. «Vor allem Familienbetriebe haben akute Nachfolgerprobleme.»

Mietzins ist nicht das Problem

Dass gleich beide Beizen im Gebäude schliessen wollen, hat in Densbüren für Gesprächsstoff gesorgt. In der Bevölkerung wurde gemunkelt, dass der Hausbesitzer, ein vermögender Russe, die Mietzinsen dermassen in die Höhe getrieben und die Weiterführung des Beizenbetriebs damit verunmöglicht habe. «Das stimmt überhaupt nicht», sagt Friedli. «In den 13 Jahren, die wir hier sind, gab es nie eine Mietzinserhöhung.» Dann fügt sie lachend an: «Hier im Dorf wird halt viel geredet.»

Aktuelle Nachrichten