Als Aarau im November 1971 eine der grössten Zivilschutzanlagen im Kanton erhielt, wurde das mit keinem Wort erwähnt. Wohl schwärmte der Reporter im Aargauer Tagblatt davon, dass die von chronischer Parkplatz-Not geplagten Aarauer mit der neuen Sammelgarage ein Weihnachtsgeschenk bekommen hätten, und dass schon die ersten Autofahrer durch die «schmucke Anlage» kurvten, als die geladenen Gästen noch beim Frühschoppen sassen, sodass bis zum Ende des Tages bereits knapp 1000 Autos gezählt worden seien. Davon, dass ebendiese Garage gleichzeitig im Katastrophenfall als Schutzraum für 3160 Aarauer dienen könnte, stand kein Wort.

Gut möglich, dass der Kalte Krieg die Redaktoren Zurückhaltung üben liess. Auch bei der Berichterstattung über die Einwohnergemeindeversammlung (die drittletzte vor Einführung des Einwohnerrats) im Juni 1969, war der «Sammelschutzraum» nur eine Klammerbemerkung wert. Damals wurde der Kredit von rund 5,03 Millionen Franken für die Kombination Sammelgarage/Sammelschutzraum bewilligt. Und selbst während der Bauzeit machten Nebenschauplätze die grösseren Schlagzeilen als der Bau selbst: zum Beispiel die gefrässigen Tauben, die die Knospen der Blumen im Kasinopark wegpickten, der Fund eines Sodbrunnens oder der Abbruch des adretten Aborthäuschens aus dem Jahr 1914.

Ausführlichere Informationen liefert der Bericht des Gemeinderates (heute Stadtrat), der im Vorfeld dieser Kredit-Abstimmung im Juni 1969 erschienen ist: So sollten 3160 Personen auf den beiden Geschossen der Garage Platz finden. Im dritten, schmaleren Untergeschoss waren Installationen wie Öl- und Wasserreserven, Wasseraufbereitung und Notstromaggregate untergebracht. Dazu kamen zwei Kommandoposten, ein Sanitätsposten mit 28 Liegestellen, eine Küche und ein Lebensmittelmagazin.

Notration selber bringen

Der Schutzraum habe primär die Funktion, die in der Altstadt wirkungslosen privaten Einzelschutzräume zu ersetzen, schrieb der Gemeinderat. Das für einen zweiwöchigen Aufenthalt – und auch da nur mit dem «absolut Lebensnotwendigsten», so der Gemeinderat. Er war der Meinung, dass die vorwiegend aus der Altstadt stammenden Benützer «ihre persönlichen Effekten, einschliesslich Notration, Wolldecken und womöglich Schlafunterlagen selber mitbringen». Einzig für Mütter mit Kleinkindern und Gebrechliche sollen «zusätzliche Vorkehrungen getroffen und Schaumgummimatratzen bereitgestellt werden». Ob das, was auf dem Papier so einfach aussieht, auch im Ernstfall geklappt hätte?

Die Aarauer können wohl von Glück reden, dass dieser nie eingetreten ist. Die Zivilschutzanlage stand übrigens bis vor ein paar Jahren für den Katastrophenfall bereit, mit allem, was dazu gehört. Erst 2011 stellte die Stadt Aarau das Aufhebungsgesuch an die Sektion Militär und Bevölkerungsschutz des Departements Gesundheit und Soziales. Als Gründe wurden die Verwendung eines Teils der technischen Räume für die neue Heizzentrale der Eniwa AG (damals IBA) sowie die hohen jährlichen Unterhaltskosten angegeben. Laut Sektionsleiter Guido Beljean wurde die Bewilligung 2011 erteilt. Geräumt wurde die Anlage 2013.