Bezirksgericht Aarau

Ein bisschen Gnade für einen Hooligan – er zündete eine Pyro-Fackel in einer Menschenmenge

Vermummt zündete der Angeklagte eine Fackel. (Symbolbild)

Vermummt zündete der Angeklagte eine Fackel. (Symbolbild)

Ein Neuenburger übertrieb es vor dem Barrage-Rückspiel im Aarau mit seiner Vorfreude. Das Gericht verurteilte ihn nun. Zu schaffen macht ihm ein Stadionverbot.

Für Aarau war der 2. Juni 2019 trotz Prachtwetter ein schwarzer Tag: Der FCA verpasste im Barrage-Rückspiel gegen Neuchâtel Xamax den Aufstieg in die Super League, obwohl man ihn nach dem sensationellen 4:0-Sieg im Hinspiel schon fast in der Tasche zu haben glaubte. Für Louis (Name geändert) war das hingegen ein Freudentag: Der Fussballfan war trotz den schlechten Vorzeichen aus einem Neuenburger Vorort nach Aarau gereist, um seinem Team beizustehen.

Doch Louis übertrieb es mit der Fan-Freude. Der Mittzwanziger – in der Lebensmittelbranche tätig, nicht vorbestraft – war mit dem Fan-Bus aus dem Welschen angereist. An der Entfelderstrasse hielt der Car, liess die Fans aussteigen. Zu Fuss ist es von hier aus nicht weit bis ins Brügglifeld. Und doch weit genug, um Unfug zu machen: Kaum ausgestiegen, zog sich Louis eine schwarz-rote Sturmhaube über und zündete eine Pyro-Fackel. Inmitten der Menschenmenge habe er sie herumgeschwenkt, schreibt die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau im Strafbefehl.

Sie verurteilte Louis wegen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz und Widerhandlung gegen das Polizeigesetz – respektive das Vermummungsverbot – zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 110 Franken (Total 9900) und einer Busse von 3000 Franken.

«Die einjährige Stadionsperre ist schlimm»

Vor Gericht bestätigt Louis den Sachverhalt. Er ist ohne Anwalt da und wirkt nicht bedrohlich, eher etwas unreif. Als ihn Gerichtspräsidentin Karin von der Weid fragt, wieso er sich vermummt habe, grinst Louis verlegen – «um nicht gefasst zu werden», sagt er auf Französisch. Den Pyro habe er «pour l’ambiance du match» gezündet, für die Stimmung halt. Aber er bereue es und wisse nicht, was er sich dabei überlegt habe.

Die von der Staatsanwaltschaft verhängte Busse, so Louis, finde er dennoch völlig unverhältnismässig. Er sei schliesslich schon genug gestraft: Ein Jahr lang hat er Stadion-Sperre, «und zwar für Fussball und für Eishockey». Das sei schlimm für ihn, weil die Spiele jeweils Treffpunkt für seinen ganzen Freundeskreis seien. Ob er seine Lehren daraus gezogen habe, will die Gerichtspräsidentin wissen. «Bien sûr», bekräftigt Louis und nickt.

Weil Louis geständig ist und weil es das erste Mal war, dass er sich etwas zuschulden hat kommen lassen, kam ihm die Gerichtspräsidentin ein wenig entgegen: Sie reduzierte die bedingte Geldstrafe auf 40 Tagessätze zu 140 Franken (total 5600 Franken) und die Busse auf 2000 Franken. Hinzu kommen die Verfahrenskosten und seine eigenen Auslagen in noch unbekannter Höhe.

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