In der Migros an der Metzgergasse in Suhr gibt es fast alles zu kaufen, was man fürs Leben braucht. Aber eben nur fast. Hagos Yohannes, ein junger Eritreer, bietet seit Anfang Jahr gleich vis-à-vis das an, was Eritreer in der Schweiz vermissen: spezielles Mehl, diese Pfeffersorte, welche sie gewohnt sind, den äthiopischen Kaffee, der ihnen fehlt, und dann diese Holzstückchen. «Geso», heisse der Baum, sagt Yohannes. Zusammen mit Honig lässt sich daraus ein Getränk herstellen.

Yohannes ist Christ – ein Risiko in seinem Heimatland. Viele Eritreer desertieren auch vor dem Militärdienst für das repressive Regime. Vor vier Jahren ist er geflüchtet und konnte in der Schweiz bleiben. Zuerst hat er in der Pflege in einem Altersheim in Baden gearbeitet, jetzt will er es mit diesem kleinen Laden versuchen.

Geschäft für die eritreische Gemeinschaft

Mit den Flüchtlingen wächst die eritreische Gemeinschaft auch in Suhr. Yohannes hofft, dass bald mehr Kunden in seine zum Laden umfunktionierte Wohnung kommen. Noch läuft das Geschäft harzig. Er hat es von einem Landsmann übernommen, der es vor einigen Monaten gegründet hat.

Yohannes’ Bruder half ihm mit dem Administrativen und dem Eintrag im Handelsregister. «Er kennt sich aus», sagt Yohannes, «er ist schon viel länger in der Schweiz als ich.» Bestellen tut er via Importeure in Zürich oder Frankfurt.

Neben ihm läuft auf dem Computer eine eritreische Serie. Auch solches kann man bei ihm kaufen: Heimwehartikel wie Musik-CDs, Hefte, Bücher und ein Lexikon «Deutsch - Tigrigna». Tigrigna ist die Sprache in Nordäthiopien.

In den Regalen liegen auch Perücken, Lockenwickler, Töpfchen mit Cremen. An Stangen hängen festliche, glitzernde Kleider. Eines ist hellblau, mit Goldfäden durchwoben: ein Hochzeitskleid. Und was ist mit diesen geflochtenen Körben mit zwiebelförmigem Deckel?

Yohannes verschwindet durch eine Tür und bringt dann eine Art Crêpe zum Probieren: «Diese legen wir in solche Körbe, damit sich alle daraus bedienen können», erklärt er.