Aarau
Ein alter Blumentopf wird von der Dekoration wieder zum Taufstein

Am Sonntag, 8. September, wird bei der Kirche Peter und Paul in Aarau ein 131-jähriger Taufstein eingeweiht. Während vielen Jahren diente er als Blumentopf. Die Kirchenpflege liess sich Restauration über 20'000 Franken kosten.

Isabelle Schwab
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Josef Ineichen, Bildhauer und Restaurateur, vor dem Becken des Taufsteins und dem Deckelprototypen.

Josef Ineichen, Bildhauer und Restaurateur, vor dem Becken des Taufsteins und dem Deckelprototypen.

Isabelle Schwab

Der aus Jurakalk bestehende Taufstein stand bereits bei der Segnung der gotischen Kirche im Jahre 1882. Fast 60 Jahre später wurde die heutige Kirche Peter und Paul als Ersatz für das Gotteshaus an der Kasinostrasse gebaut. Dort wurde der Taufstein für lange Zeit zur Aussendekoration. Der fast 300 Kilogramm schwere Stein stand seit 1940 unter der Laube zwischen Kirche und Pfarrei. Dort war er von einem Vordach vor schweren Wetterschäden geschützt. Dennoch litt er unter Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen, die in der Zeit bis zur Wiederinstandsetzung etliche Schäden verursachten.

Seit neun Jahren steht der Taufstein nun im Atelier des Bildhauers und Restaurateurs Josef Ineichen. «Als ich den Taufstein damals vom Vorplatz der Pfarrei abgeholt habe, war er noch mit Humus gefüllt». Er sei wohl zwischenzeitlich als Blumentopf verwendet worden, lacht Ineichen. Nachdem er den Stein bei sich in der Werkstatt hatte, gab es aber einige Schwierigkeiten mit der Kirchenpflege.

«Zuerst hatte die Kirchgemeinde kein Geld, dann wechselten die Mitglieder», erklärt Ineichen. Auch die Ausführung der Restauration gab Grund zur Diskussion. «Es gab immer wieder Personen, die das verloren gegangene Verbindungsstück zwischen Sockel und Becken aus Kostengründen nicht ersetzen wollten», sagt Ineichen. Schliesslich ging der Taufstein bei ihm vergessen. Vor einem knappen Jahr habe die Kirchenpflege erneut Kontakt aufgenommen. Die Kirche will den Taufstein nun für Freilufttaufen unter der Überdachung im Innenhof der Kirche verwenden. Erneut habe die Planungsphase begonnen. «Jetzt habe ich den Taufstein innerhalb von zwei Monaten fertiggestellt.» Am Sonntag werde er pünktlich zum Erntedankfest eingeweiht.

Wie neu wird der Taufstein am Sonntag nicht aussehen. Einige Alters- und Witterungsschäden hat Ineichen bewusst am Stein belassen. Dafür gäbe einen einfachen Grund: «Man soll doch sehen, dass der Taufstein aus einem alten Material besteht.» Die Salzlöcher am Sockel seien zum Beispiel ganz typisch für diese Gesteinsart, sagt Ineichen und kleine Altersschäden natürlich. «Man sagt, sobald ein Stein aus dem Berg kommt, fängt er an zu sterben.»

Der Taufstein habe aber auch andere, grössere Schäden gehabt, die der Restaurateur behoben hat. «Zum Beispiel entstanden durch quellende Toneinlagerungen lange Risse im Stein.» Wegen diesen lief der Stein in Gefahr, zu zerbrechen. «Das Becken und der Sockel werden nun durch eine Metallkonstruktion unterstützt», erklärt Ineichen und weist auf einen Metallring im Innenraum.

Auch der Deckel für das Becken wird aus Metall gefertigt. Einer der letzten Metalldrücker der Schweiz, Alexander Sigerist, fertigt ihn nach einem Entwurf von Ineichen. «Für den Aussenbereich ist der verchromte Deckel ideal», so Ineichen. «Und durch die Rundung werden keine Bierflaschen darauf abgestellt.»

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