Aarau

Eidgenössischen Volksmusikfest: 60 Sanitäter für alle Fälle

OK-Mitglied Hansruedi Helbling: «Ein Gedränge wie am Maienzugvorabend erwarte ich nicht.»

OK-Mitglied Hansruedi Helbling: «Ein Gedränge wie am Maienzugvorabend erwarte ich nicht.»

Hansruedi Helbling war bis zu seiner Pensionierung Polizist bei der Kapo. Nun ist er verantwortlich für ein ausgeklügeltes Sicherheitsdispositiv für die 100'000 Besucher am Eidgenössischen Volksmusikfest.

Sicherheit wird am Eidgenössischen Volksmusikfest vom 10. bis 13. September grossgeschrieben, auch wenn Sicherheitschef Hansruedi Helbling nicht mit einem gröberen Zwischenfall rechnet. Er beruft sich auf die Erfahrungen, die man unter anderem am «Eidgenössischen» in Chur vor vier Jahren gemacht hat: Da kam es zu keinem Ernsteinsatz. «Dennoch bereiten wir uns selbstverständlich auf alles Erdenkliche vor», sagt Helbling.

Denn das Eidgenössische Volksmusikfest ist ein Grossanlass: Es werden nicht nur 1500 Musikantinnen und Musikanten erwartet, sondern über das ganze Fest verteilt 100 000 Festbesucher.

Und, es wird nicht nur Musik konsumiert, sondern auch Alkohol. Da kann es durchaus zu unliebsamen Zwischenfällen kommen. So tragisch wie am Eidgenössischen Schwingfest 2007 in Aarau, als ein Schwinger nach einem Schwächeanfall einen Herzstillstand erlitt und starb, muss es ja nicht ausgehen.

Doch nachdem der Stadtrat Live-Musik am Maienzug-Vorabend in der Altstadt verboten hat, weil das Gedränge in den Gassen zu gross geworden war und man für die Sicherheit nicht mehr garantieren konnte, ist man sensibilisiert.

Kein Gedränge wie am Maienzug

65 Festbeizen und Stände werden am Volksmusikfest dafür sorgen, dass niemand durstig und hungrig bleibt. Ist also nicht ein noch grösseres Gedränge zu erwarten als am Maienzug-Vorabend?

«Die Besucher verteilen sich über die vier Festtage auf die ganze Altstadt und den Graben», sagt Helbling, «zu Ballungen wie jeweils an den Vorabendveranstaltungen dürfte es kaum kommen.»

Beim Auf- und Abbau der Infrastruktur bekommt das OK Unterstützung vom Zivilschutz (ZSO). Das Bundesamt für Zivilschutz hat im «Rahmen eines Einsatzes zugunsten der Gemeinschaft», wie es das Bundesgesetz ermöglicht, 1100 Diensttage bewilligt.

Während des Festes sind die ZSO-Angehörigen auch beim Verkehrsdienst und bei der Zuweisung von Parkplätzen im Schachen behilflich. «Wir hoffen, dass 80 Prozent der Festbesucher mit Zug und Bus anreisen», sagt Helbling. Im Preis der Festplakette sind An- und Rückreise in den Tarifverbundgebieten A-Welle und Tarifverbund Nordwestschweiz inbegriffen.

Der Samariterverein Aargau West und der Militärsanitätsverein Aarau stellen rund 90 Leute. Sie halten den Samariterposten im unteren Rathaus rund um die Uhr besetzt und patrouillieren, ausgerüstet mit Ersthilfe-Material, durchs Festgelände sowie am Umzug. Die Samariter haben zudem ein eigenes Ambulanzfahrzeug einsatzbereit.

Ein privater Sicherheitsdienst steht mit 60 Leuten bereit. Sie sind für den Plakettenverkauf zuständig, markieren darüber hinaus im Festgelände mit Patrouillen Präsenz und melden negative Vorkommnisse der Polizei.

Bei Pöbeleien wäre die Stadtpolizei zuständig, bei Delikten wie Diebstahl die Kantonspolizei. Die Festbesucher werden im Festgelände auch Feuerwehrleuten begegnen, die mit den nötigen Gerätschaften ausgerüstet sind, um zum Beispiel bei einem Grillbrand eingreifen und Schlimmeres verhindern zu können.

Was die Brandgefahr betrifft, hat die Stadt vorgesorgt: Wer bei Stadtfesten einen Gasgrill betreibt, muss einen Kurs absolvieren. «Diese bringen etwas», sagt Helbling, «von Kursteilnehmern habe ich nur Positives gehört.»

Die Teilnehmer hätten auch für ihre privaten Grilleinsätze profitiert. Dass die Gewerbepolizei alle Festbeizen vorgängig inspiziert, versteht sich von selbst.

Korridor für die Ambulanz

Damit die Blaulichtorganisationen, Feuerwehr, Ambulanz und Polizei, im Ernstfall den Weg durch die Stadt finden, wird zwischen den Konzertplätzen und Festbeizen ein Korridor von mindestens drei Metern freigehalten.

«Sicher ist sicher. Wir sind gut vorbereitet», sagt Helbling. Und für jene Musikanten, die ihre Instrumente vermissen, ist ein Fundbüro eingerichtet, im Tourismus büro aarau.info in der Metzgergasse.

Hansruedi Helbling war bis zur Pensionierung vor zwei Jahren Polizist bei der Kapo Aargau. Sein Sicherheitsdispositiv, den Einsatzplan für die diversen Dienste und das Notfallkonzept hat er mit Stadt- und Kantonspolizei abgesprochen und von diesen prüfen lassen.

Es ist also vorgesorgt. Kann sich Hansruedi Helbling am Fest gemütlich der Volksmusik hingeben? «Das hoffe ich doch sehr, mit dem Handy ist man ja immer und überall erreichbar.»

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