Aarau
Ehrgeizige Energiepolitik: Jetzt muss die Stadt Aarau «B» sagen

Der Aarauer Stadtrat hat nach der Esak-Abstimmung von 2012 nun einen Massnahmenplan ausgearbeitet. Sechs Jahre bleiben noch bis zum ersten Zwischenziel 2020.

Sabine Kuster
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Ehrgeizige Energiepolitik: Jetzt muss die Stadt Aarau «B» sagen
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Endenergie-Verbrauch 2010.
Absenkungspfad.

Ehrgeizige Energiepolitik: Jetzt muss die Stadt Aarau «B» sagen

AZ-Archiv

Hoffentlich ist die Zahl der an dem Informationsabend anwesenden Aarauer nicht repräsentativ für das aktuelle Interesse der Stadt bezüglich Energiepolitik. Vielleicht zwanzig Personen sassen im Saal der Spaghetti Factory, als der Stadtrat am Dienstag den Massnahmenplan zur Umsetzung der städtischen Energieziele präsentierte.

Im Jahr 2012 hatte die Bevölkerung mit einem Ja-Anteil von 60% dem Gegenvorschlag der Stadt zu «Energiestadt Aarau konkret» (Esak) zugestimmt. Die Ziele: Bis ins Jahr 2150 soll Aarau eine 2000-Watt-Gesellschaft sein. Das letzte kamen die Schweizer 1960 mit so wenig Energie aus, heute liegt der Verbrauch durchschnittlich bei 6300 Watt. Bis 2150 soll sich auch der CO2-Ausstoss von heute 8,6 Tonnen pro Kopf und Jahr auf 1 Tonne senken.

Das erste Zwischenziel auf dem Absenkpfad ist im Jahr 2020. Also bald. Bis dahin soll der Primär-Energieverbrauch um 15 Prozent sinken. In den letzten zwei Jahren musste die Stadt erst mal festlegen, was demnach die Ausgangsposition mit 100% ist. Startjahr ist 2010.

Benzinverbrauch schwierig zu senken

Der grösste Anteil am Kuchen macht die Elektrizität aus (siehe Grafik in Bildergalerie). Würde man mit einbeziehen, dass für die Herstellung des Atomstroms ebenfalls relativ viel Energie benötigt wird (=Primärenergie), wäre der Anteil im Vergleich mit z.B. Erdgas noch grösser.

Doch das ist keine schlechte Nachricht, denn die Stadt kann fast nur über den Strom und die Heizungen den Energieverbrauch reduzieren. Der Verbrauch von Diesel und Benzin (zusammen 19%) kann die Stadt nicht beeinflussen, da die Autofahrer auch ausserhalb der Stadt tanken können.

Eine ökologischere Mobilität wird aber auch sonst nicht viel mehr gefördert, als dies bisher schon der Fall ist mit Parkleitsystem, Tempo-30-Zonen, Veloparking Süd, Hybridbus-Flotte etc.. Die neuen Massnahmen beschränken sich auf ein Konzept zur Bereitstellung einer Elektrofahrzeug-Infrastruktur, ein Pilot-Areal mit autofreiem Wohnen und einer Umlenkung des Verkehrs auf den öV bei stark genutzten Gebäuden.

Anreize für Gebäudesanierungen

Hauptsächlich ansetzen will der Stadtrat beim Energieverbrauch der privaten Gebäuden, der Energieversorgung und der Vorbildfunktion der städtischen Bauten. Letztere machen im Gesamtverbrauch der Stadt zwar nur 2 Prozent aus, doch sie sollen zum Nachmachen animieren. Momentan sinkt die Sanierungsrate der alten Gebäude in Aarau nämlich wieder. Auch IBAara-CEO Hans-Kaspar Scherrer berichtet, im Bereich der Energieberatung, welche die IBAarau anbietet, sei «tote Hose», obwohl die ersten zwei Beratungs-Stunden gratis sind.

80 Prozent aller Häuser in Aarau wurden laut Stadtrat Werner Schib vor 1980 gebaut und 85 Prozent werden noch mit fossiler Energie geheizt. Auch das ist nicht schlecht für Aaraus Energieplan: Hier liegt das grosse Effizienz-Potenzial.

Spezialfonds mit 3 Millionen Franken

Dieses will die Stadt mit einem Förderprogramm in der Höhe von 3 Millionen Franken ankurbeln. Ein Spezial-Fonds soll dafür geschaffen werden: Die Kilowattstunde Strom soll 0,25 Rappen teurere werden. Für einen Haushalt mit einem durchschnittlichem Verbrauch von 3500 kWh/Jahr entspricht dies jährlich 8.75 Franken an Mehrkosten. Ein Unternehmen mit einem Verbrauch von 250 000 kWh/Jahr bezahlt ein Plus von 625 Franken.

Rechtlich dürfe die Stadt diese «Steckdosensteuer» erheben, sagte Schib, das habe man abgeklärt. Selbstverständlich muss das Volk sie aber genehmigen. «Das ist auch in unserem Sinne», sagte Stadtpräsidentin Jolanda Urech, «wir wollen sehen, ob die Bevölkerung hinter unserem Plan steht. Sagt sie nach der Abstimmung 2012 nun auch B zu den Konsequenzen?»

Die Vernehmlassung zum Massnahmenplan läuft bis am 16. Dezember. Die Formulare zur Stellungnahme können unter www.aarau.ch/aktionsplan heruntergeladen werden.

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