Aarau

Ehrentafel für einen schlimmen Schüler

Die Initianten der «Wedekind-Tafel» Karl Gautschi (l.) und Oliver Kuster.

Die Initianten der «Wedekind-Tafel» Karl Gautschi (l.) und Oliver Kuster.

Oft sass Frank Wedekind im Karzer, als er von 1879–1884 die Kantonsschule besuchte. Trotzdem erhielt er jetzt eine Gedenktafel.

Im Altherrenverband der Kantonsschülerverbindung Industria Aarau herrschte seit einiger Zeit die Ansicht, Wedekinds Jahre als Kantonsschüler in Aarau verdienten es, mit einer Tafel in Erinnerung gerufen zu werden. Nicht ohne Grund war das ehemalige Gebäude des Aargauischen Versicherungsamtes bei seiner Übernahme durch die Alte Kantonsschule in «Wedekind-Haus» umbenannt worden.

Nachdem die Lehrerschaft und zuständige kantonale Behörde ihre Zustimmung erteilt hatten, konnte das Vorhaben endlich in die Tat umgesetzt werden. Am vergangenen Freitag fand die feierliche Einweihung der schlichten Gedenktafel im Erdgeschoss des Wedekind-Hauses statt. Eine frohe Schar gut gelaunter Gäste folgte den Anekdoten aus Wedekinds Aarauer Zeit, die der Nachwelt zum grossen Teil dank Aufzeichnungen von Sophie Haemmerli-Marti erhalten geblieben sind.

Als Wedekind als nicht einmal 15-Jähriger an die Aarauer Schule kam, genoss er schon den Ruf eines Dichters. In Lenzburg hatte er nämlich als Bezirksschüler mit lockeren Troubadourgedichten und bösen Spottversen gegen die Lehrer Aufsehen erregt. In Aarau trat Wedekind der Industria bei und erhielt den Biernamen Kater. Mit seinem selbstgefälligen Auftreten, seinen Hohngedichten gegen die Lehrerschaft und seinen gewagten Streichen schaffte er an der Schule und in der Stadt viel Unruhe und Unmut. Oft wurde er daher von den Professoren mit Karzerhaft bestraft.

Aber man erkannte auch Wedekinds aussergewöhnliches sprachliches Talent, das ihn später zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker seiner Zeit werden liess. Wedekind schrieb während seiner Aarauer Zeit unzählige Gelegenheitsgedichte. Nur wenige davon sind erhalten geblieben, einige im Wedekind-Archiv der Aargauer Kantonsbibliothek. In Aarau fand der Dichter auch das Motiv für sein wohl berühmtestes Werk, das Jugenddrama «Frühlings Erwachen». Es behandelt ein zeitloses Thema. Daher wird das Rock-Musical «Spring Awakening», dem Wedekinds Werk zugrunde liegt, weltweit immer wieder mit grossem Erfolg gespielt. (az)

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