Kantonsspital Aarau

Ehemaliger Oberarzt: «Baumfällung löst das Krähenproblem keineswegs»

Adolf Fäs, ehemaliger Oberarzt und Hobby-Ornithologe, spricht sich gegen die Fällung des Krähen-Baums aus.

Noch steht die alte Rotbuche beim Haupteingang zum Kantonsspital-Gebäude Nummer 1 – obwohl sie seit letztem Freitag Geschichte hätte sein sollen. So wollte es der Verwaltungsrat des Kantonsspitals. Grund dafür sind die vielen Krähen, die den Baum als ihr Hauptquartier auserkoren haben und Schmutz sowie Lärm verursachen.

Angestellte und Naturschützer verhinderten die Baumfällung mit zwei Demonstrationen am letzten Donnerstag und Freitag. Eine Online-Petition von Grossrätin Gabriela Suter (SP, Aarau) zur Erhaltung des Baumes hatte bis am Donnerstagabend über 1200 Unterstützer.

100-jähriger Baum soll wegen Krähen gefällt werden – Spitalangestellte demonstrieren

100-jähriger Baum soll wegen Krähen gefällt werden: Die Spitalangestellten demonstrieren zum ersten Mal am 1. Februar.

Saatkrähen sind seit 2007 da

Zu den Gegnern der Baumfällung gehört auch Adolf Fäs. Der Hobby-Ornithologe war einst Oberarzt am Kantonsspital, hat die Saatkrähenkolonie dort erstmals entdeckt und beobachtet sie seither genauestens. Er hat sich mit einem Leserbrief mit dem Titel «Krähenproblematik im KSA-Areal aus der Sicht eines Ornithologen» an die AZ gewandt. Fäs schreibt darin Folgendes:

«Während meiner Tätigkeit als Oberarzt am Kantonsspital Aarau von 1975 bis 1979 habe ich eine Bestandesaufnahme der auf dem Spitalareal lebenden Vogelarten vorgenommen. Dabei fand ich einige wenige auf das ganze Spitalareal verteilte Rabenkrähenpaare und noch keine Saatkrähen.

Erst im Jahre 2007 entdeckte ich die erste Saatkrähenkolonie in Aarau, 21 Nester zählte ich auf den hohen Bäumen beim Haupteingang zum Haus 1 des Spitals. In den folgenden Jahren nahm die Zahl der Nester im Spitalareal zu – bis zu einem Maximum von 40 Nestern im Jahre 2014. Seither blieb ihre Zahl ungefähr konstant. Etwas weniger als die Hälfte der Brutpaare siedelte stets auf der vom Fällen bedrohten grossen Buche.

Die Saatkrähe unterscheidet sich übrigens von der etwa gleich grossen Rabenkrähe durch ihren schlankeren, sich gleichmässig verjüngenden und spitzeren Schnabel sowie ihre etwas heiserere, nasale Stimme. Erwachsene Saatkrähen haben zudem eine auffällig grau-weiss gefärbte unbefiederte Hautpartie um den Schnabelgrund.

Ausserhalb der Brutzeit fliegen seit gut 30 Jahren jeden Abend mehrere hundert Rabenvögel aus der ganzen Region Aarau zusätzlich zu den lokalen Brutvögeln aufs Spitalareal und übernachten dort gemeinsam in den Kronen der hohen Bäume.

Gemeinsames Schlafen für mehr Sicherheit

In den Schlafbäumen herrscht eine gewisse Rangordnung. Ranghöhere Tiere logieren, wie bei Saatkrähen bewiesen werden konnte, im Zentrum, wo es etwas wärmer, windärmer und sicherer ist.

Gemeinsames Schlafen erhöht ganz allgemein die Sicherheit, da 1000 Augen einen Feind eher entdecken als nur zwei. Zudem dient das gemeinsame Übernachten dem Informationsaustausch unter den Raben.

Die Nächtigungsgebiete und die Nahrungsplätze können über 10 km auseinander liegen. Eine im Waadtland beringte Rabenkrähe überquerte täglich allein den Genfersee an der breitesten Stelle (13 km, also 26 km pro Tag), um den Tagesaufenthaltsort bei Evian aufzusuchen.

Ortstreue Krähen

Das Fällen der wunderschönen, gesunden und uralten Buche beim Haupteingang löste das Krähenproblem keineswegs. Krähen sind ortstreu, sie würden einfach auf die Nachbarbäume ausweichen.

Bis jetzt setzte sich das Spital immer für das Leben ein. Warum nur will es jetzt plötzlich einen schönen Baum fällen und damit töten? Zudem verursachen Menschen in der Regel bedeutend mehr Lärm und Dreck als die paar Krähen auf der mächtigen Buche.» (NRO/AZ)

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