Bizarrer Gerichtsfall
Deutscher kopiert ehemalige Stieftochter in Tierporno-Fotos: «Sexuelle Gedanken hatte ich dabei keine»

Das Bezirksgericht Aarau verurteilt einen 53-jährigen Deutschen wegen Kinder- und Tierpornografie. Das Land muss er aber nicht verlassen.

Michael Küng
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Ein bizarrer Gerichtsfall beschäftigte gestern das Bezirksgericht Aarau, vor dem sich ein 53-jähriger Handwerker aus Deutschland zu verantworten hatte. Seit 2014 lebt er in der Schweiz, 2019 schlug die Polizei zu. Drei Festplatten und zwei Memory-Sticks dienten der Beweisaufnahme. Auf ihnen fanden die IT-Forensiker der Polizei verstörende Aufnahmen: Fast hundert Bilder von kinderpornografischem und über 600 Bilder mit tierpornografischem Inhalt – Letzteres Bilder von erwachsenen Personen, die mit Tieren verkehren. Die Bilder hatte der beschuldigte Mann aus dem Internet heruntergeladen.

Ausserdem entdeckten die Ermittler rund 279 Fotomontagen mit der immer selben Person im Fokus: seine knapp volljährige, ehemalige Stieftochter. 279 Mal hat der Angeklagte ihr Gesicht am Computer aus unverfänglichen Fotos ausgeschnitten und in Tierpornografie eingefügt. Die harmlosen Fotos von ihr, die er dazu verwendete, hatte er zuvor selbst geschossen oder von ihr zugeschickt bekommen. Nach dem Bearbeiten und Abspeichern dieser Bilder hat er sie sich gemäss Anklageschrift auf seinen verschiedenen elektronischen Geräten angeschaut.

«Die Bilder waren nett anzusehen, schön. Aber sexuelle Gedanken hatte ich dabei keine»,

behauptete der Angeklagte gestern gegenüber dem Gericht. Er machte einen sehr gefassten Eindruck. Die Gerichtspräsidentin erinnerte ihn an eine Einvernahme, bei der er noch ausgesagt hatte, er hätte manche der Bilder erregend, andere als abstossend empfunden. Ob er sich als pädophil bezeichnen würde, fragte die Richterin. «Nein. Ich spiele gerne mit Kindern, freue mich einfach, wenn sie glücklich sind und ihre Augen strahlen.»

Aus Neugierde habe er die Bilder heruntergeladen, rechtfertigte sich der Angeklagte. Eine Neugierde, die über sieben Monate hinweg zum Herunterladen hunderter Bilder geführt habe? Sieben Monate, das ist der Tatzeitraum im Jahr 2019, für den er angeklagt ist. «Das hat sich so über die Jahre entwickelt», entgegnete der Angeklagte und offenbarte damit einen weit grösseren Tatzeitraum. Erst als sich Polizei und Staatsanwaltschaft bei ihm gemeldet hatten, sei ihm überhaupt klar geworden, dass die Bilder illegal sind.

«Da wurde mir die Tragweite meines Handelns bewusst, da ist mir ein ganzer Lampenladen aufgegangen»,

schilderte der Angeklagte dem Gericht. Er verstehe selber nicht, wieso er sich die Bilder angeschaut habe. Seit er erfahren habe, dass gegen ihn ermittelt werde, sei jeder Tag ein Albtraum. «Ich bin auch froh, dass das passiert ist. Weil diese Sache mir nie wieder passieren wird», erklärte er.

Beantragt waren acht Jahre Landesverweisung

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten und eine Busse von 4000 Franken. Weiter eine Landesverweisung von acht Jahren.

Die Verteidigung konzen­trierte sich vor allem darauf, die Landesverweisung zu verhindern. Denn Bürger des Schengenraums dürften nur ausgewiesen werden, wenn von ihnen eine Gefahr ausgeht.

Das Gericht stufte die Beteuerungen des Angeklagten als glaubwürdig ein und verzichtete deshalb auf die Landesverweisung, weil die juristischen Voraussetzungen für diese nicht erfüllt sind, wenn das Gericht davon ausgeht, dass er nicht weiter straffällig wird. Weiter wird er bestraft mit einer neunmonatigen bedingten Gefängnisstrafe und einer Busse von 2000 Franken – Letztere wurde reduziert, weil der Angeklagte verschuldet ist und sein Lohn bereits gepfändet wird. So ganz scheint das Gericht dem Angeklagten dann doch nicht zu trauen: Es hat auch ein lebenslanges Berufsverbot für die Arbeit mit Kindern ausgesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.