Aarau

Drohnen statt Bauprofile: Erstmals sieht Aarau lebensgross, wie die Stadion-Hochhäuser aussehen sollen

Am 24. November stimmt Aarau über ein neues Stadion samt vier Hochhäusern im Torfeld Süd ab. Weil die Bauherrin HRS nicht vorher schon teure Hochhaus-Bauprofile aufstellen wollte (die fürs Stadion stehen bereits), hat sie ein Drohnen-Team damit beauftragt, die Silouhetten der Wohntürme abzufliegen.

So etwas hat Aarau noch nie gesehen: Am Samstag um 11 Uhr liess die Luzerner Firma air-view im Auftrag der Stadionbauerin HRS 21 Drohnen über dem Torfeld Süd aufsteigen.

Während 20 Minuten schwebten sie über der Industriebrache, auf der künftig das Stadion samt vier Hochhäusern und einem Zwischenbau stehen soll. Die Drohnen markierten die Eckpunkte der geplanten Gebäude in bis zu 75 Metern Höhe.

Drohnenshow visualisiert Ausmasse des Aarauer Stadions

Drohnenshow visualisiert Ausmasse des Aarauer Stadions

Bis die geplanten vier Hochhäuser und das Stadion stehen, vergehen noch einige Jahre. Damit man sich aber schon jetzt ein ungefähres Bild der zum Teil 70 Meter hohen Kolosse machen kann, starteten heute 20 Drohnen und visualisierten die Umrisse der Stadion-Hochhäuser.

Drohnenflug war bis ins Detail geplant

Schon vor 9 Uhr stehen die Piloten – Drohnen fliegen scheint ein Männerhobby zu sein – auf dem Platz vor dem letzten verbliebenen Fabrikgebäude auf der Industriebrache. Gut gelaunt, trotz der Kälte. Immerhin: Die Kaffeemaschine funktioniert, es gibt Gipfeli. Martin Schumacher, Inhaber der Firma air-view, geht mit dem Team den Ablauf nochmals durch. Wer steht wo? Wie nahe heran darf man die Zuschauer lassen? Was passiert, wenn sich eine grosse Menschenmenge bildet? Wenn es anfängt zu regnen, wenn ein Heli das Kantonsspital anfliegen muss?

Nach dem Briefing bleibt ein Moment für Erinnerungsfotos, Materialtest, Fachsimpeln. Plötzlich, kurz vor 10 Uhr, raschelt etwas in der Nähe. Ein Blick nach oben: Es ist doch tatsächlich ein paar Gestalten gelungen, sich guerillamässig Zugang zum Dach des alten Fabrikgebäudes zu verschaffen und ein Plakat über die Brüstung zu hängen: «2xJa für Aarau». Einsatzleiter Schumacher ist gar nicht begeistert. Die Torfeld-Brache ist umzäunt, betreten tabu. Nicht umsonst hat die HRS jemanden beauftragt, regelmässig nach dem Rechten zu schauen. Auf dem Gelände kann man sich sehr leicht verletzten, überall ragen Armierungseisen aus dem Boden, Gräben tun sich auf. Nur einen Moment lang ist das Drohnen-Team perplex - und handelt dann blitzschnell. Während einer das Plakat wieder abhängt, lässt ein anderer seine Drohne aufsteigen und verflogt die flüchtenden Missetäter: «Wir haben ihre Autonummer», ertönt es triumphierend.

10.45 Uhr. Langsam werden die Füsse kalt und die Sache ernst. Martin Schumacher steht längt auf dem Dach des «Cargo Centers» auf der anderen Seite der Geleise, an der Rohrerstrasse. Von da hat er alles im Blick. Noch 15 Minuten. «Ist alles gut?», erkundigt er sich über Funk bei seinen Piloten. «Macht bitte eine letzte Kontrolle.» 11.01 Uhr: «Propeller anlassen und auf mein Zeichen warten.»

Dann der Countdown. Bei Null erfüllt das Sirren von 21 Drohnen die Luft, 20 nehmen ihre Position an den Hochhaus-Ecken ein; die grosse Kameradrohne schwebt dazwischen hin und her. Unten am Boden staunen die Zuschauer und recken die Zeigefinger; gegen 100 Personen dürften es insgesamt gewesen sein. Vier Personen aus Schumachers Team patrouillieren rund ums Areal und sorgen dafür, dass das Publikum den vom Bund vorgegebenen Sicherheitsabstand für solche Drohnenflüge einhält.

Drohnenflug über das Areal Torfeld Süd in Aarau (16.8.2019)

Das Areal von oben: Drohnenflug über das Torfeld Süd in Aarau (16.8.2019)

Für einmal ist man froh um den Hochnebel; die schwarzen Maschinen heben sich vom weissgrauen Untergrund gut ab. «Sieht perfekt aus», funkt Martin Schumacher um 11.06 Uhr. Zum ersten Mal bekommt Aarau einen Eindruck davon, was hier im Torfeld Süd enstehen soll. «Gewaltig», sagt ein Zuschauer, den Kopf im Nacken. Nach exakt 20 Minuten sind die Drohnenakkus leer, die Show vorbei. Alles gut gelaufen. «Ihr sind scho geili Sieche», ertönt das Lob des Einsatzleiters aus dem Funkgerät.

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