Am Freitag kommt ein (fast) echter Druide nach Küttigen. Zwar nicht mit der goldenen Sichel wie der berühmte Miraculix – aber mit einem Buch. «Die Geheimnisse des Druiden» heisst es, geschrieben vom Fribourger Heilpflanzenexperte Claude Roggen. In der Romandie ist das Werk über 50 verschiedene Heilpflanzen bereits erfolgreich. Nun stellt Roggen sein Buch auch in der Natura Drogerie Küttigen vor. Das hat einen Grund: In diesem Laden an der Hauptstrasse 11 hatte schon Roggens Vater als Drogist gearbeitet.

«Die Jurahügel fehlen mir»

Am Telefon klingt Claude Roggen (77) äusserst vergnügt, er lacht oft, und er mag sich an viele Details aus seinem Leben im Aargau erinnern. «1954 kam ich als Vierzehnjähriger nach Küttigen», erzählt er. «Mein Vater musste damals seine Drogerie in Domdidier FR verlassen und hat stattdessen in Küttigen einen Spezerei- und Mercerieladen gekauft, den er in eine Drogerie umwandeln konnte.» Diese Jugendzeit habe ihn geprägt, sagt Roggen. «Die Jurahügel fehlen mir heute noch – wie oft bin ich mit meinen Kollegen oder der Familie auf die Wasserflue gewandert.» Auch an der Gründung der Jungmusik Küttigen-Biberstein war Roggen beteiligt. Er selber spielte Flügelhorn, und Euphonium.

Nach der Bezirksschule in Aarau machte Roggen eine Drogisten-Lehre im heimischen Geschäft. Dabei hatte er eigentlich andere Pläne. «Beim Konfirmationsunterricht im Kirchberg hat mir Pfarrer Max Gloor sehr imponiert, er war ein interessanter Mensch», erzählt er. «Deshalb wollte ich Theologie studieren. Aber eines Abends nahm mich der Vater zur Seite und fragte, was er denn mit den beiden Drogerien in Küttigen und Domdidier machen sollte, wenn ich nicht in seine Fusstapfen träte. Heute muss ich sagen: Zum Glück habe ich mich umbiegen lassen. Als Drogist kann ich den Menschen einen grösseren Dienst tun, als wenn ich von der Kanzel zu halbleeren Bänken predigen würde.»

Nach der Drogisten-Schule in Neuenburg folgten Praktika in Kölliken, Olten und schliesslich ein Einsatz in Subingen SO, wo Roggen – «ganz wichtig», sagt er – seine spätere Frau Vreni kennen lernte. Sie kam mit ihm nach Küttigen und arbeitete als Sekretärin am Kantonsspital Aarau. «Jeden Tag bin ich zu Fuss dahin gelaufen», erzählt sie.

Zurück in die Romandie

1965 zog das Paar wieder ins Freiburgische und eröffnete dort eine Apotheke. Es hatte vier Kinder, ein Sohn ist vor zwei Jahren nach langer Krankheit verstorben. Die anderen drei sind, man glaubt es kaum, alle Drogisten geworden und arbeiten im Familienbetrieb. Von den neun Grosskindern absolviert eines gerade die Lehrabschlussprüfung als Drogistin – ob die beiden Urgrosskinder die lange Tradition auch fortführen werden?

Claude Roggen wäre sicher stolz; so stolz, wie er auf seinen Berufsstand ist. Schade findet er, dass es heute schweizweit nur noch rund 600 Drogisten gebe, vor einigen Jahren waren es noch 1200 gewesen. Claude Roggen liebt den Umgang mit Menschen, berät sie gerne zu Ernährung und Gesundheit. Diese Philosophie trage das ganze Familienunternehmen mit, «nur so kann man heute überleben». Die «Droguerie Roggen» hat heute drei Niederlassungen in Domdidier, Estavayer-le-Lac und Romont.

Claude Roggen hat sich in seiner Zunft einen Namen gemacht, auch dank zahlreichen Weiterbildungen in Phytotherapie, Anthroposophie, Spagyrik, Homöopathie. Er ist Mitbegründer des Heilpflanzengartens im Freilichtmuseum Ballenberg und des Unigartens in Fribourg. Seine grösste Inspirationsquelle sei die Natur. «Ich ziehe meinen Hut vor jeder Pflanze», steht in seinem Buch geschrieben. «Sie ist nicht nur eine Blume, sie hat einen Namen, eine Familie, eine Geschichte, die es wert sind, erzählt zu werden.»

Und nun kommt Claude Roggen also zurück nach Küttigen. Die Drogerie seines Vaters wurde von Hanspeter Oesch und jetzt Manfred Meier stets weitergeführt. Der «Druide» freut sich auf seinen Auftritt – auch, weil er bei dieser Gelegenheit seine Schwester Marianne Hauenstein-Roggen besuchen kann, die immer noch im Dorf lebt.