Sparpaket

Dreissig Quadratmeter pro Arbeitsplatz sind zu viel für die Stadt Aarau

Hier soll ein grosser Teil der Stadtverwaltung einziehen, wenn GastroSocial ins Hochaus gezogen ist.

Hier soll ein grosser Teil der Stadtverwaltung einziehen, wenn GastroSocial ins Hochaus gezogen ist.

Das Sparpaket Stabilo2 zwingt die Angestellten der Stadt, näher zusammenzurücken. Sie sollen sich künftig aufs Rathaus und das ehemalige Haus der GastroSocial an der Entfelderstrasse konzentrieren. Vielleicht zieht sogar die Stadtpolizei dahin.

Die Stadt muss ihren Finanzhaushalt ins Lot bringen. Das ist nicht nur mit Sparmassnahmen zu erreichen. Auch die städtischen Liegenschaften können besser genutzt werden, unter anderem indem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt näher zusammenrücken. Die Abteilungen sollen, so wird es mit dem Massnahmenplan von «Stabilo 2» vorgeschlagen, auf zwei Standorte konzentriert werden, auf das Rathaus und das der Stadt gehörende Bürogebäude an der Heinerich-Wirri-Strasse. Dort ist noch die Sozialversicherung des Hotel- und Gastgewerbes GastroSocial untergebracht, die in den Tower im Aeschbach-Quartier umziehen wird.

Fünfzig Liegenschaften im Besitz der Stadt

Die Stadt besitzt 50 Liegenschaften im Verwaltungsvermögen. Nicht mitgezählt sind die Schulhäuser und das Stadtmuseum. Für die städtische Verwaltung nutzt die Stadt heute zwei Hauptstandorte, das stadteigene Rathaus und die von der Post gemietete Liegenschaft an der Bahnhofstrasse/Poststrasse, wo die Stadtpolizei, das Steueramt und die Sozialen Dienste untergebracht sind. Zusätzlich sind aber vier weitere kleinere Standorte von städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern belegt: Laurenzenvorstadt (Zivilstandsamt), Hammer (Schule), Halde (Abteilung Alter) und Schlossplatz (Kulturstelle). Insgesamt mietet die Stadt 3000 Quadratmeter für rund 650 000 Franken zu. Die Mietkosten an der Bahnhofstrasse schenken besonders stark ein.

«Die Verwaltung ist in den letzten Jahren gewachsen. Als der Platz im Rathaus nicht mehr reichte, bot sich das zentral gelegene Post-Gebäude an der Bahnhofstrasse an», erklärt Stadtpräsidentin Jolanda Urech.

Unterschiedlich grosse Büros

Die Fläche, die pro Arbeitsplatz beansprucht wird, ist in den einzelnen Gebäuden sehr unterschiedlich. Sie reicht von bescheidenen 12 Quadratmetern pro Arbeitsplatz bei der Kulturstelle bis zu 33 Quadratmetern in der Liegenschaft Hammer 18. Im Rathaus sind es 22, an der Bahnhofstrasse rund 26 Quadratmeter. Wie viel Sparpotenzial hier vorhanden ist, zeigt sich im Vergleich mit den Verwaltungen anderer Gemeinden und Kantone, wo pro Arbeitsplatz 14 bis 17 Quadratmeter Hauptnutzungsfläche angestrebt und 19 Quadratmeter erreicht werden.

Klarere Ressortaufteilung ist ebenfalls sparsam

Auch in der Verwaltung selbst besteht Optimierungspotenzial. Diese ist dem neuen Ressortmodell des Stadtrats, wonach jeder Stadtrat einen abgeschlossenen thematischen Bereich führt, noch nicht angepasst worden. «Künftig sollen die Abteilungen so organisiert sein, dass sie nach Möglichkeit nur noch durch ein Stadtratsmitglied geführt werden», sagt Urech. Heute sind teilweise mehrere Stadtratsmitglieder für Verwaltungsbereiche zuständig, die in einer Verwaltungsabteilung zusammengefasst sind, so zum Beispiel im Stadtbauamt oder in der Abteilung Finanzen und Liegenschaften.

Die finanziellen Auswirkungen einer klar strukturierten und effizienten Organisation sind schwer abschätzbar. Die Kosteneinsparungen durch die optimierte Arbeitsplatzbewirtschaftung schon: Das Büro Wüest und Partner, Zürich, das im Rahmen des Projekts «Stabilo 2» mit den entsprechenden Analysen beauftragt war, rechnet vor, dass rund 650 000 Franken eingespart werden könnten.

Allerdings erfordert die Massnahme beträchtliche Investitionen, die abgeschrieben werden müssen und das Ergebnis schmälern. Zudem können zwar Mietkosten eingespart, ebenso muss aber auch auf Mieteinnahmen verzichtet werden. Unter dem Strich bleiben aber über 200 000 Franken jährlich, die ab 2018 die Rechnung der Stadt verbessern.

Gebäudewert 63 Millionen

Die Stadt vermietet 31 Objekte. 15 sind reine Wohngebäude, zehn gemischt genutzte Gebäude sowie zwei reine Gewerbebauten. Hinzu kommen das Ferienhaus Beguttenalp, ein Parkplatz, eine Garage und die Schaukästen in der Fussgängerunterführung Telli. Der Versicherungswert dieser Objekte beträgt rund 63 Millionen Franken.

Diese Liegenschaften im Finanzvermögen bringen rund 1,9 Millionen Franken an Mieten ein. Gemäss Einschätzung von Wüest und Partner liegt die Marktmiete aber bei 2,6 Millionen. Die Spannweite der Differenzen zwischen dem heutigen Mietertrag und der Marktmiete reicht von 4 bis 68 Prozent.

Ab 2016, so die Absicht des Stadtrats, sollen die Mietzinsen bei jedem Mieterwechsel an den Marktmietzins herangeführt werden. Dies ist nicht von heute auf morgen möglich, sondern wird rund acht Jahre dauern. Der Stadtrat erwartet aber mittelfristig einen Mehrertrag von 560 000 Franken.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1