Maienzug
Drei Tonnen Maienzugessen mussten in aller Eile gezügelt werden

Die 1000 Kilo Kartoffelstock waren gestern auf der Schanz pünktlich schöpfbereit. Nur das Wetter hielt sich nicht an den ausgeklügelten Zeitplan. Im Nu musste alles von der Schanz in die Schachenhalle verfrachtet werden - eine logistische Grosstat.

Sabine Kuster
Drucken
Teilen
Das Bankett in der Schachenhalle.

Das Bankett in der Schachenhalle.

Toni Widmer

Erich Rüetschli ist nervös. Zum x-ten Mal wählt er am Donnerstag Nachmittag die Telefonnummer des Wetterdienstes am Flughafen. Den Hörer am Ohr schaut der Chef der Catering-Firma Gourmelino nicht glücklich drein. Kaum hat ihm der Meteorologe eine Prognose für den Freitagmittag gemacht, ruft Rüetschli Meteo Schweiz an. Endlich hört er, was er sich erhofft: Mehrheitlich trocken soll es morgen werden, sagt da einer.

Zweimal hat Rüetschli schon erfolgreich am Bankett auf der Schanz gewirtet, aber noch nie in der Mehrzweckhalle unten. «Wenn wir am Freitagmorgen um 8 Uhr noch alles zügeln müssen, wird es stressig», sagt er und weiss noch nicht, dass er die Zügelei am Freitag in bloss einer Stunde wird schaffen müssen.

4000 Gäste, 600 Kilo Rüblisalat, 1000 Kilo Kartoffelstock

Ob Schanz oder Schachenhalle, ob viele oder wenig Leute: Die Köche kochen am Donnerstag für die Maximalzahl von 4000 Gästen. Hungernde Aarauer, das will keiner mehr riskieren. 600 kg Rüeblisalat, 900 kg Geschnetzeltes, 1000 kg Kartoffelstock und 700 kg Bohnen werden vorbereitet.

Rüetschli hat sich für eine Nacht in der Grossküche bei Deliciel in Birmenstorf eingemietet. Hier rühren vier Köchinnen Sauce in badewannengrossen Pfannen mit Kellen gross wie Besenstiele. Um 16 Uhr ist es noch ruhig, erst um 18 Uhr gehts richtig los. Um diese Zeit ist es auch in Aarau unter der Schanzmätteliturnhalle geschäftig: 4000 Portionen Rüeblisalat müssen verteiltwerden. Routinearbeit für viele: Eine Frau ist schon seit 20 Jahren beim Vorbereiten des Maienzugmenus dabei.

In Birmenstorf ist erst um 1 Uhr nachts alles fertig und in Warmhalteboxen gepackt. Chefkoch Thomas Dürr legt sich für ein kurzes Nickerchen in den Lastwagen. Heimgehen lohnt sich nicht mehr. Um 5 Uhr muss er wieder auf und das Menü auf die Schanz nach Aarau liefern.

Pünktlich um 12.30 gibts Rüeblisalat

Bis 7 Uhr morgens läuft alles nach Plan. Das Essen steht in Anhängern auf der Schanz, die Schöpfkellen liegen an den Ausgabestationen breit, die Tische sind frisch geputzt. Die Maienzugskommission hat das Schönwetterprogramm beschlossen. Dann kommt der Regen, macht um 10 Uhr eine fiese Pause – und legt wieder los. Unverwüstliche Maienzüglerinnen und Maienzügler stehen zwischen den Bankreihen, diskutieren über den tollkühnen Optimismus der Kommission und checken auf ihren Smartphones das Wetter-App.

Das Bankett in der Schachenhalle
6 Bilder
Stephan Attiger, Stadtammann von Baden und Regierungsratskandidat, im Gespräch mit Thomas Röthlin, Leiter des Ressorts Aarau bei der az.
Stadtamman Marcel Guignard mit Ehefrau Annelies
Das Meinzugbankett
Von der Schanz in die Schachenhalle
Von der Schanz in die Schachenhalle

Das Bankett in der Schachenhalle

Toni Widmer

Kurz nach 11 Uhr lässt der Regen nach, just als die Order der Kommission eintrifft, das Bankettessen finde nun doch in der Schachenhalle statt. Zum Lamentieren bleibt keine Zeit, denn die Eingefleischten wissen: Die besten Plätze, weil gut belüftet, liegen im Schachen unter dem Vordach der Halle. Unterwegs treffen die Bankettgäste auf eine nicht mehr ganz trockene und konsternierte Jolanda Urech, Präsidentin der Maienzugkommission. Für einen Moment ist der Festzauber aus ihren Augen gewichen.

Alles wieder gut

Im Schachen ist wieder alles gut. Die Leute haben die Festbänke unter dem Vordach eigenhändig vom Stapel getragen und aufgestellt, der Veloklub Gränichen montiert ein zusätzliches Zelt, Wein steht bereits auf den Tischen, darunter trocknen die Socken. Chefkoch Dürr und Caterer Rüetschli sind nirgends zu sehen. Irgendwo müssen sie mit ihren Angestellten herumwirbeln und zaubern. Besteck und Teller sind schon unten angekommen. Um 12.30 Uhr steht auf den ersten Tischen der 2200 Gäste Rüeblisalat. Nicht vom Regen verwässert, aber vielleicht da und dort mit einem Schweisstropfen garniert?

Aktuelle Nachrichten