Fussball-Stadion
Drei Millionen fürs Brügglifeld? Stadtpräsidentin Urech hat eine andere Idee

Dank einer Spezialbewilligung fürs Brügglifeld kann der FC Aarau in der Super League spielen. Weil der Stadion-Neubau blockiert ist, fasst er eine Millionen-Investition im Brügglifeld ins Auge. Aaraus Stadtpräsidentin Jolanda Urech hält nichts davon.

Sabine Kuster
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Jolanda Urech: «Wir sollten versuchen mit der Swiss Football League zu verhandeln, damit die unsinnige Investition nicht getätigt werden muss.»

Jolanda Urech: «Wir sollten versuchen mit der Swiss Football League zu verhandeln, damit die unsinnige Investition nicht getätigt werden muss.»

ZVG/AZ-Archiv

«Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass wir heute im Brügglifeld noch Fussball spielen können.» Das teilte am Montag der Verwaltungsrat der FC Aarau AG mit. Dies sei nur dem Goodwill der Swiss Football League zu verdanken, welche für die besondere Situation in Aarau Verständnis habe. Jahr für Jahr hat der FCA bisher eine Spezialbewilligung erhalten, zum Beispiel, was die zu tiefe Zahl der Sitzplätze im Stadion betrifft.

Ab nächstem Mai sollte nun – eine weitere Vorschrift – jedes Schweizer Stadion der Super League mit einer Rasenheizung ausgestattet sein. Im Aarauer Brügglifeld wird man diesbezüglich auf eine weitere Spezialbewilligung angewiesen sein. Doch wegen der Beschwerde ist das Stadion nun wahrscheinlich frühestens in fünf Jahren fertig gebaut. Dass der FCA bis dahin eine Ausnahmebewilligung erhält, findet Vize-Präsident Roger Geissberger «illusorisch».

Der FC Aarau will deshalb mehrere Millionen in den Altbau investieren. Dies könne aber weder die Platzgenossenschaft als Besitzerin des Stadions Brügglifeld noch der FC Aarau alleine stemmen. Die Platzgenossenschaft Brügglifeld hat den Aarauer Stadtrat deshalb nun schriftlich gebeten, dem Einwohnerrat Aarau einen Kredit von maximal vier Millionen Franken für eine Drainage und den Einbau einer Rasenheizung zur Bewilligung vorzulegen.

Sion, Vaduz, Thun im selben Boot

Stadtpräsidentin Jolanda Urech sagt dazu wenig überraschend: «Das wäre eine unsinnige Investition.» Sie will das Problem anders anpacken: Der Schweizerische Städteverband SSV will sich für das Thema Rasenheizung engagieren. Denn eine Umfrage bei den Städten des Verbandes habe ergeben, dass die meisten der Ansicht sind, dass solche Heizungen in alten Stadien nicht unterstützenswert sind. Bis im nächsten Frühling noch keine Heizung haben werden neben Aarau auch Sion, Vaduz und Thun.

«Im November ist deswegen ein Treffen der betroffenen Städte mit der Swiss Football League geplant», sagt Urech. Dabei gehe es nicht darum, bloss einen weiteren Aufschub der Vorschrift zu erhalten. «Wir wollen erreichen, dass in Stadien wie dem Brügglifeld keine Rasenheizung eingebaut werden muss, bis das neue Stadion steht», so Urech.

Danach appellierte sie an den FCA, diese Strategie zu unterstützen: «Wir sollten dies zusammen versuchen, damit die unsinnige Investition nicht getätigt werden muss.» René Herzog, Stadionverantwortlicher im Verwaltungsrat des FCA, erwiderte in aller Deutlichkeit: «Wenn der Städteverband das versucht, dann ziehen wir voll mit. Denn es wäre Schwachsinn, wenn wir zulasten der Stimmbürger im Brügglifeld Millionen
investieren müssten.»

Ähnlich tönt es seitens der befragten Einwohnerräte: «Ein ökologischer und ökonomischer Blödsinn», sagt Markus Hutmacher von den Grünen zur Rasenheizung. «Man muss die Standards der Football League hinterfragen.» Dass die Vorschrift nicht einfach so hingenommen werden soll, dieser Meinung ist auch Rainer Lüscher (FDP) und ein Verhandeln mit der SFL fände Lukas Häusermann (CVP) deshalb das Beste.

Marc Bonorand (SVP) sagt, er sei ein grosser Fan und könne sich deshalb ein verzinstes Darlehen vorstellen. Er fürchtet, dass die SFL nicht einlenken wird. Unter dem Strich, glaubt Ueli Hertig (Pro Aarau), habe das Begehren im Einwohnerrat «kaum Chancen».

Bei der Swiss Football League sagt Mediensprecher Philippe Guggisberg immerhin: «Es ist möglich, dass anlässlich der Generalversammlung im November über eine Anpassung der heutigen Stadionanforderungen beraten wird.»

Simon Stäuble (25), Oberkulm «Private Sponsoren, die den FC Aarau in der Super League sehen wollen, sollen das Geld sponsern, nicht die Stadt. Es gibt sicher Unterstützer, die sich zur Verfügung stellten, um dem armen FC Aarau etwas unter die Arme zu greifen.»
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Mirjam Matter (24), Schöftland «Statt sich Gedanken über derart teure Erneuerungen zu machen, die in ein paar Jahren sowieso wieder abgerissen werden, sollte man sich lieber umorientieren und zum Beispiel einen neuen Standort suchen. Das käme wahrscheinlich günstiger.»
Irene Äschbach (64), Däniken «Für mich persönlich sollte die Stadt das Geld unbedingt zur Verfügung stellen. Denn für den Zustand des Brügglifelds und die momentane Situation kann der Verein nichts. Er sollte deshalb nicht mit dem Lizenzentzug bestraft werden.»
Melanie Müller (19), Oberentfelden «Ich bin selber nicht fussballinteressiert und sähe das Geld lieber in der Bildung investiert. Nur damit der FC Aarau die Lizenz für die Super League erhält, ist das eine unnötige und zu grosse Summe Geld.»
Lumi Mehmetaj (20), Aarburg «Ich finde es notwendig, dass die Stadt drei Millionen Franken für Erneuerungen wie eine Rasenheizung investiert. Man kann nicht in der höchsten Liga vertreten sein, aber im Winter vor lauter Schnee keine vernünftige Partie spielen können.»
Jennifer Woodtli (23), Suhr «Auf den ersten Blick ist die Investition überteuert. Aber wenn man bedenkt, dass der FC Aarau tatsächlich seine Super-League-Lizenz verlieren könnte, sind die drei Millionen keine schlechte Anlage und sollten von der Stadt übernommen werden.»
Nora Wullschleger (17) und Cecile Pinter, (52), Aarau «Am besten schickt man dem Mann, der die Beschwerde gegen die Stadionbewilligung eingereicht hat, die Rechnung über drei Millionen Franken. Ohne seine Beschwerde gäbe es schliesslich keine derartigen Zusatzkosten.»
Rino Luongo (44) und Dominik Stallone (41), Küttigen «Die Stadt Aarau muss ihren Fussballclub finanziell unterstützen. Aber auch die umliegenden Gemeinden sollten einen Teil beisteuern, schliesslich ist der FC Aarau der einzig grössere Fussballklub in der Region.»
Alfred Graf (71), Aarau «Der FC Aarau sollte nicht einfach nur Geld von der Stadt fordern, sondern sich selber auch darum bemühen. Wie wäre es beispielsweise mit einem grossen Sponsorenlauf, da würde sicher einiges an Geld zusammenkommen.»
Selina Kempf (18), Hunzenschwil «Drei Millionen Franken für den Ligaerhalt sind eindeutig zu viel. Dann steigt der FC Aarau halt ab. Aufsteigen kann er ja immer wieder. Vielleicht steht bis dann auch das neue Stadion im Torfeld Süd und es gibt keine Probleme mehr.»

Simon Stäuble (25), Oberkulm «Private Sponsoren, die den FC Aarau in der Super League sehen wollen, sollen das Geld sponsern, nicht die Stadt. Es gibt sicher Unterstützer, die sich zur Verfügung stellten, um dem armen FC Aarau etwas unter die Arme zu greifen.»

Lee Müller