Die Achillessehne macht ihrem Namen alle Ehre: Sie ist der Schwachpunkt der Turner. Laut der Einsatzleitung der Sanität am Eidgenössischen Turnfest in Aarau ist ein Achillessehnenriss die häufigste Verletzung, welche die Sanitäter und Ärzte antreffen.

Behandelt wird sie nicht vor Ort auf dem Turnfest-Areal, sondern in der nahen Hirslanden-Klinik oder im Kantonsspital Aarau. Für viele andere medizinische Notfälle sind die Turnfest-Sanitäter gerüstet. 210 Personen kümmern sich um Verletzte, Kranke oder Betrunkene. Davon gehören die meisten einem Sanitäter- oder Samariter-Verein an, die restlichen sind Sanitäts-Soldaten der Armee. Zehn Notärzte unterstützen die Sanitäter und fünf Disponenten bedienen die lokale Notrufnummer und koordinieren die Fuss- und Velopatrouillen auf dem Gelände.

OP-Container und Sprechstundenzimmer

Im mobilen Notspital gleich gegenüber der Badi im Schachen laufen alle Fäden zusammen. Hier werden bei einem Notruf die Einsätze koordiniert. Personen mit Verletzungen oder medizinischen Problemen, die nicht an einem der 15 Aussenposten oder von den Patrouillen behandelt werden können, werden hierher gebracht. Auf einer rollenden Trage oder in einem der beiden Militärkrankenwagen.

In dem aus mehreren Militärzelten bestehenden Spital gibt es einen Triagen-Bereich, wo die Patienten ankommen, einen Behandlungsraum mit ambulanten «Betten»-Plätzen und ein «Sprechstundenzimmer» für Nachbehandlungen. 

Im OP-Container könnte sogar ein Blinddarm entfernt werden. Doch mehr als Wunden nähen oder Scherben aus der Haut entfernen machen die Ärzte hier nicht. Alle Patienten, die operiert oder geröntgt werden müssen, werden ins Spital verlegt.

Und nicht zuletzt befinden sich hier die Einsatzzentrale, ein Aufenthaltsraum und Schlafmöglichkeiten für die Sanitäter, die in mehreren Schichten bis zu 24 Stunden täglich im Einsatz sind.

So viele Herzinfarkte wie in einer Kleinstadt

Sanitäter Christian Bassler leitet das ganze Dispositiv, seine Tage sind lang. «Das hier ist der grösste Sanitätsdienst der Schweiz», sagt er. 950 Patienten haben die Sanitäter aus der ganzen Schweiz am vergangenen Turnfest-Wochenende betreut, in rund 80 Prozent der Fälle handelte es sich um Sportverletzungen.

Einen wirklich gravierenden Fall gab es bisher nicht. Zu den schlimmsten Notfällen zählen laut Bassler drei Herzinfarkte. Eine Zahl, die den Sanitäter nicht überrascht. «Das ist guter Durchschnitt für eine Kleinstadt und das Turnfest-Gelände hat die Grösse einer Kleinstadt.» Immerhin: «Alle drei Infarkte sind gut verlaufen», sagt seine Stellvertreterin Anita Peter.

Unter Turnern wird niemand allein gelassen

Was die Turner von anderen Patienten unterscheidet: Sie werden selten allein gelassen. Die Kollegialität unter einander ist gross. «Verletzte kommen fast immer in Begleitung», sagt Bassler. Auch betrunkene Kollegen werden nicht allein gelassen. «Unsere Patrouillen haben beobachtet, wie sie gut umsorgt zum Zeltplatz gebracht worden sind – selbst wenn es nötig war, jemanden zu tragen.» 

Dieses Wochenende rechnet Bassler mit noch mehr Patienten und auch mit mehr Betrunkenen. Im Gegensatz zu den Kindern und Jugendlichen, die letztes Wochenende turnten, würden sich Erwachsene eher schwerer verletzten. «Sie gehen mehr an ihre Grenzen», sagt Bassler. Zudem sind noch mehr Menschen auf dem Areal, auch mehr Besucher. Und wer nicht turnt, kommt, um ausgiebig zu essen – und zu trinken. 

Die Bilder zum Festumzug:

Die Bilder des sechsten Wettkampftags am ETF: