Es kommt nicht besonders oft vor, dass der Stadtrat vor Abstimmungen zur Pressekonferenz lädt. 2014 war das bei den Krediten für den Pont Neuf und die Keba (Zusatzkredit) der Fall, 2015 beim Budget mit Steuererhöhung. Und nun bei den bevorstehenden Urnengängen zur Kreisschulfusion Aarau-Buchs und zur Verselbstständigung der städtischen Alters- und Pflegeheime.

Stadträtin Franziska Graf betonte, mit der Kreisschulvorlage löse man ein Versprechen ein, das man bei der Fusion Aarau-Rohr gegeben habe. Man wolle, dass alle Aarauer Kinder dieselben Rechte und Pflichten hätten. «Aus Sicht der Stadt Aarau ist die Kreisschule eine grosse Chance», sagte sie. «Sie könnte flexibler auf Veränderungen in der Region und der Bevölkerung reagieren.»

Die Schulraumproblematik lasse sich gemeinsam einfacher und kostengünstiger angehen – auch punkto Erweiterungen: «In Aarau haben wir kaum Platz zur Erweiterung, in Buchs gibt es dazu eine grüne Wiese.» Sie betonte weiter, dass Kindergarten- und Primarschüler auch künftig im Quartier zur Schule gehen sollen. Bei den Oberstufenschülern verkürze sich der Schulweg tendenziell, in Einzelfällen könnte er länger werden. «Aber den längsten Schulweg haben immer noch die Kinder aus Erlinsbach – und die meistern ihn seit Jahren problemlos.»

«Hotspots» GAV und Golatti

Vizestadtpräsidentin Angelica Cavegn Leitner nahm Stellung zu den meistdiskutierten «Hotspots» im Zusammenhang mit der geplanten Überführung der städtischen Pflegeheime in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft (Aarvita AG). Von links kritisiert wird der Verzicht auf einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Heimpersonal. Für Einzelarbeitsverträge, so die Begründung der zuständigen Stadträtin, habe man sich entschieden, weil man sich an den andern aargauischen Heimen orientiert habe. Und im Aargau gebe es kein Pflegeheim mit einem GAV.

Auch der Befürchtung «Golatti ade!» widersprach Cavegn. Die Stadt sei weiterhin Eigentümerin der Gebäude und das Golatti werde in den kommenden Jahren ein Pflegeheim bleiben. Es werde für zehn Jahre an die Aarvita AG vermietet – mit der Option einer Verlängerung um fünf Jahre. Da es immer mehr ältere Menschen gebe, werde das Golatti wohl noch längere Zeit als Pflegeheim benötigt. Denkbar sei auch eine spätere Nutzung für Alterswohnungen.