Von Zug erfasst

Drama am Bahnhof Aarau erinnert an den tödlichen Unfall vom Sommer

Der tödliche Unfall ereignete sich am Donnerstagabend, kurz vor Mitternacht am Bahnhof Aarau beim Gleis 1.

Der tödliche Unfall ereignete sich am Donnerstagabend, kurz vor Mitternacht am Bahnhof Aarau beim Gleis 1.

Im letzten Sommer starben zwei junge Afghanen am Aarauer Bahnhof, jetzt ein 19-jähriger Pakistaner. Er wurde von einem herannahenden Zug erfasst.

Am Donnerstagmorgen war die Situation beim Aarauer Bahnhof ein Thema an der Jahresmedienkonferenz der Abteilung Sicherheit der Stadt Aarau. Daniel Ringier erklärte, die Stadtpolizei investiere zehn Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit beim Bahnhof Aarau. Dort, wo insbesondere am Abend häufig alkoholisierte oder sonst wie benebelte junge Männer anzutreffen sind. Ringier betonte, die Situation im Bereich Asyl habe sich im Vergleich zu den Jahren 2015/16 massiv verbessert.

Ein halber Tag später ereignete sich im Bahnhof ein Drama, bei dem ein 19-jähriger Pakistaner getötet wurde. Ein Unfall, der stark an ein Drama vom letzten Sommer erinnert: Damals wurden auf dem Areal des Bahnhofes zwei Afghanen (18 und 21 Jahre) getötet. Beide Fälle ereigneten sich gegen Mitternacht, beide führten zu erheblichen Störungen im Bahnverkehr, weil nach einem Personenunfall jeweils der ganze Bahnhof gesperrt werden muss.

Warum er auf dem Gleis war, ist unklar

Laut einer Meldung der Kantonspolizei befand sich der Pakistaner am Donnerstag «unter unklaren Umständen» auf dem Gleis 1. Dabei wurde er von «einem herannahenden Zug erfasst und getötet». Alarm schlug ein 19-jähriger Afghane, der laut Polizei «stark alkoholisiert und mutmasslich unter Drogen stand». Die Kantonspolizei sucht Zeugen. Abgeklärt werden soll unter anderem, ob dem Unfall ein Streit vorangegangen war – so wie im letzten Juni.

Laut offizieller Darstellung hatte es damals im Vorfeld des tragischen Unfalls eine Auseinandersetzung gegeben: «Was jedoch der Grund und der Inhalt dieser Auseinandersetzung war, konnte trotz umfangreichen Abklärungen nicht abschliessend geklärt werden.»

Über Absperrung geklettert, weil er sterben wollte

In der AZ vom 5. Juli 2019 hatte ein Augenzeuge erklärt: «Einer meiner Freunde wollte sterben, er ist über die Absperrung geklettert, hat sich auf das Gleis gesetzt und auf den Zug gewartet. Mein zweiter Freund wollte ihn vom Gleis ziehen und ihn vom heranrollenden Zug retten. Zuvor haben sie genau darüber gestritten. Es war ein Streit darum, sich nicht das Leben zu nehmen.»

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7. Juli 2019

Der Afghane schrieb weiter: «Das Leben ist für uns Jugendliche, die wir ohne Familie in der Schweiz sind, nicht einfach. So war es auch für meinen Freund unerträglich. Sein Zuhause war in einer Gemeindeunterkunft, wo er unterirdisch zusammen mit vielen Männern in einem Zimmer wohnte. Er versuchte Deutsch zu lernen, eine Lehre oder eine Arbeit zu finden, bis ihn der Mut verliess und er sich entschied, sein Leben zu beenden.»

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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