Nigeria
Dort wo man an Durchfall oder Malaria leidet, hilft dieser Erlinsbacher Arzt

Vincent da Silva hilft in Makoko, wo die Wochenbett-Sterblichkeit ist hoch, eine Gesundheitsstruktur aufzubauen.

Susanne Brem
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Vincent da Silva arbeitete 25 Jahre lang als Kinderarzt am Kantonsspital Aarau.

Vincent da Silva arbeitete 25 Jahre lang als Kinderarzt am Kantonsspital Aarau.

zvg

Makoko ist ein Armenviertel in der nigerianischen Millionenstadt Lagos. Geschätzte 50 000 Menschen leben hier in Pfahlbauhütten. Es fehlt an allem: Es gibt kein sauberes Trinkwasser, keinen Strom, keine Abfallentsorgung. Ausgerechnet hier will ein Mann aus Erlinsbach AG ein Gesundheitszentrum errichten, ein Primary Health Care Center.

Sein Name ist Vincent da Silva. 25 Jahre lang arbeitete er als Kinderarzt am Kantonsspital in Aarau, während 14 Jahren als Leitender Arzt. Nach seiner Pensionierung gründete er zusammen mit engagierten Ärzten und anderen Fachkräften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den Verein Support, eine Non-Profit-Organisation, mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung der marginalisierten Bevölkerung Westafrikas zu verbessern.

Alte Heimat nie vergessen

Da Silva ist in Lagos, der ehemaligen Hauptstadt von Nigeria aufgewachsen. 1960 reiste er nach Zürich, mit dem Ziel, Medizin zu studieren. Sieben Jahre später promovierte er als Doktor der Humanmedizin. Seit 1984 ist er Schweizer Bürger. Die Wirren in seinem Land, vor allen die prekäre Gesundheitslage der Bevölkerung, liessen ihn nie kalt.

Von 2007 bis 2012, arbeitete der Verein Support sehr eng mit einem Spital in Abeokuta, rund 100 Kilometer von Lagos entfernt, zusammen. Dem Support-Team gelang es, die Wochenbett-Sterblichkeit um 55 Prozent zu senken.

2012 gelangte die Heinrich-Böll-Stiftung (HBS) mit Sitz in Deutschland an Support. Die Lagos-Filiale der HBS schilderte die Situation: Es seien Bestrebungen im Gang, das ganze Slumgebiet Makoko aufzuwerten.

«Waterfront Regeneration Plan», so der Titel des ambitionierten Projektes. Da Silva wurde angefragt, ob der Verein Support bereit sei, zusammen mit den Kräften vor Ort beim Aufbau einer Gesundheitsstruktur mitzuwirken. Da Silva sagte ja. Seither reisen er und ein Team regelmässig nach Lagos. Die Bewohner von Makoko leiden an vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall oder Malaria. Die Wochenbett-Sterblichkeit ist hoch.

Eine konventionelle medizinische Versorgung existiert nicht. Wer krank wird in Makoko, sucht sich Hilfe bei traditionellen Heilern und Hebammen. «Diese Leute leisten hervorragende Arbeit», weiss da Silva. «Sie sind ausgezeichnete Kenner in Kräuterheilkunde, verstehen es, gebrochene Knochen mit einfachen Mitteln zu schienen und sie sind sehr gut beim Behandeln von psychosomatischen Krankheiten.»

Support plant drei Massnahmen: Erstens die Weiterbildungsseminare für Heiler (das erste beginnt nächste Woche). Zweitens die Gesundheitsaufklärung der Bevölkerung und das Errichten von Gesundheitsposten für leichte Krankheiten. Drittens der Bau eines Primary Health Care Center für Kurzzeitaufenthalte und Geburten. Dieses wird geplant von der Aargauer Architektin Fabienne Hölzel.

Support (www.med-support.ch) hat unter http://100-days.net/de/projekt/kraefte-vor-ort ein Crowdfunding ins Leben gerufen, das noch bis Anfang Dezember läuft.