Aarau

Dornröschen ist aufgewacht: So schön erstrahlt die Zurlinden-Villa nach der Sanierung

Am 1. Juli wird die Zurlinden-Villa in Aarau erstmals fürs Publikum geöffnet. Die «Aargauer Zeitung» war schon drin und zeigt die schönsten Bilder aus dem frisch sanierten Prunkbau.

Solch überschwängliche Worte hört man nicht oft von Stadtrat Lukas Pfisterer: «Es ist wahnsinnig schön geworden», sagt er, «eine der wunderbarsten Bauten der Stadt!». Elf Monate, nachdem die Sanierung der Zurlinden-Villa begonnen hat, sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Bald kann der Nutzniesser der städtischen Liegenschaft, der Schweizerische Turnverband (STV), wieder einziehen. «Es ist ein Privileg, in einem so schönen Gebäude zu arbeiten», so Geschäftsführer Ruedi Hediger am gestrigen Medienrundgang.

Dass mit der Villa etwas passiert ist, sieht man schon von Weitem. Früher war das Gebäude mit der angegrauten Fassade und den verblichenen Fensterläden einfach eines von vielen Gebäuden an der Bahnhofstrasse. Nun ist sie «aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht», wie Pfisterer sagt. Dazu trägt auch bei, dass rundherum das Dickicht gelichtet wurde, die Umgebungsgestaltung streicht die Pracht des Gebäudes nun heraus, statt sie zu verdecken.

Ein Rundgang durch die frisch renovierte Zurlindenvilla.

Ein Rundgang durch die frisch renovierte Zurlindenvilla.

Baujahr ist jetzt endlich klar

Drinnen startet der Rundgang dort, wo in vielen Häusern das Leben stattfindet – in der Küche. Kochen Sie für Ihre Leute, Herr Hediger? Er lacht. «Nein nein, die machen das schon selber.» Wenige Schritte weiter steht man in der Zurlinden-Stube, deren Decke mit Malereien verziert ist. Dank einem Forscher, der gerade an einer Doktorarbeit über den italienischen Künstler Antonio De Grada schreibt, weiss man nun, dass dieser diese Malereien geschaffen hat.

Auch das Entstehungsjahr der Villa konnte man während der Umbauzeit erhärten – dank einer Bodendiele mit der Aufschrift «1866». In der Villa wurde so oft um- und angebaut, dass heute Elemente aus über 160 Jahren Baugeschichte zu sehen sind. Herauszustreichen sind die opulenten, dunklen Holzelemente, die aus der Zeit stammen, in der Zementfabrikant Friedrich R. Zurlinden hier wohnte (ab 1888).

Bilder von der Sanierungsphase in der Zurlinden-Villa: 

Sie überdeckten die spätklassizistischen Elemente, die der Erbauer, Notar Rudolf Lüscher aus Muhen, anbringen liess. Aus dessen Zeit sind heute die «Berner Böden» sichtbar. Als Zurlinden 1928 die Villa der Stadt schenkte – allerdings mit der Auflage, sie dem Turnverband zur mietfreien Nutzniessung zu überlassen – baute der STV zwei Seitenflügel an.

Über die Jahrzehnte haben sich viele Bausünden angesammelt. Da schüttelt man schon den Kopf ab der Nonchalance, mit der mit der historischen Bausubstanz umgegangen wurde – da wurden Plastik-Beläge auf den schönen Parkett getackert, dort hässliche Löcher gebohrt, drüben aggressiver Verputz über die alte Tapete gepappt, der sich kaum mehr loslösen liess. Sie wurden, so gut es ging, rückgängig gemacht.

Es war der ausdrückliche Wille des Einwohnerrats, der den Baukredit von 4,28 Mio. Franken bewilligt hatte, dass die Villa künftig für das Publikum geöffnet wird. «Wir sind im Gespräch mit dem Turnverband», sagt Stadtrat Lukas Pfisterer. Da die Büros nicht mehr im Erdgeschoss sind und dieses nun hauptsächlich aus Sitzungszimmern und Empfang besteht, wäre eine solche Nutzung auch nicht mehr so störend für den Betrieb. «Denkbar sind etwa Stadtführungen oder Vereinssitzungen», so Pfisterer. «Mir schweben auch Trauungen vor.»

Tag der offenen Tür am Samstag, 1. Juli

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