Dass ein Mäzen seiner Gemeinde ein Buch schenkt, kommt nicht alle Tage vor. Doch genau das hat der Densbürer Unternehmer Georg Senn (Kaisermatt Technologie) getan. Alle Einwohnerinnen und Einwohner von Densbüren und Asp erhalten dieser Tage das rund 100 Seiten starke Werk «Densbüren-Asp, Geschichte und Geschichten – gestern, heute, morgen». Ihm sei es darum gegangen, schreibt Georg Senn im Vorwort, seiner Gemeinde etwas als Dank für das zurückzugeben, was er als Bürger und Unternehmer in den vergangenen Jahren von der Gemeinde Densbüren-Asp und deren Menschen erhalten habe.

«Es war noch nie meine Art, in der Vergangenheit zu graben», bekennt Georg Senn. Vielmehr liege ihm daran, die Gegenwart und vor allem die Zukunft zu gestalten. Die Zukunft werde aber geprägt durch die Geschichte, und deshalb handle das Buch auch von der Vergangenheit. Anders gesagt: «Das vorliegende Buch soll etwas Licht in unsere Herkunft bringen.» Da sein Wissen nicht ausgereicht habe, so Senn, habe er sich auf die Suche nach Wissenden gemacht. Vor ziemlich genau zwei Jahren gelang es ihm, den freischaffenden Historiker Linus Hüsser aus Ueken für das Projekt zu gewinnen. Als Sammlerin von Geschichten aus dem Dorfleben stiess Romi De Ambrosis zu Team. Desgleichen Alex Briner, der das Werk gestaltet hat.

Bernisch statt österreichisch

Der historische Teil, der rund die Hälfte des Buches ausmacht, beginnt mit der alemannischen Landnahme im 7. oder 8. Jahrhundert. Die erste erhaltene schriftliche Erwähnung eines Dorfes namens Tensbuirron fällt ins 14. Jahrhundert. In knappen, klaren Strichen umreisst Linus Hüsser die Geschichte der beiden Dörfer beziehungsweise der Herrschaft Urgiz. Anders als der Rest des Staffeleggtales, der an die Habsburger fiel, blieben Densbüren und Asp im Besitz der Bischöfe von Strassburg. Von diesen hatten nacheinander mehrere Familien, darunter die Effinger von Brugg, die Herrschaft Urgiz zu Lehen.

Im 15. Jahrhundert gab der Bischof von Strassburg alle Rechte an der für ihn bedeutungslosen Herrschaft auf. 1502 kam diese durch Kauf an Bern und wurde als Untervogtei der Landvogtei Schenkenberg angegliedert. Von da an teilten Densbüren und Asp die Geschichte des Berner Aargaus, während das Tal von Herznach an abwärts bis zur Besetzung durch napoleonische Truppen im Jahre 1799 vorderösterreichisch war. Im Kapitel «Blutiger Überfall auf die Hochwacht» (auf der Urgiz im Jahr 1696) zeigt Hüsser anschaulich, dass das Verhältnis zwischen Densbüren und Herznach gelegentlich recht gespannt war.

Ein eigenes Kapitel ist den zehn Ortsbürgergeschlechtern gewidmet, die bei der Kantonsgründung 1803 und bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Densbüren und Asp ansässig waren und deren Wappen seit 1988 die Fenster der Pfarrkirche schmücken (Amsler, Fasler, Frey, Hochstrasser, Muster, Nussbaum, Pfister, Senn, Wehrli, Windisch).

Geschichte der Staffelegg

Hatten das Eisengewerbe im Staffeleggtal und der Staffeleggpass den Appetit Berns an der Herrschaft Urgiz genährt, blieb umgekehrt der Passübergang bis heute wichtig für die Zugehörigkeit von Densbüren und Asp zum Aargau. «Vom gefährlichen Pfad zur internationalen Verbindungsstrasse» lautet der Titel des Kapitels, das der Geschichte der Staffelegg gewidmet ist. Diese blieb freilich bis zur Kantonsgründung eine eher lokale Verbindung. Mit einer neuen Staffeleggstrasse sorgte der Aargau umgehend in Sachen Verkehr für den Anschluss an die Kantonshauptstadt.

Ab 1810 gab es eine Postkutschenverbindung über die Staffelegg. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen Densbürer und Asper noch täglich zu Fuss über den Pass zur Arbeit in den Aarauer Fabriken. Der «Bären»-Wirt August Fasler lenkte 1924 das erste Postauto über die Staffel- egg. Im Buch gibt es ein Foto des rechtsgesteuerten Autos vom Ende der Zwanzigerjahre mit Sohn Eduard Fasler am Steuer. Was man ebenfalls erfährt: Früher gab es kein Restaurant oben auf der Passhöhe: Das alte «Restaurant z. Staffelegg» befand sich weiter unten, in der Asper Hübelmatt. Das Haus steht noch, doch der Schriftzug ist verschwunden.

Im Buch wird auch ein reicher Schatz an atmosphärisch dichten Geschichten und Sagen fassbar, die ebenso identitätsstiftend sind wie die harten historischen Fakten. Mit einem Schmunzeln erfährt man beispielsweise von einem «ungebetenen Gast», dem Landstreicher Hans Amsler 1A, an den sich Walter Senn-Frey aus Asp erinnert. Und mit Hühnerhaut liest man vom «Ma ohni Chopf», der einem im Ofebüel begegnen kann.