Gränichen

Dorf bricht 8000-Einwohner-Marke und wird zu Agglomerationsgemeinde

Auch der Nebel schleicht am Morgen durch das Wynental bei Gränichen.

Gränicher Gemeindeammann Peter Stirnemann: «Mit der 8000er-Grenze ist sicher eine Grösse erreicht, die für unser Dorf mit ländlichem Charakter respektive als Agglomerationsgemeinde genügt.»

Auch der Nebel schleicht am Morgen durch das Wynental bei Gränichen.

Noch grösser werden will die Gemeinde aber nicht. Am meisten Sorgen bereiten der Verkehr und die Finanzen.

In der Wahrnehmung vieler ist Gränichen ein ländliches Dorf, das klar von den Zentren Suhr und Aarau getrennt ist, nicht zuletzt auch durch die dazwischenliegende Autobahn. Dass die Gemeinde nun zu Jahresbeginn ihre 8000. Einwohnerin begrüssen durfte, stellt sie aber gefühlt auf eine andere Stufe.

Mit dieser Grösse wird das Dorf etwa bald die mit Stadtrecht versehenen Ortschaften Bremgarten oder Aarburg eingeholt haben, im Wynental würde es demnächst die Stellung von Reinach als grösste Gemeinde (8580 Einwohner, Stand Mitte 2019) streitig machen.

Für den Gränicher Gemeindeammann Peter Stirnemann ist klar: «Mit der 8000er-Grenze ist sicher eine Grösse erreicht, die für unser Dorf mit ländlichem Charakter respektive als Agglomerationsgemeinde genügt.» Aus Sicht des Gemeinderats sei es nicht erstrebenswert, möglichst schnell zu wachsen. «Zumal Gränichen aufgrund der vorhandenen Bauzonen praktisch über fast keine überbaubare Reserven mehr verfügt.»

Leerwohnungen: Situation habe sich entschärft

Die Bautätigkeit in Gränichen war in den letzten Jahren auffallend gross, entsprechend hoch auch der Leerwohnungsbestand: Mitte 2019 war dieser in Gränichen kantonsweit am zweithöchsten. Die Situation habe sich aber bereits etwas entschärft und werde sich weiter verbessern, sagte Peter Stirnemann im Oktober. «Der Leerwohnungsbestand wird durch die Zuzüger sicher abnehmen. Genauere Zahlen werden aber erst später ersichtlich.»

Mit der grösseren Bevölkerung steigen auch die Steuereinnahmen. Trotzdem bleibt die Finanzlage der Gemeinde eher angespannt, am Neujahrsapéro nannte Peter Stirnemann die Finanzen denn auch als eine der grossen Herausforderungen. Eine weitere sei der Verkehr: Zwar sei Gränichen durch den öffentlichen Verkehr gut erschlossen, auf den Strassen aber stauen sich die Autos fast täglich.

«Da ist kantonaler Handlungsbedarf angesagt und die Planung läuft», sagt er im Hinblick auf das Strassenbauprojekt Veras mit der geplanten Umfahrung von Suhr. «Aber es werden noch einige Jahre vergehen, bis sich dieser Knoten lösen wird. Schon dadurch ist ein weiteres Wachstum aus unserer Sicht nicht erstrebenswert.»

Für den Kanton liegt Gränichen im urbanen Raum

Das «Raumkonzept Aargau» teilt Gränichen dem urbanen Entwicklungsraum zu. Prognosen des Kantons gehen von einer Zunahme der Bevölkerung auf 9500 Einwohner in den nächsten zehn Jahren und auf rund 10300 Einwohnern bis zum Jahr 2040. Gemeindeammann Peter Stirnemann hatte vor eineinhalb Jahren schon gesagt, dem Gemeinderat liege nichts an einem Wachstum in diesem Ausmass. «Wir wollen nicht bis 2040 eine Stadt werden», äusserte er sich damals. Er hoffe, dass sich die Prognosen nicht bewahrheiten würden.

Im Vergleich mit anderen Gemeinden wuchs Gränichen indes nicht am meisten: Seit 2012 lag das Wachstum nur leicht über dem Bezirksdurchschnitt. Oberentfelden oder Erlinsbach wuchsen in der Zeit relativ gesehen stärker. Im Wynental war der Wachstumssieger Menziken mit im Schnitt rund 120 Einwohnern mehr pro Jahr.

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