Aarau
Doppelte Geburtstagsparty an der Bezirksschule

Die Bezirksschule Aarau feierte ihr 100-Jahr-Jubiläum und die 30 Jahre alte Musikschule machte gleich mit. An der grossen Geburstagsparty gab es gute Live-Musik, leckere Muffins und spannende Momente am Menschen-Töggelikasten.

Sabine Kuster
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Geburtstagsparty an der Bezirksschule Aarau
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Geburtstagsparty an der Bezirksschule Aarau

Manch einer wird zurückgeschreckt sein am gestrigen Fest der Bezirksschule: «Das bin ja ich!», dachten Ehemalige in der Ausstellung der Klassenfotos. Und für einen kurzen Augenblick wussten sie wieder, wie sich das Ich damals anfühlte.

Nur das Schulhaus ist auf den ersten Blick dasselbe geblieben: Das Türmchen, die Steintreppe, die Flure – äusserlich hat sich in den letzten hundert Jahren seit der Einweihung des Bezirksschulhauses 1911 nicht viel geändert.

Auf den zweiten Blick ist vieles anders: Die beiden Treppenhäuser und Schulhöfe sind nicht mehr nach Geschlecht getrennt, es wohnt kein allmächtiger Abwart mit Schäferhund mehr im Schulhaus, wie es Stadtammann Marcel Guignard noch erlebte. Auch die Kadetten sehen nicht mehr aus wie kleine, graue Soldaten, sondern machen heute ausschliesslich Musik in farbigen Uniformen.

Spezielle, festliche Mischung

Auch die Musikschule feierte gestern im Zelgli Jubiläum. Vor 100 Jahren gab es keinen Musikunterricht für Primar- und Sekundarschüler, er war den Bezirksschülern vorbehalten. Gegründet wurde die Musikschule 1981.

Die Mischung von Bez- und Musikschul-Geburtstag ergab ein besonderes Fest: Überall ertönte feine, klassische Livemusik, dazwischen verkauften die Schüler Currys, Muffins, Drinks, es gab ein Kirschensteinspucken, Hau den Lukas und einen Menschen-Töggelikasten. Ein antikes Ketten-Karussell lockte die zukünftigen Schülerinnen und Schüler an. Drinnen im Schulgebäude konnten man sich in einem Fotostudio «old school» ablichten lassen auf Schwar-Weiss-Fotografien mit altmodischer Kleidung.

Am offiziellen Festakt schlich sich der erste Rektor der neuen Bezirksschule, Dr. Arnold Hirzel, aus dem Archiv zum Mikrofon. Hirzel (alias Schulleiter Marc Plancherel mit Frack und Zylinder) erzählte von der Zeit, als die Schüler noch im Pestalozzischulhaus unterrichtet wurden und «die Tintenfässli wegen des Rangierverkehrs beim Bahnhof umkippten.» Ein Hugenotte als Stadtammann (Guignard) und eine Frau als Ständerätin und Rednerin (Christine Egerszegi) war in seinen Augen eine Unerhörtheit.

Christine Egerszegi liess sich davon nicht beeindrucken und warb dafür, dass die Musikschule nicht länger das Stiefkind im Schulsystem bleibe. «Musik erfasst das Fühlen und Denken des ganzen Menschen», sagte sie, «zusammen anfangen und zusammen aufhören ist ein wichtiges Erlebnis.» Marcel Guignard blickte nicht nur zurück auf die eigene Bezirksschulzeit mit strengem Abwart, sondern bis zur Entstehung, als 70 Stimmen mehr den Ausschlag gaben, dass die Bezirksschule im Zelgli und nicht im Rössligut gebaut wurde.