Aarau
Disco wie früher – aber weniger laut und mit weniger Nebel

Der Utopia Club hinter dem Bahnhof Aarau hat sich vom Jugendlokal zum Party-Veranstalter für über Dreissigjährige gemausert. Nun kommen die älter gewordenen Jugendlichen von damals zurück.

Sibylle Haltiner
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Edy Schneider hat wieder Erfolg – die selben Gäste, einfach älter geworden.

Edy Schneider hat wieder Erfolg – die selben Gäste, einfach älter geworden.

Sibylle Haltiner

Gesittet geht es zu und her an einem Freitag in der Vorweihnachtszeit im Utopia Club hinter dem Aarauer Bahnhof. Frauen und Männer über dreissig tanzen zu den Hits aus den 80er-Jahren, die zwar laut, aber nicht dröhnend aus den Lautsprechern schallen. Die Kinder vieler dieser Gäste verbringen den Abend in angesagten Clubs, die ältere Generation hingegen sucht die Gesellschaft ihresgleichen und die Musik ihrer Jugend in einer ruhigeren Atmosphäre.

Die Eintritte halten sich in Grenzen, die Konkurrenz durch Betriebsfeiern und Adventskonzerte ist gross. Clubbesitzer Edy Schneider ist trotzdem zufrieden. «Morgen haben wir voll», verkündet er zuversichtlich.

Früher traf sich Jugend im Uto

Bis vor wenigen Jahren noch waren seine Gäste im Teenageralter. 42 Jahre lang führte Edy Schneider standhaft einen alkoholfreien Jugendclub. Die Jungen konnten dort tanzen, Freunde treffen und ihre Freizeit verbringen – aber kein Bier trinken. Für viele war das «Uto» eine zweite Heimat, einigen hat Schneider gar eine Lehrstelle vermittelt und sie durch schwierige Zeiten begleitet. «Ich fand es immer spannend mit den jungen Leuten», erzählt er.

Insbesondere nachdem das Aarauer Jugendhaus angefangen hatte, Alkohol auszuschenken, wurde es zunehmend schwieriger, das Utopia alkoholfrei zu führen. Finanziell entwickelte sich der Club mehr und mehr zur Bürde. Da traf es sich gut, dass vor drei Jahren der Veranstalter der Tanznacht 40 anklopfte. Dieser organisiert unter dem Motto «älter werden wir alle, aber tanzen wollen wir trotzdem» Partys an verschiedenen Orten in der Schweiz. Edy Schneider entschied sich, das Konzept des Utopia zu ändern. Weg vom «Nuggiclub», hin zum Partylokal für Ü30 und Ü40.

«Best of 80s», «Ü30 House», «Depeche Mode» oder «Funknacht 40» heissen seither die Partys. «Den Leuten gefällts», meint Schneider und ergänzt: «Viele, die früher hier waren, kommen jetzt wieder.» Dies bestätigt Monica Lüscher, die als Jugendliche oft im Club war. «In meiner Jugendzeit war es eine Pilgerstätte», berichtet die 45-Jährige. «Und heute, 30 Jahre später, ist Edy immer noch da.»

Man kennt sich

An seine erwachsenen Gäste schenkt Schneider unterdessen Alkohol aus – ohne Probleme. «Mit Älteren hat man weniger Stress als mit Jugendlichen», erklärt Schneider, der nach eigenen Angaben früher seinen Jugendclub mit strenger Hand geführt hat. «Es gibt noch ein Sicherheitskonzept, doch nötig wäre es nicht.»

Zwar werden auch aktuelle Hits gespielt, doch Songs aus den 80er-Jahren und Funk liegen besonders im Trend. «Die heutige Musik erreicht mich nicht mehr», meint Besucherin Monica Lüscher. «Oft sind sie Eintagsfliegen und inhaltslos.» Sie mag die melodiösen Songs, die jeden ersten Freitag im Monat an der Party «Best of 80s» laufen. «Oft spielen wir «heiteres Musikraten»», erzählt sie, lauscht, überlegt und erklärt überzeugt: «Eurythmics.»

Doch nicht nur die Musik unterscheidet sich an Ü30-Partys. «Bei den Jüngeren geht es mehr ums Sehen und Gesehenwerden», meint Chris Suter (48), der im Utopia die Musik auflegt. «Die Älteren sind ungehemmter und entspannter. Es gibt nicht mehr so viel Konkurrenzdenken.» Das bestätigt auch der 42-jährige Sandro Penninger: «Hier müssen nicht alle um jeden Preis auffallen, es ist weniger oberflächlich und macht mehr Spass. Ich will nicht mehr mit Teenagern abtanzen.»

Feiern mit Gleichaltrigen

Sogar zwischen Ü30- und Ü40-Partys gibt es Unterschiede. «Für die Vierzigjährigen muss die Lichtschau viel diskreter sein. Bei den Dreissigjährigen darf es auch Nebel dabei haben, aber nicht so viel wie bei den Jungen», erklärt Schneider.

Seit er die älteren Partygänger zum Abtanzen einlädt, wird sein Club, der 200 Gäste fasst, wieder gut besucht. Sein Publikum ist mit Discos aufgewachsen und tanzt heute noch gerne. «Früher haben wir andere Partys gefeiert», sagen mehrere seiner Gäste. «Heute mögen wir es weniger laut und hektisch, dafür treffen wir Gleichaltrige und reden über Themen, die uns alle interessieren.»

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