Als Daniel Willi im September 1987 die musikalische Leitung der Musikgesellschaft Unterentfelden übernahm, trat er in grosse und vor allem tiefe Fussstapfen. Sein Vorgänger, Georges Hofer, hatte den Verein mit einem vierjährigen Unterbruch während 25 Jahren dirigiert. Eine Stabübergabe unter diesen Voraussetzungen ist nicht einfach, da oft mit langjährigen, prägenden Gewohnheiten gebrochen wird. «Die ersten zwei, drei Jahre hat es schon Schwierigkeiten und auch Kritik an meinem Führungsstil gegeben», erinnert sich Willi. «Vielleicht bin ich nicht so diplomatisch aufgetreten, wie man das erwartet hat. Im Gegenzug haben gewisse Musikanten nicht die Leistung gebracht, die ich erwartet habe. Es kam zu einem Aderlass im Verein.»

Willi, das wird im persönlichen Gespräch deutlich, ist ein überlegter und äusserst fokussierter Mensch. Er selbst sagt: «Ich bin ehrgeizig und ein Alphatier. Ich brauche Anerkennung und Bestätigung und lege viel Wert auf Arbeitsdisziplin.» Die Direktion der MG Unterentfelden übernahm er 1987 vor allem deshalb, weil er im Korps ein grosses Leistungspotenzial erkannte. Und dieses hat er in den vergangenen 30 Jahren ohne Zweifel in hohem Masse gefördert.

Erfolgsdisziplin Parademusik

Die Musikgesellschaft durfte unter der Leitung von Daniel Willi vor allem in der Disziplin Parademusik grossartige Erfolge feiern. Zweimal gewann man den Paradefinal des Aargauischen Musikverbandes, bereits dreimal durfte man an der Solothurn Marching Parade teilnehmen. Der Verein, der bei kantonalen und eidgenössischen Wettbewerben in der zweiten Stärkeklasse antritt, besitzt in der ganzen Region einen ausgezeichneten Ruf. Drei Jahreskonzerte im Jahr sind jeweils hervorragend besucht. Beim Eidgenössischen Schwingfest 2007 in Aarau konnte die von Daniel Willi konzipierte Rasenshow vor 40 000 Zuschauern aufgeführt werden.

Aufgewachsen ist Willi in Erlinsbach, heute lebt er in Buchs. Seine blasmusikalische Karriere begann bei der Kadettenmusik Aarau, später absolvierte er die Rekrutenschule im Spiel als Euphonist. Auch beruflich schlug er einen musikalischen Werdegang ein. An der Universität Zürich studierte er Musikwissenschaften und Romanistik. Am Konservatorium Zürich erwarb er das Organisten- und das Klavier-Diplom. An der Musikhochschule Luzern liess er sich zum Blasmusikdirigenten ausbilden. Hier genoss er den Unterricht des bekannten Komponisten und Dirigenten Albert Benz, der ihn in vielerlei Hinsicht geprägt hat. «Albert Benz war eine wahnsinnig charismatische Persönlichkeit mit einer enormen Schaffenskraft. Ein sehr disziplinierter und manchmal exzessiver Mensch.»

Leidenschaftlicher Arrangeur

Inzwischen ist Daniel Willi selber als Dozent für Blasmusikdirektion an der Hochschule Luzern tätig und hat vor zwei Jahren einen Lehrgang Instrumentation für Brass Band und Blasorchester veröffentlicht. Das Arrangieren und Instrumentieren von Musikkompositionen ist die grosse Leidenschaft von Daniel Willi. Das neueste Arrangement aus seiner Feder stellt Lieder der Schweizer Sängerin Anna Rossinelli zu einem Medley zusammen und wird an den Jahreskonzerten der Musikgesellschaft Unterentfelden vom nächsten und übernächsten Wochenende uraufgeführt (siehe Box rechts).

Was auffällt bei allen beruflichen Verpflichtungen von Daniel Willi, ist deren Langlebigkeit. Seit 19 Jahren dirigiert er auch den Männerchor Buchs. Seit 26 Jahren wirkt er als Organist in der Pfarrei Peter und Paul in Aarau. In dieser Funktion organisiert er auch jedes Jahr eine fünfteilige Konzertreihe in der Kirche. Gar seit 31 Jahren amtet Willi als Leiter der Musikschule Buchs-Rohr sowie als Klavierlehrer.

Er habe sich auch schon die Frage gestellt, weshalb seine Engagements von so langer Dauer seien, sagt Daniel Willi. «Es ist nicht, weil ich etwa so wahnsinnig geschätzt werde überall. Auch in der Musikgesellschaft Unterentfelden ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.» Die entscheidenden Gründe sieht er in einer gewissen konservativen Haltung und in seinem Bedürfnis nach wirtschaftlicher Sicherheit.

Stellt sich die Frage, wie lange Daniel Willi gedenkt, die Musikgesellschaft Unterentfelden noch zu dirigieren? Das stehe schon fest, sagt er. «Ich dirigiere noch bis zu meiner Pensionierung im Jahr 2022. Dann gebe ich den Verein ab.» Der künftige Dirigent des Musikvereins wird dann sicher auch seine eigenen Startschwierigkeiten haben.