Küttigen
Dieses Mal soll es klappen mit der Nutzungsplanung

2012 wurde die Bau- und Nutzungsordnung zurückgewiesen, nun kommt sie wieder vor die Gmeind. Die Vorlage zeigt, wie man mit dem erwarteten Bevölkerungswachstum umgehen will.

Nadja Rohner
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Blick von der Wasserfluh auf Küttigen und Aarau.

Blick von der Wasserfluh auf Küttigen und Aarau.

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Eigentlich hatte der Küttiger Gemeinderat gehofft, die revidierte Nutzungsplanung schon der kommenden Sommer-Gemeindeversammlung vorlegen zu können. Daraus wird wohl nichts: Vor Ostern endete die öffentliche Auflage, bei der insgesamt 9 Einwendungen eingegangen sind.

«Aufgrund der Anzahl und der Komplexität einzelner Einwendungen ist davon auszugehen, dass der Bearbeitungsprozess mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird», sagt der zuständige Gemeinderat, Tobias Leuthard. Deshalb wird die Vorlage wohl erst an der Wintergmeind 2016 zur Abstimmung kommen.

Schon der zweite Anlauf

Bereits im Juni 2012 brachte der Gemeinderat eine revidierte Fassung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) vor die Gemeindeversammlung. Sie kam nicht gut an: «Bewohner verteidigten das Landleben heftig», titelte die az tags darauf.

In einer emotionalen Diskussion hatten einige Küttiger verlangt, der Akzent in der neuen BNO sei weiterhin auf Einfamilienhäuser zu setzen und nicht auf neue Wohnblocks, wie der Gemeinderat gewollt hatte. Von einem «uferlosen Wachstum» sei abzusehen, man wolle keine Blocksiedlungen à la Buchs und Suhr. Überhaupt fühlten sich die Küttiger zu wenig in den Entstehungsprozess der neuen BNO einbezogen, von einer «Pseudo-Mitwirkung» war die Rede.

Immerhin wurde die Vorlage nicht gänzlich versenkt, sondern bloss zur Überarbeitung an den Gemeinderat zurückgewiesen. «Verschiedene Unzufriedenheiten in Bezug auf einzelne Punkte bewirkten damals einen Multiplikationseffekt», analysiert heute Tobias Leuthard, der das Ressort Bau kurz nach dieser Gemeindeversammlung übernommen hat.

In der zweiten Runde setzte die Gemeinde vermehrt auf Mitwirkung der Bevölkerung und Parteien, die das laut Leuthard durchaus geschätzt haben. Unstimmigkeiten konnten bereinigt werden, auch die kantonale Vorprüfung brachte nur wenige Korrekturpunkte zutage.

Wachstum kann Angst machen

Die Küttiger Siedlungsentwicklung ist weiterhin primär auf Wohnen ausgerichtet – nachhaltig soll gebaut werden, aber auch verdichtet. Aus heute 6100 Einwohnern sollen in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren 6500 bis 7000 Einwohner werden. Das ruft mitunter Ängste hervor. «Es ist ein Spagat zwischen Entwicklung und Schutz des Dorf-Charakters», sagt Leuthard. Er weist auf die Überbauung hin, die beim Baumschulareal geplant ist, 2018 soll der Bau beginnen, der Gestaltungsplan wird demnächst aufgelegt. Das Vorhaben ist umstritten und war mit ein Grund, weshalb die BNO 2012 abgelehnt wurde. «170 Wohnungen – das wird den Charakter des Dorfs – insbesondere im Rombach – verändern», sagt denn auch Gemeinderat Leuthard.

Für die «geplante Verdichtung» wurden verschiedene Steuerungselemente in die neue BNO eingebaut. Verdichtet wird etwa mit «grosszügigeren Ausnützungsziffern», wie Leuthard ausführt.

Der Verdichtung dienen auch die neuen sogenannten «Plus-Zonen», die die Küttiger als ihre eigene «Erfindung» ansehen, auch wenn die mittlerweile fünf Jahre alte Idee nun schon von einigen Gemeinden übernommen wurde, bevor Küttigen sie überhaupt implementieren konnte. Neu gibt es innerhalb der W2-Zonen, in denen eigentlich nur zweistöckig gebaut werden darf, auch W2plus-Zonen. Dort darf man ein zusätzliches drittes Stockwerk bauen – allerdings nur mit Flachdach und mit den Abständen der Zone W3.

«Schattendiagramme zeigen, dass diese nicht mehr Schatten erzeugen als zweistöckige Häuser mit Steildach», sagt Gemeinderat Leuthard. W2 wird allerdings nur dort zu W2plus, wo das Gelände eher flach ist – was in Küttigen bekanntlich nur an wenigen Orten der Fall ist – namentlich auf Stock oder in den ersten zwei Häuserzeilen entlang einzelner Abschnitte der Hauptstrasse.

Neuer Funkantennen-Passus

Auf Anregung eines Stimmbürgers wurde auch ein Passus zu Mobilfunkantennen in die BNO aufgenommen. Neu muss die Standortsuche nach einer Art Prioritäten-Kaskade erfolgen: Erst, wenn ein Mobilfunkanbieter in der Arbeitszone keinen Standort finden kann, darf er in der Wohnzone suchen.

Nicht mehr Teil der neuen BNO ist die Gärtnereizone Waagacher. Das Gebiet Waagacher ist als neuer Standort für das Betriebsgebäude der Baumschule Hauenstein vorgesehen. Mehr zu reden gab und gibt aber deren bisheriger Standort – dort sollen nämlich die erwähnten 170 Wohnungen entstehen.

«Aufgrund der Pläne des Baumschul-Betreibers und nach Absprachen mit dem Kanton wird der Waagacher im Rahmen eines Einzelverfahrens in der Kulturlandplan-Revision angegangen», sagt Leuthard. Auch diese Teilrevision des Kulturlandplanes wird voraussichtlich im Winter 2016 den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern vorgelegt.

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