Die Räubergeschichte fehlt ihnen noch. Die absurde Geschichte, die ihren Namen erklärt. Mizko Design. Erinnert etwas an Asien, vielleicht an eine maulende Katze, an etwas Abenteuerliches. Aber nein, der Name ist pure Fantasie. Das Produkt einer langen Suche, fünf grosse Papierbogen voll haben sie mit Ideen vollgeschrieben, bevor der Name geboren war. Nichts Englisches sollte es sein, keine Bedeutung haben, auf alle Sprachen aussprechbar. «Völlig unspektakulär», sagt Benedikt Löwenstein und nickt. «Wir müssen dazu unbedingt noch eine Geschichte erfinden.»

Das sollte ihnen nicht schwerfallen. Denn im Erfinden sind sie gut. Sarah Hügin (30) und Beni Löwenstein (32), das Jungdesigner-Paar hinter der Agentur Mizko Design, bereits international mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem mit dem Red Dot Award 2013 und 2014, einem Ritterschlag in der Design-Branche.

Sie sind die Erfinder der «Nimm-mich»-Kaffeebecher, die man bei K Kiosk bekommt. Sie haben für Manor Necessaires, Holzvögel, Kerzenständer, Geschenkkarten und eine Fruchtschale Weihnachts-Geschenkpapier entworfen. Sie haben Ladenkonzepte für Manor, K Kiosk und Vögele erarbeitet und sie haben verschiedene Möbel, Accessoires und Lampen designt, die in Läden in der ganzen Schweiz zu haben sind.

Entstanden ist das alles mitten in Aarau: Seit Sommer 2013 ist die Agentur daheim im Ochsengässli 9, etwas ab vom Schuss. Hierher verirrt man sich als Auswärtiger am ehesten dem bepflanzten Autowrack wegen – oder den tiefen Mietzinsen.

Hügin und Löwenstein kommen aus Baden und Wädenswil, sie ist gelernte Dekorationsgestalterin, er hat eine Elektronikerlehre gemacht.

Nach Aarau verschlagen hat sie das Industrial-Design-Studium an der Fachhochschule Nordwestschweiz, wo sie sich kennen lernten und ineinander verliebten.

Nach dem Bachelor 2011 sind sie privat wie beruflich hiergeblieben. «Weil mir Zürich irgendwie zu gross ist», sagt Löwenstein. Und weil es keinen Grund gebe, da sein sauer verdientes Geld für horrende Mietzinsen aus dem Fenster zu schmeissen. «Aarau ist gut gelegen und erst noch schön.»

Dass sich der ganze Schweizer Designer-Pulk in Zürich auf den Zehen herumsteht, interessiert die beiden nicht. Etwas Abstand schade nicht. Und der wird in den nächsten Wochen noch grösser; die beiden brauchen für sich und ihr Team mehr Platz und ziehen deshalb nach Schönenwerd, ins Nabholz-Gebäude.

Ein Objekt aus dem Nichts

Aus dem Nichts etwas gestalten, ein Objekt erfinden, das sich jemand kaufen und in die Stube stellen will – eine verrückte Aufgabe, der sich die beiden Tag für Tag stellen.

Hauptsächlich arbeiten sie für Auftraggeber. So wie beispielsweise die Warenhauskette Manor, die ihnen unter anderem den Auftrag für «ein Kundengeschenk» gab. Mehr nicht, keine erste Idee, keine Richtung. Ein Kundengeschenk – das könnte alles sein. Ein Kugelschreiber, ein Badetuch, eine Kaffeetasse. Bei Hügin und Löwenstein wurde es ein stapelbarer Kerzenständer mit dem Namen «Karat». Warum? Und vor allem: wie?

Die beiden lachen. «Man fängt an einem Zipfel an und arbeitet sich Stück für Stück vor», sagt Hügin. Wenn die Idee für die Art des Objekts erst einmal steht, folgt die Marktanalyse: Was gibt es schon? Was sollte man nicht machen? Und vor allem: Wie kann man das Objekt optimieren? «Wir versuchen immer, den Objekten einen Mehrwert zu geben», sagt Hügin. Sie sollen nicht bloss schön ausschauen, sondern auch wandelbar sein. Steht das Thema, folgen die Skizzen. Seitenweise Skizzen.

Das funktioniert mal besser, mal weniger, wie bei jedem kreativen Prozess. Da fetzen sich die beiden auch mal, das gehört dazu. «Jeder hat seine Stärken. Und sonst gilt: Wer lauter brüllt, hat das Vorrecht», sagt Hügin und lacht. Die pure Ratlosigkeit jedenfalls überkommt die beiden aber höchst selten. «Kreativität ist auch Übungssache», sagt Löwenstein. Und in Krisenfällen bewirke ein Kaffee oder ein Bier zwischendurch Wunder.

Klinkenputzen gehört dazu

Eine Herausforderung ist nicht nur das Designen, sondern in erster Linie die Suche nach Auftraggebern. Denn um selber ein Label aufzubauen, braucht es in erster Linie finanzielle Sorglosigkeit, zweitens viel Zeit zum Entwickeln und drittens noch mehr Zeit, um die Objekte an den Mann zu bringen. Doch auch Auftraggeber klopfen nicht einfach so im Ochsengässli an die Tür. «Designer sind Klinkenputzer», sagt Hügin. Stete Tropfen, die mit Blindbewerbungen ihre Steine höhlen. Und wie in so vielen Branchen geht auch hier nichts über Beziehungen, schliesslich hat so ein Auftrag viel mit Zwischenmenschlichem zu tun. Diese Arbeit braucht Biss und Durchhaltewillen, Goldfische haben in der Design-Branche nichts verloren. Es ist ein Haifischbecken. «Viele müssen nebenher in ihren angestammten Berufen arbeiten, um sich das Leben als Designer leisten zu können», sagt Hügin. Sie beide hätten das Glück, davon leben zu können. Nicht üppig, aber es reicht.

Auf ein bestimmtes Objekt oder eine Objektgruppe eingeschworen haben sich Hügin und Löwenstein bis jetzt noch nicht. Sie probieren gern alles aus, designen querbeet. «Für uns ist es im Moment viel zu spannend, verschiedene Produkte zu machen, sei das ein Glas, ein Hocker oder ein Taschenrechner», sagt Löwenstein. Apropos: Welches bestehende Objekt hätten die beiden gern entworfen? «Den Rex-Sparschäler.» Da sind sich die beiden einig.

Meet the Makers Am Donnerstag, 26. Februar, ab 19 Uhr präsentiert «Mizko Design» im «Kaufhaus zum Glück» an der Metzgergasse seine Produkte.