Aarau

Dieser Schulhausabwart läuft am verrücktesten Sportanlass der Schweiz mit

Auf der Sportanlage beim Schulhaus Scheibenschachen in Aarau robbt Andi Jurt vor dem Strongman Run schon mal durch den Sand.

Auf der Sportanlage beim Schulhaus Scheibenschachen in Aarau robbt Andi Jurt vor dem Strongman Run schon mal durch den Sand.

Am Samstag findet zum fünften Mal der Strongman Run in Engelberg statt. Auf einer Strecke von knapp 20 Kilometern müssen die 7000 Teilnehmer fast vierzig Hindernisse überstehen. Der Aarauer Andi Jurt ist mit seiner Gruppe «Eagle Runners» dabei.

Der Aarauer Andi Jurt sieht sie schon vor sich: die grosse Skisprungschanze in Engelberg. 110 Meter Steigung, fast senkrecht ragt sie in die Höhe. Hier muss er sich am Strongman Run hinauf kämpfen. «Simi rückwärts» wird das Hindernis genannt. Die Teilnehmer können nicht wie Simon Ammann die Schanze hinunterfliegen, sondern kraxeln mithilfe von Seilen die Rampe hinauf. «Es ist das brutalste Hindernis», sagt der 55-jährige Aarauer.

Neben dem «Simi rückwärts» warten noch achtzehn weitere dreckige und kräfteraubende Hindernisse auf die Teilnehmer, die sie alle zweimal überwinden müssen. Der Lauf erstreckt sich auf einer Länge von knapp zwanzig Kilometern. 5310 Männer und 1793 Frauen machen am Fisherman’s Friend Strongman Run 2014 mit. Am Samstag findet der Sportanlass zum dritten Mal in Engelberg statt. Er ist seit Wochen ausverkauft.

Ausrutschen, umfallen, im Dreck liegen, das gehört zum Strongman Run. «Aber hier wird einander geholfen, da drängt keiner den anderen weg», sagt Andi Jurt, der schon zum vierten Mal teilnimmt. Es gebe dreissig Läufer, die den Wettkampf gewinnen wollten, der Rest mache zum Plausch mit. Zu dieser Mehrheit gehört auch er: «Miteinander Spass haben und das Ziel erreichen, das steht im Vordergrund.»

Nur dreissig Teilnehmer sind älter

Andi Jurt ist 55 Jahre alt – nur dreissig Läuferinnen und Läufer sind älter als er. Wieso tut er sich das an? «Viele denken, wir haben einen Schuss in der Birne. Doch diesen Lauf muss man selber erleben, um die Begeisterung zu verstehen.» Er sei vor vier Jahren auf den Strongman Run gestossen, als er und seine Freunde nicht mehr nur gerade aus rennen wollten. Mit dem Strongman Run fanden sie die Lösung.

Doch ist man mit 55 Jahren nicht zu alt für einen solch verrückten Lauf? Jurt sagt dazu: «Man wird nie zu alt für Sport, sondern man ist zu faul dafür.» Er habe das Glück, gesund zu sein. Jurt bewundert dennoch jeden Teilnehmer, der noch älter ist. «Da ziehe ich den Hut, denn ich weiss, was es in diesem Alter braucht, dabei zu sein.» Den Lauf dürfe man nicht unterschätzen: «Es ist fast die Strecke eines Halbmarathons, dazu kommen die vierzig Hindernisse.»

Aber Andi Jurt ist topfit. Als Abwart im Schulhaus Scheibenschachen ist er ständig in Bewegung. Dazu spielt er regelmässig Fussball. Früher in der ersten Liga, heute in einem Plauschverein. Bietet sich während der Arbeit einmal eine freie Stunde an, steigt er in den Sattel. «Pro Jahr fahre ich paar tausend Kilometer mit dem Rennvelo.»

Strongman Run in Engelberg 2013

An Unterstützung fehlt es nicht

Am Strongman Run hilft ihm aber nicht nur seine gute körperliche Verfassung: «Wenn die Zuschauer einem so fantastisch unterstützen, läuft es sich wie von selbst.» Unterstützung erhält er auch von seinen Kollegen. In einer Fünfergruppe läuft er unter dem Namen «Eagle Runners». Alle haben ein T-Shirt mit dem Aarauer Stadtadler an. «Wir plaudern miteinander und pushen uns gegenseitig.»

Etwa zweieinhalb Stunden werde er unterwegs sein, schätzt Jurt. Dann komme der Moment, worauf er sich am meisten freut: «Wenn ich mit den Kollegen über die Ziellinie laufe und dann ein ‹Erdinger Weissbier alkoholfrei› trinke, sind alle Strapazen vergessen.»

Nach dem Wettkampf beginnt in Engelberg die grosse Party. Darauf verzichten aber Andi Jurt und sein Team: «Die Party überlassen wir den Jungen. Wir gehen sofort duschen und dann ab ins Auto, weg vom Trubel.» In einem Restaurant in Engelberg werde er mit seiner Familie ein ruhigeres Fest feiern.

Am Wettkampftag wird es heiss

Andi Jurt bereitet sich auf den Wettkampf nicht speziell vor. Er werde lediglich ein wenig auf die Ernährung achten: «Mehr Kohlenhydrate, dafür weniger Essiggurken.»

Für den Wettkampftag am Samstag werden in Engelberg Temperaturen bis zu 28 Grad erwartet. «Das macht den Lauf nicht leichter», sagt Andi Jurt. Aber der Aarauer ist sich sicher: «Wir werden auf jeden Fall Spass haben.»

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