Aarau
Dieser Mann erklärt den Asylsuchenden den Aargau

Rolf Geiser gibt Asylsuchenden in Aarau Einblicke in die Schweiz und versucht, den Kontakt zwischen Asylsuchenden und der Bevölkerung herzustellen und sie besser zu integrieren. Nun will er das Angebot auf andere Regionen ausbauen.

Peter Weingartner
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Rolf Geiser gibt Asylsuchenden in Aarau Einblicke in die Schweiz.
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Rolf Geiser gibt Asylsuchenden in Aarau Einblicke in die Schweiz.
Rolf Geiser gibt Asylsuchenden in Aarau Einblicke in die Schweiz.

Rolf Geiser gibt Asylsuchenden in Aarau Einblicke in die Schweiz.

Peter Weingartner

Ein neuer Protest gegen ein Asylheim. Diesmal in Aarburg. Die Zeichen in der Bevölkerung den Asylbewerbern gegenüber stehen auf Sturm. Nur einer macht unbeirrt weiter: Rolf Geiser. Jeden Samstag versucht er, den Kontakt zwischen Asylsuchenden und der Bevölkerung herzustellen und sie besser zu integrieren.

Er ist überzeugt, dass sein Projekt ein wichtiger Beitrag ist, um das Asylproblem in der Schweiz zu lösen. Bereits 44 Veranstaltungen hat er zusammen mit den rund 20 Mitgliedern des Vereins Netzwerk Asyl Aargau seit letztem Sommer durchgeführt. Jetzt will Rolf Geiser das Projekt ausweiten.

Denn die Bilanz lässt sich sehen: Durchschnittlich nehmen 20 bis 30 Personen an den Aktivitäten teil. Samstag für Samstag gibt es eine Begegnung mit der Schweiz. Der Verein Netzwerk Asyl Aargau konnte auf die Hilfe von bislang 25 Institutionen und Einrichtungen zählen: Schulen, Rotes Kreuz, Pfadi, Samariterverein, Blauring, Naturschutzvereine, Bibliothek, Kunsthaus, Naturama, Bally, Kirchen, Bauernhöfe, Polizei, Spital, Altersheim. Die Nachmittage bieten Einblicke in die schweizerische Welt und Begegnungen mit der Bevölkerung, die beide Seiten bereichern.

«Die Freude über die Erlebnisse ist den Leuten jeweils ins Gesicht geschrieben, auch jenen, die die vermittelten Informationen verbal noch nicht verstehen können», sagt Rolf Geiser. Sie fühlten sich willkommen und ernst genommen. Das Angebot hat in seiner Aarauer Pilotphase die Zielgruppe erreicht. Nun sollen – wie geplant – auch Asylsuchende weiterer Kantonsteile am Aargauer Leben teilhaben können. Man denkt in erster Linie an die Regionen Muri, Rheinfelden, Baden/Nussbaumen und Zofingen, wo der Verein Netzwerk Asyl Aargau mit andern Aktivitäten bereits verankert ist. Ziel ist, auf 2016 hin eine kantonale Lösung zu finden. Bereits heute sind die grössten Geldgeber (Lotteriefonds und Landeskirchen) kantonale Organisationen.

Doch es ist nicht leicht, für die Veranstaltungen jeden Samstag drei bis fünf Begleitpersonen zu finden. «Die Freiwilligenstruktur ist am Anschlag», sagt Rolf Geiser. Nicht alle seien pensioniert wie er. Geiser hofft, bis Mitte des nächsten Jahres eine erweiterte Fortsetzung des Pilot-Projekts in die Wege leiten zu können. Sei es, dass der Kantonale Sozialdienst, der das Projekt aktiv unterstützt, übernimmt, oder ein Hilfswerk, unterstützt durch Kanton und Bund.

Doch warum die ganze Mühe? Rolf Geiser erklärt es wieder und wieder, auf dass er endlich verstanden werde: «Die Asylsuchenden bleiben zu lange im Ungewissen über ihre Zukunft in der Schweiz.» Mit dem Warten und Herumhängen gehe die anfänglich grosse Bereitschaft, sich in die neue Welt einzufügen, schnell verloren. «Deshalb brauchen sie von Anfang an mehr als Verpflegung und ein Dach über dem Kopf», sagt Rolf Geiser, der das Projekt 2011 aufzubauen begann. Sonst seien Selbstwertgefühl und die Fähigkeit zur aktiven Lebensgestaltung massiv gefährdet. Ohne sie glückten weder eine Rückkehr ins Herkunftsland noch die spätere Integration und Existenzsicherung in der Schweiz. «Man kann nicht einem Menschen den Rücken brechen und dann erwarten, dass er sein Leben wieder in die eigenen Hände nimmt», meint Geiser.

Er wird zornig bei der Feststellung, dass Flüchtlinge, die in ihren Herkunftsländern Opfer von zutiefst ungerechten Verhältnissen seien, in der Schweiz zu Tätern eines angeblichen nationalen Notstandes gestempelt würden. Die integrativen Veranstaltungen des Projekts würden allen Asylsuchenden helfen. Wer einen positiven Entscheid erhält, integriert sich rascher, wenn er schon mehr weiss und Kontakte knüpfen konnte. Und für jene, die zurück müssen, brauche es erst recht Selbstvertrauen und Mut, etwas Neues zu wagen, am sozialen Leben zu partizipieren.