«Huch, was ist das?» – Die junge Frau, die in den dunklen Abendstunden über die Zurlinden-Insel spaziert, bleibt stehen und horcht in die Dunkelheit. Es raschelt. «Ein Biber», behauptet ihr Begleiter, zückt das Handy und leuchtet in die Dunkelheit. Was da im diffusen Licht des Handydisplays gemächlich im Gras herumwatschelt, ist aber kein Biber. Es handelt sich vielmehr um einen Dachs, der kaum Scheu vor Menschen zeigt und auf der Zurlinden-Insel schon einige nächtliche Passanten erschreckt hat.

Am Wochenende gelang es einer Tele-M1-Moderatorin sogar, das noch nicht ausgewachsene Tier bei Tag zu filmen. Das ist ungewöhnlich, bestätigt Erwin Osterwalder von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei. «Dachse sind normalerweise nachtaktiv und scheu.» Selten sind Dachse hingegen heutzutage nicht mehr. Noch Ende der 1970er-Jahre ging der Dachs-Bestand in der Schweiz dramatisch zurück. Grund dafür war das im Kampf gegen die Tollwut eingesetzte Giftgas, das man in Fuchsbauten geleitet hatte. Daran starben auch viele Dachse. Der Bestand nimmt seitdem aber wieder zu. Genaue Zahlen existieren laut Osterwalder im Aargau nicht.

Dachse leben im Familienverbund und sind für Menschen und Haustiere nicht gefährlich. «Man sollte sie aber in Ruhe lassen und sich ihnen nicht nähern», sagt Erwin Osterwalder. Insbesondere Hunde darf man nicht in die Nähe des Wildtieres lassen.

Bei Gartenbesitzern ist der Dachs nicht gern gesehen. «Er frisst gerne Engerlinge. Diese gräbt er aus und hinterlässt dabei schon mal grössere Löcher im Rasen», erklärt Osterwalder. Weil der Dachs aber ein schlechter Hochspringer ist, reicht ein niedriger Zaun als Schutz gegen den ungebetenen Gast im Garten aus. Da Dachse oft in der Nähe von landwirtschaftlichen Nutzflächen leben und dort Schäden anrichten können, werden sie kontrolliert bejagt.