Erlinsbach
Dieser Aargauer trotzt allen Wellen und durchschwimmt den Vierwaldstättersee

Jürg Ammann aus Erlinsbach hat in nur gerade vierzehn Stunden für einen guten Zweck den Vierwaldstättersee durchschwommen. Sein Abenteuer war ein Kampf mit einem glücklichen Ende.

Katja Schlegel
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Viele Freunde und die Familie jubeln am Ufer.
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Mutter Esther gratuliert zu Jürgs gewaltiger Leistung.
Eine Japanerin lässt sich neben dem Erschöpften fotografieren.
Jürg Ammann aus Erlinsbach überquerte in vierzehn Stunden den Vierwaldstädtersee.
Jürg Ammann lässt sich feiern.

Viele Freunde und die Familie jubeln am Ufer.

Katja Schlegel

Ein feuchtes Schnalzen, dann lösen sich die Hosenbeine des Neoprenanzuges nach einigem Zerren von den Füssen. Jürg Ammann kippt nach hinten auf die dünne Luftmatratze, seine Betreuer wickeln ihn straff in Decken ein, wie ein Neugeborenes. Nun liegt er da in dieser gewaltigen Luzerner Kulisse, nach 14 Stunden Schwimmen und 38 Kilometern in Armen und Beinen, mit geschlossenen Augen und sagt erst mal nichts.

Freunde und Familie stehen im Halbkreis, stolz und fröhlich und aufgeregt plaudernd, dazwischen lugen einige verdutzte Gesichter hervor. «Muss er ins Spital?», fragt eine ältere Dame vorsichtig. Nein, nein, wird ihr versichert. Eine Japanerin lässt sich von ihrem Sohn neben dem völlig erschöpften Ammann fotografieren.

Zweifel schon kurz nach dem Start

Knappe 15 Stunden vorher: In der Nacht auf Samstag blickt Jürg Ammann in Seedorf, im untersten Zipfel des Urnersees, ins tiefe Schwarz. Sein Gesicht glänzt im Licht der Scheinwerfer der Fernsehkamera, Fett soll gegen die Kälte helfen. Ausserhalb des Lichtkegels ist es zappenduster, der Steg ist nur knapp erkennbar. Der See ist glatt wie ein frisch gebügeltes Leintuch, kein Lüftchen kräuselt die Oberfläche. «Wie eine Neuschneepiste», sagt Ammann.

Die ersten 35 Minuten seien die schwierigsten, hatte er gesagt, bevor er unter dem Gejohle seiner Helfer ins Wasser gestiegen ist. «Die Zeit, bis der Motor warmgelaufen ist.» Aber er ist heiss auf das Projekt, nach mehr als eineinhalb Jahren Vorbereitungszeit soll das Ziel heute erreicht werden: die Durchquerung des Vierwaldstättersees, von Seedorf bis nach Luzern. Die Spendengelder, die er dafür erhält, will er der Stiftung Schürmatt in Zetzwil zugutekommen lassen.

Doch nun liegen erst diese 38 Kilometer vor dem 48-Jährigen. Und es soll nicht alles reibungslos verlaufen: Die aufkommenden Wellen in der Morgendämmerung machen Ammann zu schaffen. Von überall her schlagen sie über ihm zusammen, von vorne, von hinten, links und rechts.

Ihm wird schlecht, mehrmals muss er sich im Wasser übergeben. In diesem Moment habe er gezweifelt, ob er es schaffen würde, wird er am Abend am Luzerner Ufer erzählen. Doch nach einem Medical Stop in Gersau geht es besser, nach 45 Minuten spuckt Amman in seine Schwimmbrille und steigt wieder in den See, immer begleitet von Kajak und Begleitboot. Weiter geht es: den Bürgenstock im Blick, zwischen den Nasen hindurch, vorbei an Kastanienbaum, auf nach Luzern.

Zehn Minuten Pause nach der Ankunft

«Er kommt!» Es ist 18.51 Uhr, als die Wartenden im Inseli Park hochschnellen. Da sind das Kajak und das Begleitboot, daneben die Seepolizei, die den Trupp ans Ufer eskortiert. Und wenn man sich anstrengt, kann man Ammanns Arme ausmachen, die sich heben und senken.

Meter für Meter kommt er näher, und als er in Hörweite ist, brechen bei seinen Freunden alle Dämme. Sie jubeln und schreien ihn an Land, treiben ihn zur letzten Höchstleistung an, bis er vor ihnen im Wasser kauert und sich die Hände vor Freude und Erleichterung vors Gesicht schlägt.

Nach zehn Minuten Liegen auf der Matratze schlägt Ammann die Augen auf. Jetzt ist er bereit zu sprechen. «Ich bin so glücklich», sagt er, ein Mühlestein sei von ihm abgefallen. Denn trotz der kürzeren Strecke sei dies viel anstrengender gewesen als die Querung des Zürichsees 2011.

«Ohne mein Team hätte ich das nie und nimmer geschafft», meint er. Nie an ihm gezweifelt hat seiner Partnerin Marianne Stänz: «Er ist ein Fisch. Es hat keinen Grund gegeben, weshalb er das nicht hätte schaffen sollen.» Und während Ammann auf der Matte liegt und Gratulationen entgegen nimmt, denkt er bereits wieder an sein grösstes Ziel: die Querung des Ärmelkanals im Sommer 2016.

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