Markus Eichenberger

Dieser Aarauer Fotograf erlebt während der totalen Mondfinsternis eine Sternstunde

Markus Eichenberger nimmt für seine Fotos vieles in Kauf.Luca Rüedi

Markus Eichenberger nimmt für seine Fotos vieles in Kauf.Luca Rüedi

Fotograf Markus Eichenberger aus Aarau ist eigentlich ein Neumondmensch – trotzdem ist er wegen des bevorstehenden Jahrhundertereignisses ganz aus dem Häuschen.

Während der längsten totalen Mondfinsternis dieses Jahrhunderts wird Markus Eichenberger eine Sternstunde erleben: Der Aarauer Fotograf darf seine Werke am 27. Juli im Verkehrshaus Luzern zeigen, auf der grössten Kinoleinwand der Schweiz. «Eine unglaubliche Ehre», sagt Markus Eichenberger. Für diese Chance lässt er sogar seine längst gebuchten Pläne für den Abend sausen. Und das, obwohl er den Mond noch nicht einmal mag.

Markus Eichenberger (47) ist ein Suchender, ein Globetrotter. Über 80 Länder hat er schon bereist, hat sieben Jahre in Asien gelebt, zwei in London und drei in Barcelona und Peking. Als Banker arbeitete er bis zum Umfallen. Nur nebenher fotografierte er, zur Entspannung. Bis er 2008 den Auftrag bekam, die 31 Stadien für die Olympischen Winterspiele in Peking zu fotografieren. Ausgerechnet er, der nie einen Fotokurs besucht hat, der sich alles selber erarbeitet und beigebracht hatte.

Das Auto ging für Pingus drauf

Die Bilder wurden in der chinesischen «Sports Illustrated» als Sonderdruck veröffentlicht. Doch trotz des Erfolgs wartete Markus Eichenberger weitere sechs Jahre, bis er den sicheren Job in der Bankenbranche kündigte und vollberuflich auf die Fotografie setzte. Er musste etwas Neues machen, etwas Anderes.

Eichenberger wählte den Weg des Abenteuers: «Wer als Fotograf überleben will, muss Ungewöhnliches machen», sagt er. Sein Auto verkaufen, um eine Reise zur Antarktis finanzieren und Pinguine fotografieren zu können, zum Beispiel. In Spanien leben, um möglichst wenig Geld für den Lebenunterhalt auszugeben. Oder sich mit Kopfweh und gefrorenen Zehen die Nächte um die Ohren schlagen.

Markus Eichenberger hat sich auf Sterne spezialisiert. Mit Langzeitbelichtung oder Zeitraffer hält er auf Foto oder Film fest, wie das Firmament über unsere Köpfe zieht. Dafür muss er auf die höchsten Gipfel, möglichst weit weg von jeglicher Lichtverschmutzung, sitzt da nächtelang bei Minustemperaturen, richtet alle paar Stunden die Kameras neu aus. Seine Bilder verkauft er an Agenturen und Magazine, er hält Vorträge und bietet Sternfotografie-Workshops und Zeitraffer-Kurse an. Und das alles tut er sehr erfolgreich. Nicht nur, dass seine Agenda gefüllt ist. Auf dem Sims des Kachelofens in seiner Wohnung in der Aarauer Altstadt stehen auch sechs goldene Figuren und zwei Diplome. Es sind Preise von internationalen Filmfestspielen in Vancouver, Toronto, Auckland, Atlanta, Hollywood, London, Mumbai und Houston.

Und jetzt kommt eine weitere Auszeichnung dazu, wenn auch ganz ohne goldene Figur. «Die Anfrage von Marc Horat, dem Kurator des Planetariums im Verkehrshaus Luzern, hat mich enorm gefreut», sagt Markus Eichenberger. Und als er erfahren habe, dass er seine Filme im Filmtheater (IMAX) zeigen könne, auf der 25 auf 19 Meter grossen Leinwand, habe er erst leer geschluckt. «Und dann keinen Moment gezögert.»

Kurz auf den Titlis huschen

Eigentlich hätte er ganz andere Pläne für den Abend des 27. Juli gehabt. «Ich hatte mir den Abend extra freigeschaufelt, um den Blutmond zu fotografieren», sagt er. Workshops hatte er verschoben, Kunden vertröstet, den gebuchten Platz im Bergrestaurant storniert. Jetzt wird er stattdessen während einer Stunde am Themenabend «Mondfinsternis LIVE» aus seinem Arbeitsalltag erzählen und fünf bis sechs seiner Filme zeigen, darunter auch die preisgekrönten Sternenfilme – alle ohne Mond. Der Mond ist ein Geächteter. Der Feind des Sternenfotografen, sagt Eichenberger und lacht. «Das Mondlicht lässt die Sterne verschwinden. Sternenfotografen sind Neumondmenschen.» Doch der Blutmond sei eine Ausnahme, wegen des Lichts und der speziellen Konstellation mit Mars, Saturn, Jupiter und Venus.

Eine Chance für ein gutes Bild vom roten Vollmond bleibt: Eichenbergers Präsentation ist auf 18 Uhr angesetzt. «Vielleicht reicht die Zeit danach noch, um auf den Titlis zu huschen und ihn zu fotografieren.»

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