Hirschthal
Dieser 16-Jährige wagt sich ans grosse Segel-Abenteuer

Der 16-jährige Hirschthaler Dominik Stäger nimmt am Gardasee an der Europameisterschaft für Regattasegler mit einer Behinderung teil.

Claudia Schmid
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Dominik Stäger segelt zusammen mit Willi Lutz, Präsident von Sailability.ch, in einer Jolle des Typs Access Dinghy. Dominik kann das Boot mit einem Joystick (hier zu sehen in seiner rechten Hand) steuern. Dominik Stäger, der das Boot mit einem Joystick steuern kann, segelt zusammen mit Willi Lutz, Präsident von Sailability.ch. csc

Dominik Stäger segelt zusammen mit Willi Lutz, Präsident von Sailability.ch, in einer Jolle des Typs Access Dinghy. Dominik kann das Boot mit einem Joystick (hier zu sehen in seiner rechten Hand) steuern. Dominik Stäger, der das Boot mit einem Joystick steuern kann, segelt zusammen mit Willi Lutz, Präsident von Sailability.ch. csc

Solothurner Zeitung

Dominik Stäger ist ein sportbegeisterter junger Mann. In den warmen Jahreszeiten segelt er mit dem Verein Sailability.ch auf verschiedenen Schweizer Seen. Im Winter flitzt er regelmässig über Skipisten. Lässt es die Zeit zu, ist er zudem im Schwimmbad anzutreffen. Auch Fussball und Eishockey interessieren den 9.-Klässler sehr. Diese beiden Sportarten betreibt er aber nicht aktiv, sondern verfolgt sie mit Begeisterung als Zuschauer.

Dominik ist einseitig gelähmt (Hemiparese) – behindern lässt er sich aber nicht. Und nächste Woche steht ihm ein besonderes Sporterlebnis bevor: Er ist einer von sechs jugendlichen Seglern, die an der Europameisterschaft für Access Dinghies in Gargnano am Gardasee teilnehmen werden. «Der Präsident des Vereins Sailability.ch hat mich gefragt, ob ich mitmachen wolle. Eine solche Chance kommt nicht so schnell wieder. Deshalb habe ich zugesagt», erzählt Dominik Stäger.

Er segelt seit 5 Jahren

Der 16-jährige Schüler, der im Sommer in die Berufswahlschule von Zeka (Zentren Körperbehinderte Aargau) eintritt, segelt seit knapp fünf Jahren. «Mir gefällt, dass man ohne Motor und nur mit dem Wind schnell unterwegs sein kann.» Er wolle am Gardasee als Steuermann ein möglichst gutes Resultat erzielen, beschreibt er sein EM-Ziel. Neben dem sportlichen Aspekt mache es aber auch ganz einfach Spass, mit den Seglerkollegen zusammen zu sein. Für Dominik Stäger ist es die erste Teilnahme an einer Segel-Meisterschaft.

Anders sieht es im Ski-Alpin-Sport aus. Anfang April fuhr er an der von Plusport (Behindertensport Schweiz) organisierten Schweizer Meisterschaft in St. Moritz mit und erreichte im Riesenslalom den sehr guten 3. Platz.

Neben Dominik Stäger gehören weitere fünf Jugendliche mit einer Körperbehinderung zur Regatta-Crew, die am Gardasee Wettfahrt-Luft schnuppern will. Sie alle stammen aus der Deutschschweiz und trainieren bei Sailability.ch. Der Verein hat seinen Sitz in Arbon und wurde vor fünf Jahren vom Arzt Willi Lutz gegründet. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das Leben von Menschen mit besonderen Bedürfnissen durch das Segeln zu bereichern. Neben den Trainings und den Klubwochenenden gehören Sommersegellager zum Saisonhöhepunkt.

Speziell ausgerüstete Jollen

Sailability.ch verfügt über speziell ausgerüstete Jollen vom Typ Access Dinghy 303. Sie sind einfach und sicher zu bedienen und lassen sich alleine oder zu zweit segeln. Die Segelnden sitzen in Fahrtrichtung; sie müssen auch bei Kursänderungen keinen Positionswechsel im Boot machen. Mit wenig Aufwand kann vom Cockpit aus über einen Seilzug die Segelfläche den Windverhältnissen und Fähigkeiten der Segelnden angepasst werden. Gesteuert wird das Segelboot mit einem Joystick.

Ein solch ehrgeiziges Unterfangen wie die Teilnahme an einer Europameisterschaft braucht natürlich die nötige Vorbereitung. Dominik Stäger und seine Segelkollegen haben in den vergangenen Wochen regelmässig trainiert. Sie übten auf dem Bieler- und dem Bodensee die Feineinstellung der Segel und die präzise Ausführung der Manöver. So verlassen sie schon morgen gut gerüstet die Schweiz, um sich in Italien mit Regattaseglern anderer Länder zu messen.