Aarau
Diesem Festival ist der Regen schnurz: Hip Hop vom Feinsten auf der Pferderennbahn

Seit Jahren holt das kleine Hip-Hop-Festival «Make the Hood Look Good» die ganz grossen Namen auf die Pferderennbahn. Das zieht die Besucher an: Erstmals wurde ein Ticket in die USA verkauft.

Katja Schlegel
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2013 war der amerikanische Hip-Hopper Redman zu Gast im Aarauer Schachen.ZVG/Christoph Voellmy

2013 war der amerikanische Hip-Hopper Redman zu Gast im Aarauer Schachen.ZVG/Christoph Voellmy

Christoph Voellmy

Wenn andere Festival-Besucher am Sonntag mühsam ihre dreckverkrusteten Schuhe schrubben, lachen sich die Besucher des Festivals «Make the Hood Look Good» im Aarauer Schachen ins Fäustchen: Unter dem hohen Dach der Pferderennbahn gibt es feinsten Hip-Hop auf die Ohren – garantiert mit Frischluft, aber ohne Matsch. «Ein unschlagbarer Vorteil», sagt Mitorganisator Lorin Segrada und lacht. Ein guter Grund, tatsächlich, aber längst nicht der einzige.

Obwohl mit jeweils gut tausend Besuchern recht klein, hat sich das «Make the Hood Look Good» seit der Premiere 2009 in der Szene zur festen Festival-Nummer hinter dem Open Air Frauenfeld und der «Royal Arena» in Orpund gemausert. Seit Jahren holen die Organisatoren ganz grosse Namen des Hip- Hop in den Aarauer Schachen: M.O.P., Torch, The Beatnuts oder Rakim waren schon hier und brachten die alten Wände der Pferderennbahn zum Beben.

Internationale und lokale Acts

Dieses Jahr nun kommt der deutsche Hip-Hop ganz gross raus. Headliner sind zwei Rapper, die die Crew seit Beginn des Festivals zu buchen versucht hat: ASD, das Projekt von Afrob und Samy Deluxe. Mit AZAD steht ein weiterer deutscher Rapper auf der Bühne, der mit seinem Fortsetzungsalbum «Leben 2» die deutschen Charts geknackt und es sich da auf Platz 1 bequem gemacht hat.

Auch Jungspund Dillon Cooper aus New York ist im deutschen Hip-Hop kein Unbekannter: Er wurde letztes Jahr von Sido auf einem Song gefeatured. Ebenfalls aus den USA kommen die Oldschool-Helden Bizzare Ride Live (The Pharcyde) und die jungen Rapperinnen Reverie & Gavlyn.

Doch das «Make the Hood Look Good» wäre nicht echt, hätten die hiesigen Künstler nicht auch eine Plattform: Nebst dem sozialkritischen Berner Tommy Vercetti treten der Aarauer Chilli Mari sowie J Who, Joe-L, Vokabularphysik und Phraze Ablaze auf.

Talent statt Goldkette

Bei «Make the Hood Look Good» tritt auf, was das Organisationskomitee gerne hört. Und das kommt aus der klassischen Hip-Hop-Ecke, aus der guten, alten Hip-Hop-Zeit der Neunzigerjahre. «Wir machen kein Mainstream-Festival», sagt Lorin Segrada. Sie setzen lieber auf Künstler, die sich schon lange halten, Leute mit einem gewissen Standing, mit Talent statt fetter Goldkette. Das diesjährige Programm kommt an: Dass Tickets von Schaffhausen bis nach Genf und nach Deutschland verkauft werden, ist bereits Gewohnheit. «Dieses Jahr haben wir aber erstmals ein Ticket in die USA verkauft», sagt Segrada.

Trotzdem kämpft das Festival jedes Jahr ums Überleben. Vorfinanziert wird es hauptsächlich vom Organisationskomitee, dazu kommen Beiträge vom Kuratorium, der Stadt und Sponsoren. Ohne die rund 100 Helfer, die ehrenamtlich im Einsatz stehen, sähe es schlecht aus. «Wir machen das als Hobby», sagt Segrada. Und der Aufwand lohnt sich, auch wenn das OK zwischenzeitlich auf dem Zahnfleisch läuft. «Manchmal haben wir nur gerade fünf Minuten, in denen wir dem Headliner zuschauen können, bevor wir die nächste Glühbirne wechseln oder wieder WC-Papier auffüllen», sagt Segrada. Aber diese fünf Minuten seien es wert, das alles auf sich zu nehmen. «Es geschafft zu haben, diese Musiker auf unsere Bühne zu holen – das ist ein grossartiges Gefühl.»

«Make the Hood Look Good»
Samstag, 11. Juni, ab 16 Uhr, Pferderennbahn Schachen. Infos auf www.hoodlookgood.ch