Zwölf Stunden haben Seraina Petersen und Laura Säuberli in der Nacht auf Montag geschlafen. Eigentlich nichts Besonderes für zwei angehende Studentinnen, die gerade mitten in den Sommerferien stecken. Für die Aarauerin Säuberli und ihre Kollegin aus Kirchleerau war es aber dennoch ein Genuss, endlich wieder so lange im Bett liegen zu können. «In den letzten zwölf Tagen reichte es im Schnitt zu rund vier Stunden Schlaf», so Petersen. Die kurze Erholungszeit der beiden 20-Jährigen hatte einen guten Grund: Seraina Petersen und Laura Säuberli waren Mitglieder des Organisationskomitees der 73. internationalen Session des Europäischen Jugendparlaments (EJP), das bis letzten Sonntag in Zürich tagte.

217 Delegierte aus 36 europäischen Ländern haben während zehn Tagen über verschiedenste Probleme rund um das Thema Nachhaltigkeit debattiert. Steuerhinterziehung, Jugendarbeitslosigkeit, Frauenrecht oder internationaler Handel sind nur ein paar Beispiele der vielseitigen Themenpalette, der sich die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren annahmen. Nach der Kennenlernphase wurde in Gruppen während dreier Tagen intensiv an einem Thema gearbeitet, das sie an der abschliessenden Generalversammlung den restlichen Teilnehmern präsentierten.

Vielseitiges Rahmenprogramm

Was auf den ersten Blick nach einer Überdosis Politik aussieht, ist bei genauerem Betrachten nur halb so schlimm. «Die Diskussionen wurden zwar auf sehr hohem Niveau geführt und alle Teilnehmer haben sich im Vorfeld mit der Materie auseinandergesetzt. Trotzdem blieb genügend Zeit für sonstige Aktivitäten», so Säuberli. Ein Konzert in der St. Peterskirche in Zürich, ein Ausflug auf den Üetliberg oder eine «Swiss Night» an der Uni Zürich wurde den Teilnehmern zusätzlich angeboten. Schliesslich sollten diese auch das Gastgeberland und die restlichen Teilnehmer kennen lernen.

Der Aufwand, den das rund 30-köpfige Organisationskomitee für die EJP-Session in Zürich auf sich genommen hatte, war enorm; gerade auch wegen des Rahmenprogramms. Seit Oktober 2011 liefen die Vorbereitungen. Catering, Transport, Unterkunft, Sponsoren, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation -– alles haben die Jugendlichen selber auf die Beine gestellt. «Es war ein Anlass, der von uns Jungen für andere Junge organisiert wurde. Darauf sind wir stolz», sagt Laura Säuberli, die im September ein Wirtschaftsinformatik-Studium in Angriff nehmen wird. Ob sie später einmal in die Politik einsteigen will, weiss sie nicht. Auch Seraina Petersen, die in Genf internationale Beziehungen studieren will, ist sich noch unschlüssig. Eine politische Karriere entwickle sich. Die wenigsten EJP-Delegierten wüssten bereits jetzt, dass sie ein politisches Amt übernehmen möchten, sind sich die beiden einig.

Das Zeitgefühl verloren

Warum also die Teilnahme und das grosse Engagement für die EJP-Session in Zürich? «Aus Interesse an der Politik und am aktuellen Weltgeschehen», lautet die Antwort von Laura Säuberli und Seraina Petersen, die an der Alten Kantonsschule auf das EJP aufmerksam geworden waren. Eine Teilnahme, die beide nicht bereuen. «Es war eine super Erfahrung. Wir haben unterschätzt, wie wichtig die Kommunikation ist und wie viel Aufwand die Planung dieses Events mit sich bringt», sagt Petersen. Dass der Schlaf deswegen zu kurz kam und sie regelmässig bis morgens um drei arbeiten mussten, nahmen sie dafür gern in Kauf. «Wir waren in einer anderen Welt und haben dabei das Zeitgefühl völlig verloren», so Säuberli.

Das Zeitgefühl ist mittlerweile zurück und damit auch die Müdigkeit nach den stressigen EJP-Tagen. Umso mehr geniessen Laura Säuberli und Seraina Petersen die wohlverdienten Ferientage.