Per 1. Januar 2019 hat die Stadt Aarau die Arbeitsverträge an das im Juni letzten Jahres vom Einwohnerrat verabschiedete Personalreglement angepasst. 662 Verträge wurden, wie Marianne Iseli, Leiterin des Personalwesens, gestern vor den Medien erklärte, ausgestellt. Nicht davon betroffen sind Lernende und Praktikanten. Mit diesen zusammen sind rund 700 Personen mit unterschiedlichen Pensen bei der Stadt angestellt. Ihre Arbeitskraft entspricht laut Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker 420 Vollzeitstellen.

Neu gibt es nur noch öffentlich-rechtliche Anstellungsverhältnisse. Bisher kannte die Stadt auch solche privatrechtlicher Natur. Der Beamtenstatus wurde abgeschafft: Auch die Anstellungsverhältnisse des Stadtschreibers, seines Stellvertreters, der Angestellten des Zivilstandsamtes und der Polizisten werden nicht mehr durch Verfügung, sondern neu durch Vertrag begründet.

20 Tage Vaterschaftsurlaub

Grundsätzlich, sagte der Stadtpräsident, hätten das neue Personalreglement und die zugehörige Personalverordnung «sehr positive Rückmeldungen» ausgelöst. Landesweit für Aufsehen sorgte der Einwohnerrat, weil ihm der vom Stadtrat vorgeschlagene zehntägige Vaterschaftsurlaub nicht genügte. Er weitete diesen auf 20 Tage aus. Wegen des Patts im Rat (24:24 Stimmen) bedurfte es dafür eines Stichentscheids von Einwohnerratspräsident Matthias Keller (EVP).

Grosszügig zeigt sich die Stadt auch in der vom Stadtrat am 2. Juli 2018 verabschiedeten Personalverordnung bei den Lohnzulagen. Neu erhalten alle Mitarbeitenden eine einheitliche Zulage von Fr. 7.50 für Abend- (20 bis 23 Uhr) und Nachtarbeit (23 bis 6 Uhr) sowie für Samstags-, Sonntags- und Feiertagseinsätze. Die Zulagen sind kumulierbar. Ein Polizist kann so bei Abend- oder Nachtarbeit am Wochenende pro Stunde 15 Franken zusätzlich verdienen. Kommt dazu, dass bei angeordneter Nachtarbeit in mindestens 25 Nächten pro Kalenderjahr nebst der Geldzulage eine Zeitzulage von 10 Prozent winkt. Ein Polizist erhält also auch noch einen Zehntel dessen, was er in der fraglichen Zeit auf der Basis einer 42-Stunden-Wochen verdient. Sprich: Was die ehemals beamteten Angestellten der Stadt künftig extra kassieren, kann beim Einkommen durchaus ins Gewicht fallen. Das bestätigte gestern auch Stadtschreiber Daniel Roth.

Weitere Neuerungen

Neben dem bisherigen Jahresarbeitszeitmodell und den festen Arbeitszeiten hat die Stadt erstmals mit Kadermitarbeitern Vertrauensarbeitszeit vereinbart.

Der Ferienanspruch der Mitarbeitenden im Alter von 21 bis 45 Jahren wurde von 22 auf 25 Arbeitstage pro Kalenderjahr erhöht. Ab Alter 56 gibt es sechs Wochen Ferien.

Bisher wurden die Ferien bei einer Abwesenheit von 50 Tagen infolge Krankheit oder Unfall um jeweils 1 Tag pro 5 weitere Arbeitsage gekürzt. Neu werden die Ferien nach 60 Kalendertagen um einen Zwölftel pro Monat gekürzt. Im Gegenzug entfällt der jährliche Ferienmindestanspruch von 10 Kalendertagen.

Über die Gewährung unbezahlten Urlaubs entscheidet neu in der Regel die Anstellungsinstanz und nicht mehr in jedem Fall der Stadtrat. Während eines unbezahlten Urlaubs besteht kein Ferienanspruch. Bisher wurde der jährliche Ferienanspruch nicht gekürzt, sofern der unbezahlte Urlaub nicht länger als einen Monat dauerte.

Neu wird Mitarbeitenden auf Gesuch hin zulasten ihrer zeitlichen Gutschriften ein Sabbatical zur persönlichen oder beruflichen Weiterentwicklung gewährt, wenn die Anstellung seit mindestens fünf Jahren besteht, in den vergangenen fünf Jahren kein Sabbatical bezogen wurde und es die betrieblichen Bedürfnisse zulassen.

Neu geregelt wurde auch die Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Unfall. Die wegen Arbeitsunfähigkeit entgangenen regelmässigen Zulagen werden nun schon ab dem ersten Tag entschädigt, nicht mehr wie bisher erst ab Eintreten der Versicherungsleistung.

Gestrichen wurde die Übergangsrente bei Frühpensionierung. So können nach Angaben von Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker jährlich mehrere zehntausend Franken eingespart werden. «Das», so Hilfiker, «hilft, die Zusatzleistungen zu kompensieren.»

Eine personalrechtliche Frage bleibt noch in der Feuerwehrorganisationsverordnung zu regeln. Es geht um Angestellte der Stadt, die nebenbei in der Feuerwehr sind und von der Arbeit weg zu Pikettdiensten gerufen werden. Da sie für die Kurzabsenz von der Stadt voll bezahlt sind, ist der Stadtrat der Auffassung, dass ihnen nicht auch noch ein (nicht unbedeutender) Sold zustehen solle. Sonst erhielten sie praktisch den doppelten Lohn.

Die Aarauer Altstadt in Bildern: