Diese Neujahrsblätter sind so weiblich wie nie zuvor

Die Aarauer Neujahrsblätter 2021 sind einmalig – in mehrfacher Hinsicht. Männer spielen für einmal nur Nebenrollen.

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Die Architektin. Die Pianistin. Die Chauffeuse, die Frauenstatue aus dem Kasinopark, die Politik-Pionierinnen, die Streikerinnen, die Stadtweibelin. Sie stehen im Zentrum der Neujahrsblätter 2021. Und mit ihnen Kampfgeist, Wille und Mut. Aber auch himmelschreiende Ungerechtigkeiten, Frust, Aufopferung, die Suche nach einem besseren Leben.

50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts 1971 dreht sich auch in den Aarauer Neujahrsblättern alles um Frauen. Angefangen in den Zeiten der Stadtgründung, bei den Nonnen des Klosters St.Ursula in der Halde, über die verkannte Pianistin Alice Landolt, die Einstein-Geliebte Marie Winteler und Regierungsratschauffeuse Christa Eichenberger, bis hin zur Tagesaktualität mit Kantonsärztin Yvonne Hummel, die aktuell wegen Corona im Scheinwerferlicht steht. Und was wäre Aarau ohne all die Vereine, in denen sich Frauen seit Jahrzehnten für andere Frauen engagieren, ohne die Vorkämpferinnen, die sich bereits vor 100 Jahren in Aarau für ein Frauenstimmrecht eingesetzt haben? Ganz abgesehen von den Frauen im Hier und Jetzt, die sich am Frauenstreik im Juni 2019 lautstark für ihre Rechte eingesetzt haben.

«Wir wollten das Frauenstimmrecht zum Anlass nehmen, nicht nur zurückzublicken, sondern Frauen eine Stimme zu geben und zu untersuchen, wie Frauen heute in Aarau dargestellt und wahrgenommen werden», sagt Martin Tschannen, Präsident der Redaktionskommission. Männer spielen für einmal blosse Nebenrollen: Sie erscheinen als Liebhaber, als Kunstschaffende, als – aber nicht nur – die Verhinderer.

Früh begonnen und doch spät fertig

Die Aarauer Neujahrsblätter 2021 sind anders. So politisch wie kaum je und vor allem eines: monothematisch. 167 Seiten voller Frauengeschichten, die allermeisten von Frauen geschrieben - oder festgehalten in Schwarz-Weiss, ebenfalls von Frauen fotografiert. Zusammengetragen unter der Federführung von Verena Naegele und Heidi Hess.

«Es ist eine einmalige Ausgabe», sagt Martin Tschannen. «Sie ist denkwürdig, aufwühlend und bestärkend.» Einmalig auch, was den Aufwand anbelangt: Vor eineinhalb Jahren wurde mit der Arbeit an ihr begonnen, ungewöhnlich früh. Und doch wurde sie erst im letzten Moment fertig. Corona hatte allen einen Strich durch die Rechnung gemacht, wie könnte es auch anders sein. Aber nun ist es da, dieses Buch kommt coronabedingt ohne Vernissage und still und leise in die Läden. Auch das: denkwürdig. (ksc)