Suhr
Diese Mega-Baustelle bringt die Fussgänger-Hölle

Das Suhrer Zentrum ist für Passanten zum zeitraubenden Labyrinth geworden. Für den Kanton steht bei den Umwegen die Sicherheit der Fussgänger im Vordergrund – doch dieser Plant scheint nicht aufzugehen.

Janine Gloor (Text und Fotos)
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Weil die Fussgänger sonst die Schranken verschieben würden, dulden die Arbeiter den Trampelpfad.
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Die Fussgänger-Hölle von Suhr
Ruedi Gloor aus Aarau sucht den Heimweg.

Weil die Fussgänger sonst die Schranken verschieben würden, dulden die Arbeiter den Trampelpfad.

zvg

Die Baustelle hat aus dem Suhrer Zentrum einen Irrgarten gemacht. Ein Labyrinth mit Hindernissen, Sackgassen und Umwegen. Zumindest für Fussgänger. Bei der Bären-Kreuzung sind alle Fussgängerstreifen ausgemerzt worden.

Pendler konnten vom Bahnhof herkommend bis anhin die Kantonsstrasse via Fussgängerstreifen überqueren und so zur Tramstrasse und direkt zum Suhre-Park gelangen. Seit die Bauarbeiten begonnen haben, ist das nicht mehr möglich. Fussgänger werden mit Schildern von der Bärenkreuzung weggeführt. Weit weg.

Die Umleitung führt bis zum Möbel Pfister, durch die Unterführung. Von dort kann man entweder via Alte Gasse in die Tramstrasse einbiegen oder entlang der Bernstrasse zum Einkaufen in den Suhre-Park. Zeitaufwand: Zirka acht Minuten, wenn man gut zu Fuss ist.

Passanten verschieben Schranken

Für den Kanton steht bei diesen langen Umwegen die Sicherheit der Fussgängerinnen im Vordergrund. «Der Automobilist muss im Baustellenbereich auf so viele Dinge achten, dass es zu gefährlichen Situationen führen könnte, wenn auch noch Fussgänger über die Strasse möchten», sagte Alex Joss, Projektleiter Department Bau, Verkehr und Umwelt, im Interview mit der AZ Anfang März.

Doch die Zeit und Geduld für einen sicheren Weg wollen viele Fussgängerinnen und Fussgänger nicht aufbringen. Immer wieder huschen Leute vor dem Suhre-Park über die Bernstrasse: Teenager, ältere Menschen, Mütter mit Kinderwagen.

Auf der Strasse gehen sie zwischen den haltenden Autos hindurch und überqueren die Baustelle auf einem Trampelpfad. Wieso ist diese Passage nicht abgesperrt?

Ein Bauarbeiter zuckt mit den Schultern. «Wenn wir absperren, schieben die Leute die Schranken weg», sagt er. «So haben wir sie wenigstens nicht da, wo wir gerade arbeiten.» Die wilden Querungen machen den Autofahrern das Leben schwer. «Im Dunkeln habe ich immer Angst, dass ich jemanden überfahre», sagt ein Anwohner.

Eine zweite Fussgängerumleitung führt vom Bahnhof durch den Floralpweg zur Unterführung beim Hotel Kreuz. Etwas verloren geht ein Mann der Bernstrasse Richtung Rundhaus entlang.

Ohne Trennung durch eine Schranke oder einen Trottoirrand rauscht der Verkehr an ihm vorbei. Es ist Ruedi Gloor aus Aarau. Er ist mit dem Zug nach Suhr gefahren und wollte gemütlich nach Aarau zurückspazieren. Zuerst muss er jedoch noch den Weg finden.

Auf der Tramstrasse wartet eine Gruppe Velofahrer und Fussgänger auf eine Lücke zwischen der Autoschlange. Den Weg bis zur Valiant Bank, wo der erste Fussgängerstreifen eine legale Querung zulässt, wollen sie nicht auf sich nehmen. Mittlerweile hat es zu schneien begonnen, es dämmert.

Obwohl zur Sicherheit der Fussgänger gedacht – die neuen Umleitungen machen das Gehen in Suhr zum Spiessrutenlauf.