Aarau-Rohr
Diese Kinder haben den grössten Kindsgi von allen

Zehn Kinder aus dem Stadtteil Rohr gehen seit Anfang Woche in der Schulhausaula in den Kindergarten. Ihr Kindsgi ist damit so gross, dass sie sogar herumrennen können, obwohl man das eigentlich nicht dürfte.

Katja Schlegel
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Erst hat Kindergärtnerin Olivia Bärtschi leer geschluckt ob all dem Platz – mit den Möbeln ist aus der Aula aber ein gemütlicher Kindsgi geworden.

Erst hat Kindergärtnerin Olivia Bärtschi leer geschluckt ob all dem Platz – mit den Möbeln ist aus der Aula aber ein gemütlicher Kindsgi geworden.

Alex Spichale

Zwischen Puppenhaus und Marktstand liegt locker ein kurzer Spurt drin – auch wenn Rennen im Kindergarten eigentlich nicht erlaubt ist. Kindergärtnerin Olivia Bärtschi lacht und winkt ab. «Bei so viel Platz kann ich die Kinder kaum davon abhalten, die rennen ganz automatisch von Ecke zu Ecke.»

So viel Platz, wie diese zehn Kindergartenkinder im Stadtteil Rohr haben, ist wohl einzigartig: Weil eine Einsprache das Kindergartenprovisorium der Kreisschule Buchs-Rohr blockiert, müssen sie bis zu den Herbstferien in der Aula des Stäpflischulhauses in den Kindsgi (die az berichtete).

Erst leer geschluckt

Sie habe im ersten Moment schon leer geschluckt, als klar war, dass sie ihren Kindergarten in der Aula einrichten müsse, sagt Bärtschi. «Aus diesem grossen Raum samt Bühne einen Kindergarten zu machen, das war auf den ersten Blick eine Herausforderung.» Je mehr Möbel und Spielzeuge sie aber in den Raum gestellt habe, desto besser habe es ihr gefallen. Mit ein paar Trennwänden hat der Raum auch seinen Aula-Charakter verloren. «Jetzt sieht es hier aus wie in einem richtigen Kindergarten.» Zwar fehle ein Brünneli und die Toiletten liegen im Gang; aber das störe nicht weiter.

Die zehn Kinder, die Gruppe «Frosch», hatten einen durch und durch speziellen Einstieg in den Kindergarten- und Schulalltag: Ihr erster Kindsgi-Tag fand nicht nur in der Aula, sondern auch eine Woche nach dem offiziellen Schulstart statt. Dies, weil das Kindergartenprovisorium wegen des laufenden Baubewilligungsverfahrens selbst ohne Einsprache mit einer Woche Verspätung hätte aufgestellt werden können.

Nichts verpasst

Verpasst hätten ihre «Frösche» mit diesem verspäteten Start aber nichts, sagt Bärtschi. Gelernt haben die Kinder in den ersten vier Tagen trotzdem schon Einiges: Wer die Spielecke wechseln will, muss erst aufräumen und Frau Bärtschi um Erlaubnis fragen. Auch hat jedes Spiel seinen fixen Platz: Mit den Puppen spielt man im Bäbiegge, mit den Kühen und Hühnern beim Bauernhof, mit den Hula-Hoop-Reifen in der Bewegungsecke. Da halten sich die Kleinen strikte daran, das haben sie verinnerlicht. Als der Fotograf zwei Mädchen bittet, für ein schönes Bild mit ihren Reifen mitten in den Raum zu stehen, schüttelt das eine heftig den Kopf: «Frau Bärtschi hat gesagt, wir dürfen damit nicht aus der Spielecke raus.» Sagt es, lässt den Fotografen stehen und lässt den Reifen wirbeln.