Region Aarau

Diese Gemeinden senken trotz Widrigkeiten ihre Steuern

..

Die Gemeinden klagen, sie müssten immer mehr Kosten vom Kanton tragen. Gleichzeitig drohen ihnen wegen der Steuerreform mit tieferen Tarifen Einbussen beim Steuerertrag. Trotzdem senken mehrere Gemeinden in der Region 2012 ihren Steuerfuss.

Der Tenor der Gemeindeammänner lautet: Wir haben gut gewirtschaftet und seriös budgetiert, jetzt können wir mit den Steuern runter. Schöftland beispielsweise senkte die Steuern in den letzten Jahren kontinuierlich um zwei Prozentpunkte. Laut Ammann Hans Müller sind die Schulden abgebaut: «Wir sind praktisch auf null.» Ausserdem erwarte er rund 200 neue Einwohner. «150 Wohnungen sind noch im Bau und werden nächstes Jahr fertiggestellt.»

Gränichen wuchs in den letzten zwei Jahren um zehn Prozent und nimmt deshalb mehr Steuern ein, wie Mirjam Zedi, Leiterin Finanzen, schreibt. Ausserdem wurden die Technischen Betriebe verselbstständigt, was positiv zu Buche geschlagen habe.

Davon zehrt auch Suhr: Die Gemeinde privatisierte die Technischen Betriebe und kann nun ihren Steuerfuss um zwei Prozentpunkte senken. Hansjürg Rohner, Präsident der Finanzkommission, hält aber fest, dass bei steigenden Ausgaben und gleich bleibenden Einnahmen der Steuerfuss jederzeit variieren könne. Auch der Leutwiler Gemeindeammann Walter Scheurer vermutet, dass in seiner Gemeinde die Erhöhung des Steuerfusses in zwei, drei Jahren wieder thematisiert werde. «Leutwil kann die Steuern senken, weil grosse Investitionen verschoben wurden», sagt Scheurer. «Die Strasse und die Kanalisation werden noch verbessert. Die Kosten kommen - einfach später, als wir dachten.» Und mit der wachsenden Bevölkerung stiegen auch die Steuereinnahmen.

Ammerswiler leisten sich etwas

Ähnlich in Holziken. Ammann Peter Lüscher sagt, man wolle «kein Geld auf die hohe Kante legen». Die geringeren Steuereinnahmen würden für das kommende Jahr reichen. «Ausserdem kann man den Steuerfuss auch wieder erhöhen.»

Im Unterschied zu anderen Gemeinden profitiert Ammerswil nicht unbedingt von seinen Zuzügern. Gemeindeammann Hanspeter Gehrig: «Ein Kind kostet die Gemeinde meist mehr, als sie über Steuern zusätzlich einnehmen kann.» In Ammerswil steht keine neue Investition an. Über Jahre wurden Projekte mit einem relativ hohen Steuerfuss finanziert. «Nun sind Gemeindehaus und Schule saniert und die Strassen in akzeptablem Zustand», erklärt Gehrig. Der Steuerfuss soll für drei, vier Jahre auf tieferem Niveau gehalten werden.

Angst vor Abwanderung ins Seetal

Die Gemeinden Burg und Menziken wollen mit tieferen Steuern konkurrenzfähig bleiben und Gewerbe und Neuzuzüger anlocken, wie der Ammann von Burg, Marcel Schuller, sagt. Für die Schule, den öffentlichen Verkehr und die Infrastruktur sei das Nötigste gemacht. Annette Heuberger, Gemeindeammann von Menziken, ergänzt: «Zwar lassen tiefe Steuern keine grossen Sprünge zu, aber wir wollen verhindern, dass Einwohner in Richtung Seetal abwandern.»

Zum Beispiel nach Meisterschwanden, wo die finanzielle Situation komfortabel aussieht. Gemeindeschreiber Michael Grauwiler: «Wir hatten in den letzten Jahren rund eine Million Überschuss. Was soll eine Gemeinde damit machen, wenn keine unmittelbaren Investitionen anstehen?» Meisterschwanden wolle den Einwohnern das Geld nicht unnötig aus den Taschen ziehen. Der gesenkte Steuerfuss: 74 Prozent.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1